Nürnberg, den 15. Juli 1866.

Inter arma silent Musae. So hat auch der traurige Bruderkrieg, der Deutschlands Fluren zerstampft und seine Söhne mordet, nicht spurlos an unserer Anstalt vorübergehen können. Gesammtdeutschland gewidmet, Eigenthum des ganzen deutschen Volkes und somit Repräsentant seiner Einheit, fühlt unser Institut jeden Sieg, auf welcher Seite er auch erfochten werde, als eine Niederlage, und nur die Hoffnung kann uns Trost geben, daſs ein fester, dauernder Friede wohl bald wieder das deutsche Volk vereinige, daſs der Krieg den Patriotismus wecke und läutere. Der traurige Bruderkrieg muſs ein Ende nehmen; dann wird das Museum, das weder Parlament noch Bundestag, weder Zoll- noch National-Verein, sondern der einmüthige, freie Wille des deutschen Volkes und sämmtlicher Fürsten geschaffen, wieder aufs neue Zeugniſs geben, daſs ein Vaterland alle Stämme umfaſst. Sein Wahlspruch ist und soll ewig bleiben: Durch Einheit stark. Ueber jeder Partei stehend, rechnet das Museum darauf, daſs jeder Deutsche soviel in seinen Kräften steht thun werde, um ihm über die Schwierigkeiten hinwegzuhelfen, die in den Zeitereignissen begründet sind, um es ihm zu ermöglichen, für bessere Tage sich zu erhalten. Möge doch wenigstens Ein und der Andere im Donner der Kanonen auch an das deutsche Nationalinstitut denken! — Wir sagen „möge“; und doch ist’s nicht blos unser Wunsch — nein, mit Freude und Stolz, soweit die trübe Zeit dies zuläſst, können wir sagen, daſs dies Viele mit uns fühlen, daſs uns in der letzten Zeit manche Zuschrift zugegangen ist, die diesen Gedanken ausspricht, daſs Mancher aufs neue versprochen hat, im Leid wie in der Freude festzuhalten an unserer Nationalsache. Haben wir auch in diesem Monate nicht Vieles zu melden, so ist doch eine um so schwerer wiegende Thatsache zu verzeichnen, die beweist, daſs nicht Alle im Drange der Ereignisse uns vergessen haben. Herr Professor von Scheurl in Erlangen, der Vertreter der altberühmten Nürnberger Patrizierfamilie, hat im Museum eine Stiftung seiner Familie errichtet, indem er nicht blos das gesammte, höchst interessante Familienarchiv unter Eigenthumsvorbehalt im Museum deponierte, sondern auch eine groſse Anzahl seltener Bücher, die in unserer Bibliothek ebenso eine gesonderte Reihe bilden werden, wie die deutsche Parlamentsbibliothek und die Wilhelmische Bibliothek. Das höchste Interesse aber erweckt eine davon getrennt zu haltende ganze Bibliothek aus der ersten Hälfte des 16. Jahrh.: die noch ganz intakt bewahrte Bibliothek des berühmten Nürnberger Rechtsgelehrten und Staatsmannes Dr. Christoph Scheurl († 1542), die nicht blos eine groſse Zahl höchst werthvoller, uns bis jetzt fehlender Incunabeln enthält, sondern auch noch ganz die alte, von der heutigen verschiedenen Aufstellungsweise einer Bibliothek zeigt. Es wird Veranstaltung getroffen werden, daſs diese Bibliothek so aufgestellt wird, daſs auch das Publikum den Genuſs hat, eine intakte Bibliothek des 16. Jahrh. zu sehen. Eine Anzahl sehr werthvoller Porträts und sonstiger Familienbilder aus dem 15.-17. Jahrh., Kupferstiche, Holzschnitte, Holzstöcke u. s. w. vervoll ständigen diese groſsartige Familienstiftung. Unter den Urkunden des Familienarchivs befinden sich eine ziemliche Anzahl älterer und selbst einige nicht unbedeutende Kaiserurkunden; unter den Akten aber Manches von höchstem Interesse; so eine Zahl eigenhändiger Briefe von Martin Luther, Melanchthon, Hieronymus Paumgärtner etc., dann der Briefwechsel des Dr. Chr. Scheurl mit Herzog Georg von Sachsen und Bischof Johann von Trient, eine Reihe von Briefen anderer fürstlicher Personen, der Städte Weiſsenburg, Passau etc. an Dr. Christoph Scheurl. Die Uebertragung in’s Museum hat eben begonnen; ein Ueberblick der reichen Stiftung läſst sich erst dann gewinnen, wenn das ganze Material geordnet im Museum liegt; allein so viel kann man schon jetzt sagen, daſs diese v. Scheurl’sche Familienstiftung mit zu den groſsartigsten Förderungen gehört, die das Museum seit Langem erhalten hat.

Möchte dies Beispiel gerade jetzt recht viele Nachahmung finden!

Eine andere sehr dankenswerthe Förderung ist von Seite des hiesigen Kaufmanns Herrn Ph. Lobenhofer zu Theil geworden, der eine interessante, lebensgroſse, bemalte Marienstatue aus dem Beginn des 15. Jahrh., unter Eigenthumsvorbehalt, im Museum deponiert hat.

