Series Episcoporum Warmiensium. — Johannes Plastwici, Decani Warmiensis, Chronicon de vitis episcoporum Warmiensium. — Acta de interceptione castri Allenstein.

Schriften des Vereins für die Geschichte der Stadt Berlin. Erster Band. Heft I. Die Chronik der Cölner Stadtschreiber von 1542–1605. — Die Wendland’sche Chronik von 1648–1701. Berlin. In Commission bei A. Bath. 1865. 8. 104 Stn.

Bremisches Jahrbuch. Herausgegeben von der Abtheilung des Künstlervereins für Bremische Geschichte und Alterthümer. Zweiter Band. Erste Hälfte. Mit einem Holzschnitt und zwei Steindrucktafeln. Bremen, Verlag von C. Ed. Müller. 1865. 8.

Vereinsangelegenheiten. — Die erste Abtheilung des Werks: „Denkmale der Geschichte und Kunst der freien Hansestadt Bremen.“ Von H. A. Müller. — Philipp Cäsar. Ein Lebensbild aus der Bremischen Kirchengeschichte. Von J. M. Kohlmann. — Ueber Heergewette und Niftelgerade nach Bremischem Rechte. Von Dr. A. H. Post. Nebst Urkunden-Anhang. — Beiträge zur Geschichte des Rathskellers in Bremen. Von J. G. Kohl. — Zur Geschichte der Ritter Deutschen Ordens. Mit einem Holzschnitte und drei Tafeln. 1. Die Fahrt der Bremer und Lübecker nach Accon und die Stiftung des Deutschen Ordens. Von D. R. Ehmbk. 2. Die Deutschherren-Commende zu Bremen. Von H. A. Schumacher. 3. Die Ueberreste der Bremischen Komthureigebäude. Von S. Loschen. — Ein Bremischer Garten im vorigen Jahrhundert. Mitgetheilt von Dr. Fr. Buchenau.

Nachrichten.

Literatur.

Neu erschienene Werke.

