Literatur.
Neu erschienene Werke.
24) Ueber den Zug der Kelten nach Italien und zum hercynischen Walde. Von J. E. Wocel. Prag, Druck von Dr. Ed. Grégr. Selbstverlag des Verfassers. 1865. 8. 24 Stn. Bekanntlich hat Niebuhr in seiner römischen Geschichte die Erzählung des Livius von einer doppelten, um mehrere Jahrhunderte auseinander liegenden Einwanderung der Kelten nach Italien als unstichhaltig verworfen und die Erstürmung Roms durch Brennus als Fortsetzung und Ergebniſs einer einzigen und unmittelbar zusammenhängenden Völkerbewegung betrachtet. Gegen diese Ansicht ist das Schriftchen des durch seine archäologischen und kunstgeschichtlichen Werke bekannten Verfassers gerichtet. Er durchgeht und prüft die von Niebuhr für seine Behauptung angerufenen Stellen aus Herodot, Appian, Plutarch, Dionysius von Halicarnassus, Diodor, Trogus Pompejus und Polybius und zeigt den gewaltsamen Zwang, den der berühmte Geschichtschreiber bei Auslegung derselben angewendet habe. Am besten ist ihm dieses bei Polybius gelungen, der doch offenbar von einer doppelten Einwanderung der Kelten spricht, so daſs selbst Mommsen, sonst ein skeptischer Beurtheiler aller Nachrichten des Livius, sich zu dem Zugeständnisse veranlaſst sieht, daſs einzelne Einfälle und Einwanderungen sehr frühe stattgefunden haben möchten. Aus allen diesen Gründen glaubt sich Wocel berechtigt, eine sehr frühe, mit dem ersten Einbruche der Kelten in Italien zusammentreffende Auswanderung der Bojer nach dem hercynischen Walde und Böhmen annehmen zu dürfen, und diese Meinung wird durch die Ergebnisse archäologischer Untersuchungen bestätigt, indem die Fundstätten der Bronzeobjekte älterer Legierung so weit als die geschichtlich nachgewiesenen Sitze der Kelten in Mitteleuropa reichen. Dazu kommen noch die in Böhmen und Bayern so häufig gefundenen Regenbogenschüsselchen. Diese miteinander verbundenen Thatsachen führen den Verfasser zu dem Resultate, daſs die Bojer ohngefähr um das Jahr 600 in Böhmen einwanderten und dieses Land mehr als fünfhundert Jahre innegehabt hatten, als sie es bald nach dem kimbrischen Einfalle wieder verlieſsen, daſs dasselbe aber zur Zeit Julius Cäsars beinahe vollständig von ihnen aufgegeben war.
A. F.
Aufsätze in Zeitschriften.
Das Ausland: Nr. 39. Thiernamen. 1. Der Esel.
Die Biene: Nr. 21. Drachengeschichten und Lindwurmsagen. (Rud. Temple.) — Beil. Nr. 21 ff. Mährens hervorragende Persönlichkeiten des geistlichen Standes aus der Vergangenheit und Ge genwart. — Nr. 25. Zwei Lieder in der Mundart des Kuhländchens. — Beil. Nr. 27 ff. Thurmknopf-Dokumente (aus Neutitschein).
Das illustr. Buch d. Welt: Nr. 11, S. 324. Bilder aus Tirol: H. Hainzenberg und die Gerlaswand.
Hausblätter: 19. Heft, S. 65. Holzland-Sagen. XVI-XIX. (Kurt Greſs.)
Jagdzeitung: Nr. 14 u. 15. Zur Jagdgeschichte des deutschen Kaisers Maximilian I.