Bayer. Zeitung: Mgbl. Nr. 194. Kleine Beiträge zur Wittelsbachischen Hausgeschichte. Pfalzgraf Otto VI. von Wittelsbach bei der Veroneser Klause 1155. (C. Th. Heigel.) — Nr. 197 f. Zur Lebensgeschichte des Bildschnitzers Veit Stoſs. — Nr. 203 f. Christian von Schweden in Paris, 1656. — Nr. 207 ff. Das Friedensmahl und andere Festlichkeiten bei dem Friedens-Executions-Congreſs in Nürnberg im Jahre 1649 und 1650. — Nr. 211. Aus alten Chroniken (ein Kirchendieb; über das Vortanzen). — Nr. 217 ff. Ueber Schmuck und Kleiderluxus der Deutschen. Kulturgeschichtliche Skizze. (Venanz Müller.) — Nr. 218 f. Der letzte Hafner zu Marbach.
Vermischte Nachrichten.
76) Unter dem in nächster Zeit in Nürnberg zur Versteigerung kommenden Nachlasse des bekannten Architekten C. A. von Heideloff befindet sich ein merkwürdiges Stammbuch, auf das Liebhaber und Autographensammler gewiſs mit Recht schon im Voraus aufmerksam gemacht werden dürfen. Dasselbe ist vom Jahr 1605 an bis über die Mitte des Jahrhunderts hinaus geführt, besteht aus einem Queroctavbande von 339 Blättern und ward von einem Andreas Setzinger angelegt, der, wie aus dem Buche selbst hervorgeht, in Regensburg seine Studien begann und in Straſsburg vollendete, dann, wahrscheinlich einer Gesandtschaft beigefügt, sich längere Zeit in den Niederlanden aufhielt, Frankreich und England bereiste, und überall eifrig bemüht war, aus seiner vornehmen Umgebung Namen in sein Buch eintragen zu lassen. Deutsche Fürsten jener Zeit finden sich nicht selten eingeschrieben, so Ludwig Friedrich Herzog zu Württemberg, Adolf Friedrich und Johann Albrecht, Herzoge zu Mecklenburg, Johann Christian Herzog zu Schlesien, die Markgrafen Christian und Albrecht von Brandenburg, Friedrich Ulrich Herzog zu Braunschweig, u. a. Die interessanteste Handschrift ohne Zweifel rührt vom Befreier der Niederlande, Prinzen Moriz von Oranien, der im Jahre 1608 mit dem Zusatze: „ Je maintiendray “ sich eingezeichnet hat. Auch sein nicht minder berühmter Bruder und Nachfolger Heinrich und Louise von Colligny, verwittwete Fürstin von Oranien, haben ihre Namen und Denkverse eingeschrieben. Vom Jahre 1608 auch ist der Eintrag Roberts, des letzten Grafen von Essex, der nicht weniger bezeichnend seinem Namen den Spruch: „ Virtutis comes invidia “ beigefügt hat. Diesem schlieſsen sich die Lords Spencer, Winwood u. a. an. Sehr zahlreich ist der deutsche hohe, zum Theil reichsständische Adel vertreten. Die bedeutendsten Namen aus der österreichischen Gegenreformation, wie die Khevenhüller, Räcknitz, Herberstein, Dietrichstein, Stubenberg, Gäller, Praunfalk u. s. w., kehren fast sämmtlich mehrmals wieder. Von andern sind hervorzuheben die Grafen von Stollberg-Werningerode, Isenburg- Büdingen, Löwenstein-Wertheim und manche mehr. Der gewöhnliche Zierrath solcher Stammbücher: gemalte Wappen, Costüme, Darstellungen aus dem Studentenleben, Allegorieen u. dgl. ist auch hier in reichem Maſse vorhanden.
77) Die Versteigerung der Drugulin’schen Sammlung von Kupferstichen und Radierungen in London, welche vom 11. bis 22. Juni dauerte, war in Folge der eingetretenen Kriegsereignisse fast ohne alle Betheiligung von festländischer Seite geblieben, was besonders bei den Werken der niederländischen Radierer einen bedeutenden Ausfall verursachte. Trotzdem wurden u. a. folgende Preise erzielt: St. Georg, von einem unbekannten Meister um 1450, 50 Pfd. St. 10 Sh.; St. Christoph, von einem andern Stecher aus gleicher Zeit, 18 Pfd. 18 Sh.; von den Dürer’schen Stichen: Adam und Eva 15 Pfd. 10 Sh., die Passionsfolge 17 Pfd., Maria mit dem Affen 9 Pfd., Eustachius 33 Pfd., die Melancholie 9 Pfd., der Spaziergang 8 Pfd., Ritter, Tod und Teufel 30 Pfd., das Wappen mit dem Todtenkopfe 10 Pfd. 2 Sh. 6 P. Die Stiche nach A. v. Dyk blieben trotz ihrer Schönheit weit hinter den gewohnten Preisen zurück. Die Blätter von dem Meister E. S. von 1466 brachten: die Madonna unter dem Baldachin 41 Pfd., St. Michael 10 Pfd., St. Marcus 5 Pfd. 17 Sh. 6 P., der Buchstabe r 15 Pfd. 5 Sh.; das reiche Hollarwerk erzielte circa 320 Pfd.; die Preise der neuen Blätter des Israel von Mecken variierten zwischen 5 Pfd. 5 Sh. und 9 Pfd. Den ganzen achten Tag nahm das treffliche Rembrandtwerk in Anspruch und erreichte ungeachtet der niedrigen Preise 607 Pfd. Der Gesammterlös betrug 3652 Pfd.
