Der ich Keinen je betrübt;
Jeder will an mir sich reiben,
Da man alle Schuld mir giebt.
Ich muſs unterdeſs allein
Der unschuldig Niemand seyn.
Nürnberg.
Emil Weller.
Spruch vom schönen Brunnen zu Nürnberg.
Die meisten unserer Leser werden gewiſs schon von diesem Brunnen gehört, oder eine Abbildung desselben gesehen haben. Er steht auf dem Hauptmarkt, der katholischen Pfarrkirche z. U. L. Frau schräg gegenüber, und ist eine der schönsten Zierden der alten Reichsstadt. Erbaut wurde er, wie neuere Forschungen dargethan, in den Jahren 1385–1396 durch Meister Heinrich den Palier. Er besteht aus einer 60 Schuh hohen, reich durchbrochenen und mit Bildwerken gezierten Spitzsäule, die auf achteckiger Grundfläche und in zwei verjüngten Aufsätzen sich erbaut und in eine Spitze von Knospen und Blumen ausläuft. An den Strebpfeilern und zwischen ihren reichgezierten Spitzbogengiebeln stehen in edler Haltung gar viele Standbilder, und zwar an der untersten Stufe die sieben Kurfürsten und neun Helden aus der christlichen, jüdischen und heidnischen Zeit, nämlich Gottfried von Bouillon, Klodwig von Frankreich und Karl der Groſse, dann Judas Makkabäus, Josua und David, schlieſslich Cäsar, Alexander der Groſse und Hektor von Troja[A]. Auf der zweiten Stufe sind unter Spitzbogenwölbungen Moses und die sieben Propheten angebracht. Auſser diesen Statuen befinden sich am Brunnen auch noch andere Bilder, namentlich Menschen- und Thierköpfe. Diese und die Standbilder wurden schon zur Zeit ihrer Aufstellung reich vergoldet und bemalt[B] und mögen in ihrer Farbenpracht einen herrlichen Anblick geboten haben. Jetzt sind nur noch schwache Spuren der Vergoldung sichtbar. Viele der alten Standbilder waren vor 40 Jahren dem Verfall nahe; sie wurden 1824 von kunstverständiger Hand restauriert, oder durch neue ersetzt.
Der Brunnen ist von einem künstlichen, achteckigen eisernen Gitterwerk eingefaſst. Es wurde 1587 von Meister Paul Köhn verfertigt und erregt auch jetzt noch die Bewunderung der Vorübergehenden.