In Betreff der Herausgabe der Schmeller ’schen Nachträge zum Bayerischen Wörterbuch lagen eingehende Berichte des Professors W. Wackernagel vor. Aus denselben ergab sich die erfreuliche Gewiſsheit, daſs sich die geeigneteste Persönlichkeit gefunden habe, um dieses Unternehmen, welches bisher alle Bemühungen der Commission wenig zu fördern vermochten, endlich in Ausführung zu bringen. Da inzwischen bekannt wurde, daſs die erste Auflage des Bayerischen Wörterbuchs fast vergriffen sei, traten Bedenken ein, ob eine besondere Veröffentlichung der Supplemente rathsam sein würde; denn die Verwendung derselben zu einer neuen Auflage würde nicht nur die Benutzung des Werks erleichtern, sondern auch der ursprünglichen Absicht Schmeller ’s mehr entsprechen. J. Grimm, als er den besonderen Abdruck der Supplemente bei der Commission in Anregung brachte, that dies nur in der Voraussetzung, daſs eine zweite Auflage des Wörterbuchs nicht so bald zu ermöglichen sein dürfte. Die Vorzüge einer neuen Ausgabe, bei welcher die Nachträge gleich an Ort und Stelle eingefügt würden, erscheinen in der That so groſs, daſs der Ausschuſs auch einen gröſsern Kostenaufwand nicht scheuen zu dürfen glaubte, zumal es von Anfang an in der Absicht J. Grimm ’s und der Commission gelegen hatte, dem groſsen bayerischen Sprachforscher durch die Publication seiner hinterlassenen Arbeiten ein würdiges Denkmal zu setzen. Da es noch mehrfacher Verhandlungen bedarf, um einen sicheren Plan für das Unternehmen in dieser veränderten Gestalt herzustellen, war eine endgültige Beschluſsnahme nicht möglich; der Ausschuſs beauftragte aber den Secretär, alle Einleitungen zu treffen, daſs in kürzester Frist bestimmte Vorlagen dem Ausschusse zur Entscheidung vorgelegt und dann sogleich das Werk in Angriff genommen werden könne.
Vielfach machte sich die Abwesenheit der auswärtigen Mitglieder im Laufe der Verhandlungen dem Ausschusse fühlbar. Die Arbeiten der Commission gelten dem gesammten deutschen Vaterlande und bedürfen der Mitwirkung aus allen Theilen desselben. Gerade in den politisch gelockerten Verhältnissen der Nation hat die Stiftung König Maximilians II., welcher die historische Wissenschaft so viel verdankt, für das deutsche Geistesleben noch eine erhöhte Bedeutung gewonnen. Möchte der nächste Herbst wieder alle Mitglieder der Commission in München vereinen, um das gemeinsam begonnene Werk gemeinsam fortzusetzen!
21) Im Verlage von Friedr. Andr. Perthes in Gotha erschien soeben:
Hopf, Dr. Karl, historisch-genealogischer Atlas seit Christi Geburt bis auf unsere Zeit. Abtheilung I. Deutschland. 2. Band. 3. 4. Lieferung. Fol. geh. 4 Thlr.
Mücke, J. F. Alphons, Albrecht I. von Habsburg, Herzog von Oesterreich und römischer König. Ein Beitrag zur deutschen Staaten- und Reichsgeschichte. Nach den Quellen. gr. 8. geh. 1 Thlr.
22) In Gräter’s Bragur 2, 450 ist nebst anderen seltenen Büchern zum Verkauf ausgeboten: Sermo de Sancto Nemine per Pauperem Henricum ex sacris literis collectus, sine l. et a. Um Nachweisung dieser Schrift wird höflichst gebeten.
Heidelberg.
Wattenbach.
23) Im Selbstverlage des Verfassers ist soeben erschienen und auch in der literar.-artist. Anstalt des german. Museums (s. oben Chronik des Museums) zu haben:
Beiträge zur lateinischen Paläographie. Von W. Wattenbach. Heidelberg, 1866. 4. 41 lithographierte Stn. ⅔ Thlr.