Cours et arrêts d’amours, mémoire de M. J. Barbier.
Nachrichten.
Literatur.
Neu erschienene Werke.
21) Deutsches Heldenbuch. Zweiter Theil. Alpharts Tod, Dietrichs Flucht, Rabenschlacht, herausgegeben von Ernst Martin. Berlin, Weidmann’sche Buchhandlung. 1866. 8. LX u. 338 Stn. Das Bedürfniſs einer kritischen Ausgabe des Heldenbuchs werden wol auch die treuesten Anhänger v. d. Hagens gefühlt haben, und wir glauben, der Anfang dazu hätte kaum besser gemacht werden können, als mit den von E. Martin in dem vorliegenden zweiten Theile (der erste soll später erscheinen und „Biterolf und Dietleib“ von Jänicke, „Laurin und Waleram“ aus den Vorarbeiten des Dr. Fr. Roth enthalten) herausgegebenen Stücken, bei denen die Kritik noch so viel, ja fast alles zu thun hatte. Wenn auch einzelnes bei fortgesetzter Forschung sich anders gestalten wird: im Groſsen und Ganzen aber werden die Resultate sich behaupten, zu denen Herr Martin durch seine in der Einleitung geführten umfassenden Untersuchungen gelangt ist.
Was nun „Alpharts Tod“ betrifft, so weisen die Spracheigenthümlichkeiten der einzigen, nun auch nicht mehr zugänglichen Handschrift auf die Gegend des Mittelrheins, etwa zwischen Straſsburg und Mainz (S. X); doch kann das Gedicht nicht dort, sondern wahrscheinlich in Franken (XXVII) um’s Jahr 1200 (XXV) entstanden sein, und zwar auf dieselbe Weise wie der Nibelunge Noth und die Kudrun (XXII). Von den erhaltenen ersten 305 Strophen werden vom Herausgeber nicht weniger als 152 als spätere Interpolationen bezeichnet und die Gründe für die Ausscheidung jeder dieser Strophen in der Einleitung angegeben. Der Cäsurreim bildet unter den Kriterien der Unechtheit eine groſse Rolle, und auf’s neue wird bestätigt, daſs er nur einer späteren, schlechtern Periode der Volkspoesie angehört, da die Interpolationen ihrem Inhalte nach zu den Gedichten der späteren Zeit, ganz besonders zum Rosengarten, stimmen (XXIX). Das gleiche ist der Fall mit der Fortsetzung von Alpharts Tod (Str. 306–467), nur daſs diese von einem andern Verfasser herzurühren scheint, als die Zusätze (XXII).
Zu andern Resultaten führte die Untersuchung über die zwei in vier Handschriften immer zusammen überlieferten Gedichten Dietrichs Flucht und Rabenschlacht. Beide rühren wol von demselben Dichter her, der sich D. Fl. 8000 selbst als Heinrich der Vogelaere nennt. Für einen Theil der Rabenschlacht muſs er schon eine Grundlage, wol ein im gleichen Metrum gedichtetes Lied, vorgefunden haben, das er aber nicht nur gröſstentheils umarbeitete, sondern auch durch eigene, an Zahl gewiſs weit überwiegende Strophen vermehrte (XLIV). Nicht so verhält es sich aber mit dem Haupttheile von Dietrichs Flucht: da läſst sich keineswegs ein älteres Gedicht als Grundlage nachweisen, vielmehr schöpfte der Dichter wol nur aus der Volkssage, die gerade über die Flucht Dietrich’s ziemlich ausführlich gewesen zu sein scheint (XLIX). Auch die Zeit, in welcher die Flucht gedichtet wurde, ist nun genauer, als bisher geschehen war, bestimmt worden, nämlich 1285–90 (LII ff.). — Die beigegebenen Anmerkungen hätten vielleicht etwas reichhaltiger ausfallen dürfen; doch darüber wollen wir nicht rechten. Lieber keine Anmerkungen, als solche (wie wir ihnen heutzutage gar oft begegnen), die das Selbstverständliche erklären und das Dunkle ruhig bei Seite liegen lassen. Mit einem ausführlichen Namensverzeichnisse schlieſst das Buch, dem die Weidmann’sche Buchhandlung eine recht schöne Ausstattung gegeben hat. L.
22) Lebensbeschreibung Bischof Benno’s II. zu Osnabrück vom Abt Norbert zu Iburg und eine von Domprobst Wiho, nachherigem Bischofe zu Osnabrück, im Interesse der kaiserlichen Partei gegen den Papst Gregor VII. gerichtete Flugschrift, aus dem Lateinischen übersetzt und mit einer Vorrede und Anmerkungen versehen von Hermann Hartmann, Dr. med. zu Lintorf. Osnabrück, Druck und Verlag von J. G. Kisling. 1866. 8. 119 Stn.
Gewiſs hätte ländliche Muſse nicht besser verwendet werden können, als in Zurückführung eines Lebensbildes, dessen fast gleichzeitige Beschreibung als wichtiges historisches Zeugniſs längst anerkannt ist, das zugleich durch die hervorragende Stellung und den ausgezeichneten Charakter seines Trägers Anspruch auf das Interesse weitester Kreise besitzt. — Bischof Benno II. stand bekanntlich in dem groſsen Streite zwischen Papst und Kaiser am Ausgange des 11. Jahrhunderts auf Seite des letzteren. Man könnte sagen, daſs er, weniger klug oder ehrlicher als die meisten seiner Zeit- und Standesgenossen, die nächsten Erfordernisse jener Epoche nicht verstanden habe. Aber der Grund, auf den er seine Ueberzeugung pflanzt, und die von auſsen wie von innen genommenen Hebel, durch welche er jener Vorschub leistet, geben über den geistig-sittlichen Gehalt der Zeit, auch wo er dieser selbst nicht zum Bewuſstsein gekommen, so bedeutungsvolle Aufschlüsse, daſs die Geschichte des einen Mannes zum Spiegelbilde des ganzen Geschichtsabschnittes wird. Einen besondern Reiz erhält die Erzählung unter der Hand des genannten Biographen, der, ein Schüler und Freund des Bischofs, sodann zweiter Abt des von Benno zu Iburg gestifteten Benedictinerklosters, obwohl Parteigenosse und hoher Verehrer seines Patrons, doch keineswegs blind für dessen Schwächen ist, aber in den Gesichtspunkten, aus welchen er sie zu entschuldigen sucht, wieder höchst charakteristische Merkmale für seine Zeit bietet. Der Uebersetzer leitet durch einen geschichtlichen Ueberblick das Verständniſs auch des Laien ein und unterstützt dasselbe durch fortgesetzte Anmerkungen. — Die angehängte Streitschrift des gelehrten Propstes Wiho hängt mit dem Leben Benno’s aufs engste zusammen, ist sogar durch diesen und den Erzbischof Liemar von Bremen veranlaſst. Ihre historische Bedeutung als die einer Quellenschrift ist ebenfalls schon früher gewürdigt. Die mit vollem Recht hier angefügte Uebersetzung darf ein Interesse auch auſserhalb des Bereiches der Wissenschaft beanspruchen, indem sie zeigt, nach welchem Maſsstabe man in jener frühen Zeit Polemik trieb.
23) Ueber Arbalo und das Winterlager des Tiberius am Flusse Julia. Vom Freiherrn H. v. Z. Paderborn, Ferdinand Schöningh, 1865. 8. 48 Stn.