Chronik des germanischen Museums.

Nürnberg, 15. November 1866.

Wie wir im vorigen Monat in unserer Chronik ausschlieſslich der Conferenz des Gesammtverwaltungsausschusses gedacht, so haben wir diesmal fast nur von den Geschenken zu berichten, die theils eingelaufen, theils in Aussicht gestellt worden sind.

Als das wesentlichste und prinzipiell wichtigste bezeichnen wir eine in Folge Anordnung Sr. königl. Hoheit des Groſsherzogs von Mecklenburg-Schwerin, Höchstdessen unsere Chroniken wiederholt zu gedenken hatten, uns zugekommene Sendung von Doubletten mittelalterlicher Münzen aus dem groſsh. Münzkabinete in Schwerin. Wir geben uns der Hoffnung hin, daſs die Ablassung von Doubletten aus Staatssammlungen, auf die das Museum bei seiner Gründung gerechnet, und deren es schon manchmal erhalten hat, bald in gröſserem Umfange geschehen werde. Wir sehen darin eine eben so bedeutende Unterstützung, als uns damit auch eine Anerkennung unserer Strebungen und ein Sporn zum Fortschreiten gegeben ist.

Nicht minder freudig und dankbar haben wir ein kostbares Geschenk empfangen, das Se. kaiserl. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog Wilhelm von Österreich, Hoch- und Deutschmeister, dem Museum Namens des deutschen Ritterordens übergeben hat, nämlich ein Exemplar des im Auftrage Sr. kaiserl. Hoheit von B. Dudik herausgegebenen Prachtwerkes: „ Die Kleinodien des deutschen Ritterordens “, welches in höchst gelungenen Photographieen die kostbaren Werke der Schatzkammer des Ordens zu Wien dem kunstsinnigen und gelehrten Publikum vorführt und in eingehender Weise erläutert.

Eine groſsartige Bereicherung der Sammlung und zugleich eine Verschönerung der Karthause ist uns durch den Wasserbaudirektor Herrn Hennoch, Ehrenbürger der Stadt Plauen, versprochen worden: — ein Bleiabguſs des schönen Brunnens auf dem Marktplatze zu Braunschweig, welcher in dem vom kleinen Kreuzgange eingeschlossenen Höfchen aufgestellt werden soll. — Herrn Banquier P. Kahle in Berlin sind wir für Überlassung einer groſsen Anzahl kleiner Münzen aus neuerer Zeit Dank schuldig.

Durch die schon früher erwähnten Geldgeschenke des Herrn Landgerichtsassessors v. Cuny in Cöln war das Museum in der Lage, auf der Auction des Heideloff’schen Nachlasses ein interessantes geschnitztes hölzernes Kästchen aus dem 15. Jhdt. zu erwerben; ebenso für die Kupferstichsammlung ein Blatt von Martin Schön — das Rauchfaſs —, ferner einige interessante Kleinigkeiten. Jede derartige Erwerbung, zu welcher die schmalen Mittel des german. Museums so selten ausreichen, ist nicht blos ein einfacher Gewinn für Deutschland, dessen gemeinsames Eigenthum die Sache wird, — es ist ein doppelter, da gerade Nürnberg in neuerer Zeit der Mittelpunkt des deutschen Alterthumshandels geworden ist, von wo aus noch immer alle kostbaren Stücke, die in der Regel ihres hohen Preises wegen nicht für Deutschland erhalten werden können, nach Frankreich, England oder Ruſsland wandern.

So gelang es erst jetzt wieder nur den vereinten Anstrengungen einiger Kunstfreunde, zwei werthvolle Kunstschätze für Deutschland zu erhalten, von denen wol in nächster Chronik ausführliche Meldung geschehen kann.

Wir muſsten in voriger Chronik erwähnen, daſs in Folge des Beschlusses des Verwaltungsausschusses aus finanziellen Rücksichten einige Beamte aus dem Museum ausscheiden würden. Wir haben nun den Rücktritt des I. Sekretärs, Herrn Dr. J. R. Erbstein, des Kassiers, Herrn Keiner, des Conservators der Kunstsammlung, Herrn Dr. A. Erbstein, des Kunstsammlungsgehülfen, Herrn A. Rück, des Archivgehülfen, Herrn Chrn. Handschuch, und des Bibliothekgehülfen, Herrn J. Priem, zu melden.

Noch immer machen sich auf finanziellem Gebiete die Nachwirkungen der Ereignisse des verflossenen Sommers in bedauerlicher Weise geltend, und wir stellen hiemit an unsere sämmtlichen verehrten Pfleger das Ersuchen, doch gefälligst bald an Einsendung der rückständigen Beiträge denken zu wollen, nachdem wir jetzt schon nur durch freundliches Eintreten des Mitgliedes unseres Verwaltungsausschusses, Herrn Zeltner, in der Lage waren, unsern Verpflichtungen nachzukommen.