Nürnberg, 15. October 1866.
Am 1. und 2. October hat der Verwaltungsausschuss des germanischen Museums seine regelmäſsige Jahresconferenz abgehalten. An derselben nahmen auſser dem I. und II. Vorstande und den Herren Rechtsconsulenten und Fondsadministrator folgende Herren Theil: Dr. Adam aus Ulm, Freiherr v. Aufseſs, Dr. Baierlacher, Dr. Beckh, Hofrath Dr. Dietz aus Nürnberg, Prof. Dr. Fickler aus Mannheim, Professor Dr. Gengler aus Erlangen, Archivrath Dr. Grotefend aus Hannover, Oberstudienrath Dr. Haſsler aus Ulm, Dr. Hauck aus Nürnberg, Direktor Dr. Lindenschmit aus Mainz, Freih. v. Löffelholz aus Wallerstein, Professor Dr. Maſsmann aus Berlin, Prof. Dr. v. Raumer aus Erlangen, Direktor Rehm, Dr. Zehler und Fabrikbesitzer Zeltner aus Nürnberg.
Nachdem sich gezeigt hatte, daſs die Hoffnung aufgegeben werden müsse, in nahe bevorstehender Zeit die durch Ankauf der freih. v. Aufseſs’schen Sammlungen, sowie die durch die nothwendigen Ausgaben der ersten Jahre entstandenen Schulden gänzlich durch eigens dazu gespendete freiwillige Beiträge zu decken, muſste vor Allem daran gedacht werden, einen Plan zu entwerfen, sie aus den laufenden Einnahmen nach und nach abzutragen. Zugleich hatte der Mangel eines Reservefonds sich schon so häufig fühlbar gemacht, daſs auch auf die Bildung eines solchen hinzuwirken für nothwendig erachtet ward. Es wurde daher beschlossen, in sämmtlichen Ausgaben eine Reduction auf’s Aeuſserste zu erstreben, den Etat so niedrig als möglich zu stellen und sodann zu bestimmen, daſs die Einnahmsüberschüsse über diese etatsmäſsigen Ausgaben in drei Theile getheilt werden; davon soll ein Drittel zur Tilgung der erwähnten Schulden, ein Drittel zur Bildung eines Reservefonds und ein Drittel zur weitern Ausbildung des Museums verwendet werden. Diese Bestimmung gab Veranlassung, das Beamtenpersonal zu vermindern; es werden deshalb in nächster Zeit einige Beamte aus dem Kreise des Museums ausscheiden.
Da das Verwaltungsjahr des Museums bisher mit dem Kalenderjahr zusammentraf, das Rechnungsjahr aber vom 1. Juli bis 31. Juni jedes Jahres lief, so konnte dadurch eine genaue Uebersicht der Kosten und der ihnen entsprechenden Leistungen des Museums nicht erzielt werden; auch kamen deshalb in der Leistung der Beiträge verschiedene Differenzen vor. Daher wurde beschlossen, das Rechnungsjahr mit dem Verwaltungsjahr übereinstimmen zu lassen und beide am 1. Januar zu beginnen. Zum Ausgleiche soll zunächst eine 18 monatliche Rechnungsperiode eingefügt werden, die vom 1. Juli 1866 bis 31. December 1867 geht. Die vorgeschlagenen Finanzmaſsregeln machen eine eingehendere Controle nöthig; es wurde daher auf Antrag des I. Vorstandes beschlossen, die Stelle des Fondsadministrators in die eines Kassa-Controleurs umzugestalten und denselben vollkommen selbständig und vom I. Vorstande unabhängig zu bestellen, auch die Anstellung desselben künftig nicht durch den Vorstand, sondern durch den Ausschuſs selbst vorzuneh men. Der Auſschuss wählte einstimmig den seitherigen Fondsadministrator A. Herzer für diese Controlstelle.
