Vermischte Nachrichten.
87) Eine halbe Stunde von der ehemaligen Reichsabtei Schussenried (Oberschwaben) sind vor kurzem Oberstudienrath Haſsler und Professor Fraas damit beschäftigt gewesen, eine interessante Entdeckung weiter zu verfolgen, auf welche man bei Tieferlegung des Schussenursprungs zu Kulturzwecken gekommen ist. Zwanzig Fuſs unter dem Boden des jetzt dort trocken gelegten Weihers, unter einer vier Fuſs mächtigen Torflage und einer durch den Kalksinter der Kieselwand während unmeſsbarer Zeit gebildeten Tuflage im Letten, der zu unterst mit Humus vermischt, hier noch mit Rennthiermoos überzogen, eine wahre Kulturschichte bildet, findet sich eine Menge von Geweihen, Knochen, Zähnen, Feuersteinen, zu Instrumenten geformt und als solche gebraucht, andere bearbeitete Steine und hie und da auch Stücke aus Eichenholz. Die Geweihe sind alle vom Renthier, meist bearbeitet, die Sprossen und Zinken an- und abgesägt und zu mancherlei Instrumenten des Stechens u. s. f., zum Theil mit runden Oeffnungen geformt, freilich das alles im primitivsten Kulturstadium, was sich besonders auch an den Quarzen und Gneisen beurkundet, die, durch den Feuerstein zu Schlägeln oder Keulen von der Form der Hackmesser der Metzger in den verschiedensten Dimensionen bearbeitet, noch ungleich roher erscheinen, als die rohesten Producte der ältesten Pfahlbauten. Neben dem Renthier erscheint sein steter feindseliger Begleiter, der fiälfras (gulo borealis), ein riesiger Bär, ein Wolf, Pferd und Ochs, diese kleiner als die unsrigen, dazu noch mancherlei Vierfüſser, Fische und Vögel, aber wol meist einer andern Fauna als unserer jetzigen, einem rauhern Klima als dem unsrigen angehörig. Doch neben jener und in diesem lebte auch schon der Mensch; und ist zwar noch kein Schädel zu Tage gekommen, der die Race kennzeichnete, so ist doch an der Thatsache durchaus nicht zu zweifeln. Dies beweist unwidersprechlich (bei vollständiger Abwesenheit alles Metalls) die Bearbeitung des Feuersteins und durch und mit ihm der übrigen Steine, der Geweihe, Knochen, Hölzer. Ja, trotz aller Urzuständlichkeit scheint dieser Mensch schon Luxusbedürfnisse gehabt zu haben. Denn was sind diese pastenartigen, braun und hellroth färbenden, gleich einer butterhaltigen Salbe anzufühlenden Kügelchen inmitten einiger Lehmklumpen? Sind es blos zufällig hier sich findende Drusen von Bohnerz, oder haben gleich andern rohen Naturvölkern die menschlichen Zeitgenossen dieser untergegangenen Renthierwelt mit diesen Eisenoxyden den Leib bemalt?
(Allg. Ztg.)
Einige Proben vorgenannter Ausgrabungs-Gegenstände sind durch die Güte des Herrn Oberstudienraths Haſsler den Sammlungen des german. Museums überlassen worden und noch weitere in Aussicht gestellt. (S. oben: Geschenke,Nr. 5165.)
D. Redact.
88) Das kostbare Mosaik zu Nennig bei Saarburg wurde jüngst durch die Hand des Bildhauers Heinrich Schäffer, früher zu Stuttgart, bleibend renoviert, besonders das groſse Bild „der Wasserorgelspieler“ ganz hergestellt, so daſs es jetzt wieder prangt in der alten Zeichnung und der antiken Pracht. Die Regierung hat dem Genannten die Leitung der Ausgrabungen des interessanten Palastes übertragen. Jüngst wurde daselbst ein merkwürdiges Büchschen von Silber gefunden, welches etwas Asche, ein Knöchelchen und eine kleine Münze von Theodora II., Gemahlin Constantius I, enthielt.
(D. Kunstztg.)
89) Von Dr. A. Lübben in Oldenburg, Verfasser eines „Wörterbuchs zu der Nibelunge nôt“, befindet sich (bei Stalling daselbst) eine neue Ausgabe des Reineke Vos unter der Presse, welche einen kritisch berichtigten Text liefern soll, der auf einer genauen und sorgfältigen Vergleichung des ältesten Druckes (1485, Lübeck) beruht. Zugleich wird die neue Ausgabe die prosaische Auslegung, die s. g. katholische Glosse, enthalten, die seit 1711 in den Ausgaben fehlt. Der Text wird in Anmerkungen sachlich und sprachlich erläutert; daran schlieſst sich ein Wörterbuch, das den gesammten Sprachschatz des Reineke wiedergibt und erklärt. In der Einleitung sollen die bei der neuen Ausgabe zur Anwendung gebrachten kritischen Grundsätze dargelegt werden.
90) Herr Prof. Wattenbach in Heidelberg benutzte im Frühlinge d. Js. einen Aufenthalt in London, um das Verzeichniſs der seit Juli 1861 neu erworbenen Handschriften des britischen Museums durchzusehen und die für Deutschland und mittelalterliche Geschichte bemerkenswerthen zu verzeichnen. Diese finden sich in der nachfolgenden Liste, welche wir der Güte des genannten Herrn verdanken, angegeben.
1861.