Wie das Museum seine Hauptaufgabe in der wissenschaftlichen Thätigkeit sucht, so muſs es sich auch freuen, wenn der Name seiner Beamten über ihre eigentliche amtliche Aufgabe hinaus Anerkennung findet. Mit Stolz blickt es daher auf eine Anzahl Gelehrte, die jetzt da und dort im weiten deutschen Vaterlande ehrenvolle Posten bekleiden, und die einst ihre Thätigkeit im german. Museum begonnen. So mischt sich auch jetzt ein gerechter Stolz in das Bedauern, abermals einen tüchtigen Beamten aus dem Museum scheiden zu sehen, indem unser Archivconservator, Herr Dr. C. Will als fürstl. Thurn und Taxis’scher Archivar nach Regensburg berufen wurde. Auch in anderer Weise wurde bisher der Thätigkeit mancher Beamten des Museums Anerkennung gezollt. So wurden z. B. die Herren Gebrüder DDr. Erbstein wiederholt ersucht, gröſsere numismatische Sammlungen zu ordnen und zu verzeichnen. Ein ähnliches Ersuchen wurde jüngst an diese Herren in Betreff der im Nachlasse des zu München verstorbenen, in numismatischen Kreisen allbekannten Herrn Obersten Ritter von Schultheſs-Rechberg befindlichen Münzsammlung gestellt und ihnen von Seite des Museums der zur Vorbereitung dieser Arbeit, mit der namentlich die Fortführung und Vollendung des vom Verstorbenen herausgegebenen „Thalerkabinets“ verbunden sein wird, nöthige Urlaub gewährt, wozu sich das Museum um so mehr verpflichtet fühlte, als ihm ein Betrag von einhundert Gulden aus jenem Nachlasse zugewiesen worden. An sonstigen Beiträgen wurden im Laufe des Monats neu gezeichnet:

Aus Vereinskassen: Vom Gesangvereine zu Lauf (Bayern): 3 fl. (einm.)

Von Privaten: Basel: Gymnasiallehrer Ludwig Sieber 2 fl. 20 kr. (statt früher 1 fl. 10 kr.); Berchtesgaden (Bayern): Ignaz Frhr. v. Barth, kgl. Landrichter, 1 fl., Jos. Dietz, k. Rentbeamter, 1 fl., Baubeamter Haindl 1 fl., Kaufmann J. Kerschbaumer 1 fl., Privatier Michael Kirchmayr 1 fl. 45 kr., Dr. Kimmerle, prakt. Arzt, 1 fl., Haupt salzamtskassier Ostler 1 fl., Apotheker Pirngruber 1 fl., Ludwig von Savoye, k. Notar, 1 fl. 45 kr., Oskar Scheidemandel, Aufschläger, 1 fl., Jakob Schwarzenbeck, Posthalters-Sohn, 1 fl., Hauptsalzamtscontroleur Weidmann 1 fl., Ritter von Weishaupt, k. Ober-Berg- und Salinenrath, 1 fl. 45 kr.; Callenberg (Kgr. Sachsen): Pfarrer Anaker in Hohenstein 1 fl. 45 kr., Fabrikant Victor Falke in Hohenstein 1 fl. 45 kr., Kaufmann Ewald Frey in Hohenstein 1 fl. 45 kr. (einm.), Kaufmann Karl Heise in Hohenstein-Ernstthal 1 fl. 45 kr., Kaufmann Ferdinand Jacobi in Hohenstein 1 fl. 45 kr., Lic. Moriz Meurer, Pfarrer, 1 fl. 45 kr.; Calw (Württemberg): Dr. med. Ad. Günzler in Liebenzell 30 kr., P. Haaga, Distriktsarzt in Herrenalb 30 kr., Dr. C. Müller, Oberamtsarzt, 1 fl.; Eſslingen: Caroline Gräfin von Beroldingen, geb. Gräfin von Larisch-Mönich, Staatsministerin, Excellenz, in Stuttgart, 6 fl., Mathilde Freifräulein von Buttlar 1 fl., Max Freiherr von Soden, stud. jur., in München, 1 fl. 45 kr., Wilhelm Graf von Taubenheim, stud. jur., in Tübingen, 2 fl.; Freiburg i. Br.: Professor Schreiber 10 fl. (einm.); Furth a. W. (Bayern): Erhard Bauer, k. Hauptzollamtsverwalter, 1 fl., Stadtschreiber Raim, Bauer 1 fl., Bernhard Frhr. v. Hirschberg, Güterexpeditor, 1 fl., Dr. phil. Schlimmbach 1 fl.; Gussenstadt: Pfarrer G. Steinbeis 1 fl.; Lauf: Kaufmann J. G. Barth 1 fl. (einm.); Nürnberg: Dr. Heinrich Kleemann, Apotheker, 1 fl. 45 kr.; Ostheim v. d. R. (Sachsen-Weimar): Diaconus Ackermann 1 fl., Rektor L. Andrä 1 fl., Justiz-Amtmann Karl Briegleb 1 fl., Dr. med. Glock 1 fl. 45 kr., Amtsphysikus Dr. Keſsler 1 fl., Amtsaktuar Ottomar Kind 1 fl.; Staffelstein (Bayern): Kunstmühlenbesitzer A. Eichenmüller 1 fl. (einm.), Bezirksamtmann Falco 1 fl., Rechtspraktikant Finzel 1 fl. (einm.), Dr. Hepp, k. Bezirksarzt, 1 fl. (einm.), Künell, geistl. Rath, Dechant und Stadtpfarrer, 1 fl., Notar Maltz 1 fl. (einm.), Michael Reuder, k. Bez.-Amts-Assessor, 1 fl. (einm.), Apotheker Rigel 1 fl. (einm.) Rechtspraktikant, Schmitt 1 fl. (einm.), Gallus Silbermann, Fabrikbesitzer, in Hausen 2 fl. (einm.)

Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen auſserdem, wie wir hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu:

I. Für das Archiv.

Beyschlag, Pfarrer, in Freimersheim:
3347. Ein Trauerlied auf Elias Hainzelmann, sammt Begleitbrief aus dem Jahre 1695. Pap.