(Ill. Z.)
78) In Unter-Lunkhofen, einem aargauischen Dorfe am rechten Ufer der Reuſs, ist durch die historische Gesellschaft des Kantons Aargau der gröſste von 46 gezählten Grabhügeln, die im dortigen Bergwalde Bärhau liegen, im Laufe des Monats Juli abgedeckt worden. Derselbe miſst in seinem mittlern Durchmesser 60 Fuſs, in seinem untersten 90 Fuſs, ist von zweierlei Umfangs- und Strebemauern, übereinander liegend und jede gegen 6 Fuſs breit, eingewandet und in seinem Centrum auf 15 Fuſs Tiefe mit einer Grundlage von ähnlichen wilden Steinklötzen und Geschiebmassen ausgerüstet. Unter diesen erst beginnt der natürliche Waldboden, alles Uebrige ist künstlich aufgetragen. Auf 10 Fuſs Tiefe wurden zehnerlei verschiedene Flächen sowohl der Leichenverbrennung als auch der Leichenbeerdigung durchstochen oder abgedeckt. Daraus ergibt sich unwiderleglich, daſs hier die Beerdigung und die Verbrennung gleichzeitig und nebeneinander im Brauche gewesen sind. Das hier bestattete Volk ist ein vorrömisches, zu welchem trotz seiner mannigfachen, durch den Handel bezogenen Luxusartikel noch nicht eine einzige römische Münze gekommen war. Die metallenen Schmuckgegenstände sind, auſser wenigem Eisen, Bronze von theilweise auſserordentlich feiner Guſshaut und sehr edler Form. Ein feines, roth und grün gewürfeltes Gewandstück einer vornehmen Frauenleiche hat sich durch die Oxydation des dabei gelegenen Erzes ganz unversehrt erhalten. An zierlichem Haarschmuck, an Arm- oder Gelenkringen aus Erz, Ohrgehängen, Bronzeperlen und Gewandnadeln wurden werthvolle Fundstücke erhoben. Fingerringe von Bernstein, rothes, sechsfach facettiertes Glas setzen nicht minder in Verwunderung, als die Früchte von wilden und veredelten Birnen, Kirschen u. s. w., die durch die luftdicht schlieſsende Schutterde des Hügels sich noch in verhältniſsmäſsiger Frische vorfanden, obschon sie zum Theil in einer Tiefe von acht und mehr Schuh lagen. Die osteologische Beschaffenheit der Schädel und Gerippe, sowie ihre verschiedenartige Bestattungsweise deutet auf eine zweifache Rasse von Unterjochten und Herrschenden. Die noch dieses Jahr erscheinende „Argovia“, das Jahrbuch der historischen Gesellschaft, wird umfassenden Bericht hierüber erstatten und die Situationspläne mittheilen.
(Dies.)
79) Der fürstlich fürstenbergische Hofbibliothekar Dr. Barack in Donaueschingen hat ein Bruchstück der verloren gegangenen deutschen Originalchronik des Chronisten Wigand von Marburg in der dortigen Bibliothek aufgefunden. Diese Chronik war bisher nur in einer lateinischen Uebersetzung bekannt, welche auch in den „Scriptores rerum Prussicarum“, herausgegeben von Theodor Hirsch, Max Töppen und Ernst Strehlke, eine gediegene Bearbeitung gefunden hat. Das Bruchstück umfaſst zwei Pergamentblätter in Quart, die zum Einband eines älteren Buches verwendet waren, im Ganzen 134 Verse, deren Inhalt in den Kapiteln 34, 35, 36 (Anfang) und 38 der in den Scriptores abgedruckten lateinischen Uebersetzung der Chronik wiedergegeben ist. Dr. Barack wird seinen Fund veröffentlichen.
(Ill. Ztg.)