Literatur.
Neu erschienene Werke.
25) Johann David Passavant. Ein Lebensbild von Dr. Adolph Cornill. Erste und zweite Abtheilung. Mit dem Porträt Passavants und einer Abbildung der Burg Passavant. Frankfurt a. M. Im Selbst-Verlag des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde. 1864, 65. 4. 78 u. 112 Stn. Die vorliegende umfängliche Biographie ist zunächst als Neujahrsblatt des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde in Frankfurt a. M. den Mitgliedern desselben bestimmt. Doch die Zahl derer, welchen die Verdienste des verewigten Kunsthistorikers fortgesetzt zu Genusse kommen, die sie um ihrer selbst willen ehren, oder denen die angemessene Darstellung eines gehaltvollen Lebenslaufes überhaupt etwas gilt, geht über den Bereich jenes Vereins weit hinaus; und so dürfte eine Anzeige des Buches in gröſserem Kreise ohne Zweifel passend sein.
Nach Mittheilungen aus dem Nachlasse Passavants erhalten wir zunächst interessante Nachweise über die Herkunft seiner Familie, die, bis in das 13. Jahrhundert zu verfolgen, von der ihren Namen tragenden Burg in der Franchecomté nach der Schweiz und Deutschland eingewandert ist. Auf den eigentlichen Gegenstand der Schrift dürfen wir hier nicht näher eingehen. Passavant’s Leben war wechselvoll, wie die Zeit, in welche seine Jugend fiel, und tiefbewegt, wie bei Allen, welche mit weitergehenden Interessen in die Jahrzehnde der folgenden Ernüchterung traten. Die Darstellung zeugt überall für genaue Sachkenntniſs, der unmittelbare Quellen zugänglich waren, und warmes Gefühl für die besprochene Person, dem es gelingt, die thatsächlichen Verdienste auf die inneren Eigenschaften zurückzuführen. Daſs aus einer Lebensbeschreibung, wie die in Rede stehende, wichtige Streiflichter auf die ganze darin be griffene Zeit fallen müssen, darf kaum hervorgehoben werden. Das Porträt, den späteren Jahren des Dargestellten entnommen, ist von groſser Aehnlichkeit; die Abbildung der Burg nach einer Aufnahme von Passavant selbst gefertigt.
26) Die Städte der Provinz Pommern. Abriſs ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Bearbeitet von Dr. Gustav Kratz, weiland zweitem Archivar am königl. Provinzial-Archive zu Stettin. Einleitung und Vorwort von Dr. Robert Klempin, königl. Provinzial-Archivar von Pommern. Berlin. In Commission bei A. Bath. 1865. 8. 564 Stn.
27) Geschichte der Stadt Allendorf an der Werra und der Saline Sooden. Von Dr. G. Wagner, vormals Landrichter bei den ehemaligen Landgerichten zu Schmalkalden und Marburg u. s. w. Marburg. Akademische Buchdruckerei. 1865. 8. 197 Stn. Mit lithogr. Ansicht.
28) Geschichte der Stadt Lauingen. Von Bernhard Mayer, Stadtschreiber in Lauingen. Im Selbstverlage des Verfassers. 1866. 8. 467 Stn. Mit lith. Ansicht und Abdruck zweier Kupferplatten vom 17. Jhdt. Schon öfter nahmen wir Anlaſs, über das immer häufiger werdende Erscheinen deutscher Ortsgeschichten unsere Freude auszudrücken. Denn bei der eigenthümlichen Entfaltung unserer früheren Zustände, in welcher stets auf den besonderen Fall hingearbeitet und neben der Theorie der Empirie der weiteste Boden gestattet wurde, bildet die Geschichte der einzelnen Städte und selbst bäuerlicher Gemeinden den eigentlichen Aufbewahrungsort für das Material einer allgemeinen Kulturgeschichte. Befriedigung muſs es weiter gewähren, wenn wir bemerken, daſs die Arbeiten dieser Art an Gehalt und Form ein immer besseres Aussehen gewinnen. Die end- und athemlosen Untersuchungen über unerklärliche Ortsnamen, in welchen sonst am Eingange dieser monographischen Versuche der Dilettantismus sich genugzuthun pflegte, treten zurück, Urkunden kommen neben der mündlichen Überlieferung zu ihrem Rechte, alte Aufzeichnungen werden mit Kritik verwendet, die aufgestellten Gesichtspunkte mehren und erweitern sich. Müssen wir in den meisten Fällen auch eine Masse Materials in den Kauf nehmen, das über die Grenzen des beschriebenen Ortes hinaus keine Bedeutung hat, wie lange Raths- und Pfarrregister, so ist in Anschlag zu bringen, daſs diese grade die Anknüpfungspunkte sind, von welchen von entgegengesetzter Seite her das Publikum angezogen und historischer Sinn verbreitet wird. — Die drei obengenannten Schriften liefern zu dem Gesagten, wenn auch in verschiedener Weise, anerkennenswerthe Belege. Das erste, in allen Stücken die Hand des geübten Fachmannes zeigend, gibt in der Einleitung eine sehr anschaulich und anziehend durchgeführte Übersicht der Entstehung und Entwickelung der pommer’schen Städte überhaupt und im Folgenden das gesichtete urkundliche Material für 73 Städte im Einzelnen. Jeder Abhandlung sind die geschichtliche Veränderung des Ortsnamens und die heraldische Beschreibung des Wappens vorausgesetzt, die Vermehrung der Einwohnerzahl seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts, eine Uebersicht der vorhandenen Kunstdenkmäler und ein Verzeichniſs der Bürgermeister angehängt. — Die zweite Schrift wird vorzüglich interessant durch die ziemlich eingehende Geschichte des Salzwerkes Sooden, die, als Parallele auch für andere betrachtet, zum wichtigen Beitrag der deutschen Gewerbsgeschichte wird. — Im dritten Buche ist eine groſse Menge Stoffes mit Fleiſs zusammengetragen, der vielfach in die allgemeine deutsche Geschichte hinüberspielt; reichere Ausbeute aber noch für Localgeschichte gewährt.
Aufsätze in Zeitschriften.
Das Ausland: Nr. 42. Ursprung der Thiernamen. 2. Das Pferd.
Die Biene: Nr. 30. Die goldenen Schwämme. Böhm. Volkssage.