BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

1866.

Nº 8.

August.

Chronik des germanischen Museums.

Nürnberg, 15. August 1866.

Die politischen Ereignisse der jüngst verflossenen Zeiten, deren wir schon in voriger Chronik gedachten, haben zur Besetzung Nürnbergs durch eine preuſsische Armee unter Oberbefehl Sr. königl. Hoheit des Groſsherzogs Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin geführt. Die nationale Bedeutung unserer Anstalt und die allgemeine Theilnahme aller deutschen Bruderstämme hat sich auch bei diesem Anlasse auf’s glänzendste bewährt. Se. königl. Hoheit, schon seit Jahren wohlwollender Förderer der Anstalt, geruhten, dieselbe aufs eingehendste zu besichtigen und verweilten nebst Gefolge 2½ Stunden in den Räumen der Karthause, um sich von dem Fortgang und der weitern Entwicklung der Anstalt zu überzeugen; und wir können es mit Stolz herausheben, daſs Se. königl. Hoheit in Folge dieses Besuches die erfreuliche Mittheilung dem I. Vorstande zu machen geruhten, daſs Höchstihr Jahresbeitrag, der bisher stets nur auf eine Reihe von Jahren zugesichert war, nunmehr als ständiger, immerwährender zu betrachten sei. Nicht leicht hätte irgend eine Zusage dem Museum erfreulicher sein können, da gerade die Befestigung der Anstalt von der Befestigung der gröſseren, sicher eingehenden Beiträge direkt abhängig ist.

Die hohe Freude, welche das Museum über diese werthvolle und wichtige Zusage empfindet, wird noch gesteigert durch das weitere Versprechen Sr. königl. Hoheit, die Kupferstichsammlung des Museums durch die Doubletten der groſsh. Kupferstichsammlung bereichern zu wollen. Wie das hohe Beispiel des Höchstkommandierenden der Occupationsarmee anregend auf die Offiziere und die Mannschaft gewirkt hat, so hatte sich das Museum auch eines sehr bedeutenden Besuches von Offizieren und Soldaten zu erfreuen, so daſs die lebhafte Bewegung in unsern Hallen einen angenehmen Contrast bildete zu dem in der Zeit vorher fast auf Null gesunkenen Fremdenbesuche. Mancher langjährige auswärtige Freund und Förderer des Museums wurde so durch den Gang des Krieges in’s Museum geführt, mancher neue Freund gewonnen.

Die in Folge des Waffenstillstandes wiederhergestellte Verbindung mit allen Theilen Deutschlands hat auch die eine kurze Zeit in Stocken gerathene Correspondenz wieder belebt.

Auch die leider in der Expedition des Anzeigers eingetretenen Störungen können nun ausgeglichen werden; ebenso wird unser 12. Jahresbericht für 1865 demnächst zur Versendung gelangen.