Über das Wesen der modernen, deutschen Karikatur, wie ihrer Hauptkünstler, ist einiges von Johannes Schlaf, Franz Servaes und dem Verfasser geschrieben worden. Sie haben in breiterer Ausführung versucht, diese Errungenschaften zu werten. Die moderne Karikatur schafft an zwei Centren, München und Berlin. München mit »Jugend«, »Simplicissimus«, »Süddeutschem Postillon«, Berlin mit dem gescheiterten »Narrenschiff«, dem auch nur kurzlebigen »Münchhausen« und dem illustrativ tüchtigen Organ der »Lustigen Blätter«. Aber die wirkliche Berliner Karikatur, welche heute mit einem Schlage hervorzuzaubern wäre, und für die genug lebensfähige Ansätze sich in den letzten Jahren schon gezeigt haben, sie hat auch heute wieder keine Stätte zur Entfaltung, und so müssen wir Berliner — wie ehemals aus den »Fliegenden« — wieder von München her eine künstlerische Nahrung in uns aufnehmen, welche uns doch nie und nimmer Brot werden kann. Der Einfluß, den diese Münchener Blätter auf die gesamte deutsche Karikatur und das Illustrationswesen in Deutschland geübt haben, wird ihnen immer zum Ruhm gereichen, — wenn auch vielleicht einmal die Zeit kommen wird, wo sie als Organe abgewirtschaftet haben werden. Von der »Jugend« ist dies weniger bald zu erwarten, denn sie ist nicht so einseitig tendenziös — man möchte sagen — so fortschrittlich reaktionär — wie der »Simplicissimus«, in dem sich, ganz abgesehen von der manchmal unliebsamen, nicht immer unanfechtbaren Tendenz, in letzter Zeit bei den gewiß hochbefähigten Zeichnern eine gewisse Erstarrung bemerkbar macht. Die künstlerische Eigenart mancher ist drauf und dran, Manier zu werden.

Abb. 160. Arpad Schmidhammer: Zu »Der Neue Plutarch«. Goethe und Fräulein von Göchhausen. (Münchener Jugend.)

Abb. 161. Arpad Schmidhammer: Zu »Der Neue Plutarch«. Schiller und Goethe. (Münchener Jugend.)

Abb. 162. Eugen Kirchner: »Faß' Moritzche an, geht vor und rechnet ein Bißchen zusammen ...« (Fliegende Blätter, München.)