Die Versendung des „Anzeigers“ in der bisherigen Weise hatte zu grosse Kosten verursacht und das Personal zu sehr in Anspruch genommen. Es wurde daher bestimmt, daſs vom 1. Januar 1867 an den Pflegern keine Zusendungen durch das Museum mehr gemacht, sondern daſs diese fortan ermächtigt werden sollen, aus Pflegschaftsmitteln bei der Post oder einer Buchhandlung auf den Anzeiger zu abonnieren. Die Herren Mitglieder des Gelehrtenausschusses sollen ersucht werden, eine Buchhandlung zu bezeichnen, an welche der Anzeiger auf ihre Kosten im Wege des Buchhandels abgesendet werden kann.
Eine Veränderung in Bezug auf die Abdruckung der eingegangenen Geschenke wird den Lesern vom neuen Jahre an selbst bemerklich werden. Auch soll in der Anzeigerbeilage nach und nach, systematisch geordnet, das Material bekannt gegeben werden, welches das Museum über einzelne Zweige der von ihm zu pflegenden Wissenschaften besitzt, um so dasselbe zur Kenntniſs des Publikums zu bringen.
Der Gelehrtenausschuss wurde um einige Mitglieder verstärkt, deren Namen bekannt zu geben sind, sobald die Herren die Annahme der Wahl erklärt haben werden.
Die gemachten Fortschritte des Museums, sowie der befriedigende Zustand im Allgemeinen, worüber die, dem Organismus gemäſs dazu besonders niedergesetzten Commissionen berichteten, wurden vom Ausschusse freudig anerkannt. Die Vertreter des Museums nahmen die befriedigende Ueberzeugung mit, daſs unsere Anstalt den Stürmen der Zeit schon jetzt trotzen könne und daſs sie sich der Theilnahme des Publikums in stets höherem Maſse erfreue.
Neue Beiträge wurden während der letzten vier Wochen folgende gezeichnet:
Von Privaten: Baden (Oesterr.): Privatier Karl Dittrich 1 fl. 10 kr., Michael Hallmayer, akademischer Maler, 1 fl. 10 kr., Privatier Ludwig Müller 2 fl. 20 kr., Michael Nagler 1 fl. 16 kr. (einm.), Forstkassier Franz Zwerina 1 fl. 10 kr.; Cadolzburg: Bihler, kgl. Assessor, 1 fl. 12 kr.; Cilli: Johann Castelliz, k. k. Gerichtsadjunkt, 1 fl. 10 kr; Eichstätt: Wilhelm Freiherr von Lützelburg, Staatsanwalts-Vertreter, 1 fl., Dr. Ludwig Schmied, kgl. Stadt- u. Landrichter, 1 fl.; Frankenberg: Bürgermeister Karl Meltzer 1 fl. 10 kr. (einm.); Furth a. W.: Eduard Bogner, k. Obercontroleur, 1 fl., Gasthofbesitzer Michael Datzl 1 fl., Karl Eberhard, k. Oberzollinpektor, 1 fl., Friedrich Kirchmeier, Bahnhofrestaurateur, 1 fl., Ed. Krafft, k. Hauptzollamtsassistent, 1 fl., Ludwig Schmid, k. Hauptzollamtscontroleur, 1 fl., Julius Freiherr von Thüngen-Burgsinn 2 fl.; Hannover: Schulinspektor Dr. Nöldecke 1 fl. 45 kr. (statt früher 1 fl. 10 kr.), Weinhändler Karl Schultz 1 fl. 45 kr.; Marktscheinfeld: Bezirksamtmann von Schütz 1 fl.; Nürnberg: Kaufmann Gustav Birkner 3 fl., Rechtsconcipient Harth 1 fl. 10 kr., Georg von Imhof, k. k. Hauptmann, 2 fl., Leonhard Martin, Lehrer an der Handelsschule, 1 fl. 45 kr., J. Pillhofer 1 fl., Dr. Zehler, prakt. Arzt, 3 fl. 30 kr. (einm.); Obersteinbach: Pfarrer Albrecht 1 fl., Verwalter Mayer 1 fl.; Pleinfeld: Kaplan Ferdinand Knödel 1 fl.; Sonneberg: Cand. theol. Schöppach 1 fl. 12 kr., Physikus Dr. Wehner 1 fl. 12 kr.; Waldenburg: Carl Georg Eckardt, Pfarrer in Schlagwitz, 1 fl. 10 kr.; Windsheim: Subrektor A. Hopf 1 fl.