BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

1866.

Nº 6.

Juni.

Chronik des germanischen Museums.

Nürnberg, den 15. Juni 1866.

Die freundlichen Leser dieser Blätter werden sich erinnern, daſs das german. Nationalmuseum, um die verschiedenen Vorschüsse, die es während der ersten Jahre seines Bestehens, namentlich zum Zwecke der Restauration der in ruinösem Zustande übernommenen weitläufigen Gebäude des Karthäuserklosters und zur Bestreitung sonstiger unumgänglicher Einrichtungskosten aufzunehmen genöthigt war, in ein einziges, geschlossenes Passivkapital zu verwandeln und diesem eine geregelte Tilgung zu sichern, im Jahre 1861 bei dem Bankhause Joseph von Hirsch in München ein Anlehen von 65,000 fl. negoziierte. (Vgl. das Programm am Schlusse der Nr. 10 des VIII. Jahrganges dieser Zeitschrift.) Dieses „ Bauanlehen “ fand zwar recht erfreuliche Theilnahme, indem eine ansehnliche Zahl (68 Stück) der von dem genannten, die fragliche Angelegenheit in liberaler und anerkennenswerthester Weise behandelnden Bankhause ausgegebenen 4%igen Partialobligationen (zu 500 fl.) von Gönnern und Freunden des german. Museums übernommen wurde (vgl. die Bekanntmachungen in Nr. 12 d. Bl. von 1861); gleichwohl verblieb noch immer ein bedeutender Rest von unbegebenen Aktien. Verhandlungen mit der kgl. Bank dahier, bei welcher, wie wir bei diesem Anlasse dankbarst anzuerkennen haben, unser nationales Institut mit seinen Anliegen stets die geneigteste Berücksichtigung fand, führten dann schlieſslich dahin, daſs die kgl. Bank jenen Aktienrest im Nennwerthe von 31,000 fl. als interimistische Deckung für ein altes Hypothekkapitalguthaben von 13,000 fl. und für ein neues dem german. Museum gemachtes Vorlehen von 17,000 fl. unter der Bedingung pfandweise übernahm, daſs eine, ihr zur Sicherung des früheren, damals bis auf 19,000 fl. bereits herabgeschmolzenen Anlehens von 50,000 fl. vom Gründer unserer Anstalt, Freiherrn v. u. z. Aufseſs bestellte, und auf seine Güter Freyenfels, Weyer und Neidenstein hypothekarisch eingetragene Bürgschaft von 25,000 fl. auch ferner noch bestehen bleibe, was denn auch Seitens des Freiherrn v. Aufseſs dem german. Museum sehr bereitwillig zugestanden wurde. So anerkennenswerth nun dieses weitere Eintreten des Genannten für seine Schöpfung war, eben so freudig haben wir, eingedenk der groſsen Opfer, die Frhr. v. Aufseſs dem german. Museum in jeglicher Richtung schon gebracht, wie eingedenk namentlich des Umstandes, daſs derselbe mit ca. 60,000 fl. (Kaufschillingsrest für seine Sammlungen), die vorläufig nur mit 2% verzinst werden, noch Gläubiger unserer Anstalt ist, die uns jüngst gewordene Kunde zu begrüſsen, daſs die kgl. Bank, nachdem die fragliche Schuld des german. Museums im Laufe der Jahre durch Ausloosung und Rückkauf mehrerer der deponierten Aktien nicht unwesentlich sich gemindert hat, die auf des Frhrn. v. u. z. Aufseſs Güter eingetragene Caution von 25,000 fl. nunmehr hat löschen lassen. Wir verbinden mit dieser angenehmen Mittheilung den Wunsch und die angelegentliche Bitte, daſs Gönner und Freunde unseres nationalen Werkes durch Uebernahme weiterer, je auf 500 fl. lautender 4% Partialobligationen des hier in Rede stehenden Bauanlehens, wie solches in vergangenem Jahre wieder Seitens der Herren Oskar Benckiser in Pforzheim und Hofrath Dr. Dietz dahier geschah, uns in den Stand setzen möchten, von den bei der königl. Bank deponierten Papieren mehr und mehr einzulösen. Prospekte mehrerwähnten Anlehens, das im Wege jährlicher Ausloosung zur Rückzahlung kommt, stehen auf Verlangen gratis und franko zu Diensten.

Nächst dieser dem Credite unserer Nationalanstalt sehr günstigen Entschlieſsung hiesiger kgl. Bank haben wir heute zunächst eines Beschlusses des Gemeinderathes der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien vom 14. Mai zu gedenken, dem wir auch für das J. 1866 einen Beitrag von 100 fl. ö. W. zu verdanken haben, und der, ohne unser Zuthun gefaſst, aufs Neue Zeugniſs ablegt für die fortdauernd rege Theilnahme und geneigte Würdigung, deren sich die Bestrebungen unseres nationalen Institutes in der Kaiserstadt zu erfreuen haben.

Auch hat, wie wir dankbarst hier hervorheben, die Gemeindevertretung der Stadt Nördlingen, die an der Förderung unseres nationalen Werkes seit Jahren schon regen Antheil nimmt, den uns bisher gewährten jährlichen Beitrag von 6 auf 10 fl. erhöht, ein Vorgang, den wir der Nachahmung von Seiten anderer Gemeindeverwaltungen des deutschen Vaterlandes hiermit recht warm empfohlen haben möchten.

Die wissenschaftlichen Arbeiten unserer Anstalt, insbesondere das, Gelehrten wie Künstlern schon recht nutzbringend gewordene Bilderrepertorium, erfuhren eine sehr wesentliche Förderung dadurch, daſs die k. k. Centralcommission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale in Wien Separatabdrücke sämmtlicher in den Jahrgängen V-X ihrer Publicationen benutzten Holzstöcke uns zugehen lieſs, so daſs, da Separatabdrücke der in den ersten Bänden enthaltenen Abbildungen uns von anderer Seite schon früher zugekommen, nunmehr der ganze Illustrationenapparat jener umfassenden und gediegenen Publicationen unserem Repertorium einverleibt werden kann. Möchten Herausgeber anderer, der vaterländischen Geschichte gewidmeten illustrierten Werke und Zeitschriften diesem Beispiele recht einmüthig folgen! Es würde dann über alles in dieser Beziehung Erscheinende hier eine treffliche Uebersicht zu gewinnen sein.