1) Roggenwolf und Roggenhund. Beitrag zur germanischen Sittenkunde von Wilhelm Mannhardt. Danzig, Verlag von Constantin Ziemssen. 1865. gr. 8. XII u. 51 Stn. Nach den von A. Kuhn zu Tage geförderten Resultaten der vergleichenden Sprachforschung, welche der Mythendeutung zuerst eine sichere, schwerlich je zu erschütternde Basis errangen, lieſsen sich auf dem Gebiete der Mythologie, namentlich der germanischen, neue Entdeckungen von wesentlichem Belange kaum noch erwarten. Auch gieng die Thätigkeit der Gelehrten dieses Fachs nun vorzüglich nur noch darauf aus, die neu eingeschlagene Bahn weiter zu verfolgen und die Richtigkeit der gefundenen Prinzipien durch deren Anwendung nach den verschiedensten Seiten hin zu erproben. Konnte auf diesem Wege die Wissenschaft zu wahrhaft neuem Erwerb zwar nicht gelangen, so gewährten die angestellten Versuche doch willkommene Bestätigung dafür, daſs Kuhn das lange vergebens gesuchte mot de l’énigme, den rechten Schlüssel zum Räthsel der Mythenbildung gefunden habe. Zugleich aber konnte nicht ausbleiben, daſs die Deutungssucht, der die frühern Irrwege für immer abgeschnitten waren, von dem klar gemachten neuen Terrain aus abermals auf unsichere Bahnen ausschweifte. Schon Schwartz gab durch seine, übrigens so schätzbaren Arbeiten dazu bedenklichen Anstoſs. Der drohenden Gefahr nun, daſs der Gewinn der neuen Entdeckung durch zu leichtsinnige Ausbeutung desselben einen Theil seines wissenschaftlichen Ansehens wieder einbüſsen möchte, wird von Mannhardt ein kräftiger Damm entgegengesetzt dadurch, daſs er auf den positiven Boden der Forschung, zu den noch flieſsenden lebendigen Quellen der Mythenkunde zurückkehrt. Wie fleiſsig die Sammlung der Volksüberlieferungen seit dem von Grimm gegebenen mächtigen Anstoſse auch betrieben worden ist, so kann sich der Kundige doch nicht verbergen, daſs sie, gegenüber den Anforderungen der Wissenschaft, fortwährend als ungenügend sich erweise, in Betracht sowohl der bedeutenden Lücken, welche sich immer noch zeigen, als des unmethodischen Verfahrens, welches beim Sammeln, wie bei der Zersplitterung der Kräfte unvermeidlich war, zu häufig Anwendung fand. Beiden Mängeln will M. abhelfen, indem er unter einheitlicher, kundiger Leitung ein möglichst ausgedehntes Ländergebiet Ort bei Ort absuchen und dabei stets nur eine bestimmte Ueberlieferungsgruppe nach der andern an die Reihe kommen läſst. Mit den agrarischen Gebräuchen, zunächst besonders den Erntesitten, hat er den Anfang gemacht, und als die erste, zwar noch nicht vollkommen gereifte und daher nur als Probe dargebotene, Frucht des Unternehmens haben wir die oben verzeichnete Schrift zu begrüſsen. Die mit dem gründlichen methodischen Sammeln, wie es von M. in’s Werk gesetzt ist, verbundenen Vortheile springen in die Augen. Nicht die Mythenkunde allein wird dabei gewinnen, das Resultat wird nicht einzig eine, vermöge der breiteren Grundlage zu erzielende Festerlegung der Grundprinzipien dieser Wissenschaft sein: auch mancher andere Zweig der Kulturgeschichte und Alterthumskunde wird durch jenes Verfahren eine bisher ungeahnte Bereicherung erfahren. Davon zeugt schon die vorliegende Schrift. Sie faſst von den zahllosen Gruppen der volkstümlichen Ueberlieferungen nur die agrarischen Gebräuche in’s Auge, greift aus diesen nur den Glauben an ein im Getreide sich aufhaltendes dämonisches Wesen auf, erwählt aus den mancherlei Gestalten, unter welchen dieses Wesen dem Volksglauben erscheint, zum Gegenstande der Untersuchung nur Wolf und Hund, und doch, trotz dieser Beschränkung des Gegenstandes und des Nichtabschlusses der Sammlung, welche Fülle des Materials! Was bisher vorlag, hätte nur dürftige Notizen an die Hand gegeben. Nicht allein aber läſst die Schrift den Reichthum der noch zu hebenden Schätze ahnen: sie bürgt auch auf’s neue für die Tüchtigkeit des Unternehmers. Sein warmes Interesse für den Gegenstand beirrt ihn nicht in der Ausübung der besonnensten Kritik, deren Resultaten auch der kälteste Zweifler nicht leicht seine Beistimmung versagen wird. Auf den Inhalt der Schrift können wir uns hier leider nur mit wenigen Worten einlassen. Weit verbreitet ist der Glaube an ein dämonisches Wesen, welches im Getreide haust und durch das vom Wind erregte Wogen desselben seine Gegenwart kund gibt. Unzählige Redensarten (der Wolf geht durch’s Korn, sitzt im Korn, u. a. m.) bezeugen diesen Glauben, an welchen da und dort der Gebrauch sich knüpft, jenes Wesen, in manchen Gegenden Roggenwolf oder Roggenhund genannt, in der letzten Garbe zu fangen. Auch auf diese Garbe oder die Binderin derselben geht mitunter der Name Wolf über. Was nun irgendwie an den Roggenwolf in Redensarten, Gebräuchen, Namen, Sprüchen und abergläubischen Meinungen erinnert, wird von M. aus dem reichen Schatze des Gesammelten mit den nöthigen Erläuterungen und Combinationen vorgeführt. Nachdem er sodann den mythischen Gehalt des Glaubens an einen Korndämon dargelegt hat, findet er schlieſslich im Roggenwolf ein als Personification elementarer Naturgewalten (zunächst ist natürlich an den Wind zu denken) zu deutendes Wesen der germanischen Riesensage. Die Ansicht, daſs in den auf den Roggenwolf bezüglichen Erntesitten eine Opferhandlung sich verstecke, weist er zurück. Auch will er mit Recht nichts davon wissen, daſs in dem Wolfe Wodans Thier oder gar der Gott selber zu suchen sei. So viel von dem Inhalt der interessanten Schrift. Wir kommen auf das groſsartige Sammelunternehmen des Verfassers, bei der Wichtigkeit desselben auch für die Zwecke des german. Museums, noch einmal zurück. Ein solches Unternehmen, welches einen Quellenschatz der germanischen Volkssage und Volkssitte möglich machen und nicht allein auf alle Völker germanischen Stammes sich erstrecken, sondern auch die Mitwirkung der slavischen und romanischen Stämme in Anspruch nehmen will, übersteigt natürlich die Arbeitskraft eines einzigen Mannes, auch wenn dieser auf die Leitung und Verarbeitung der Sammlungen sich beschränkt und sein ganzes Leben dieser einen Aufgabe widmet. Nur durch ausdauerndes Zusammenwirken vieler energischer Kräfte lassen sich die Schwierigkeiten des Unternehmens allmählich überwinden. Die Unterstützung der Sache empfehlen wir um so mehr all denen, die sich derselben anzunehmen vermögen, als das german. Museum selbst das von M. jetzt in Angriff Genommene ursprünglich zu seinen Aufgaben zählte. Möge ihm gelingen, was auszuführen das Museum bis jetzt auſser Stande war. Dem Anfange wenigstens hat die Gunst der Umstände nicht durchaus gefehlt, indem die k. Akademie der Wissenschaften zu Berlin die Sammlung der agrarischen Gebräuche, womit das Unternehmen eröffnet worden ist, befürwortet und der dabei anzuwendenden Methode zugestimmt hat, auch durch königliche Munificenz für die Deckung der nächsten materiellen Bedürfnisse Fürsorge getroffen ist. Ein Aufruf zur Beantwortung einer Reihe von Fragen ist in 50,000 Exemplaren versandt worden, und zum Theil bereits mit schätzbaren Erfolgen. Die dem Geschäft des Sammelns folgende Arbeit soll in zwei Theile zerfallen, von welchen der erste ein geographisch-ethnographisch, nach den einzelnen Landschaften geordnetes Urkundenbuch, der andere eine sachlich geordnete Zusammenstellung des Stoffes enthalten wird. Anschlieſsen soll sich ein Verzeichniſs aller derjenigen, welche durch ihre Beiträge das Werk gefördert haben. Mögen die Sagenfreunde sich beeifern, dieses Verzeichniſs einen möglich gröſsten Umfang gewinnen zu lassen! 2) Die Stedinger. Beitrag zur Geschichte der Weser-Marschen von H. A. Schumacher, Dr. jur. Bremen, 1865. Verlag von C. Ed. Müller. 8. 248 Stn.

Eine gekrönte Preisschrift, die den vielfach behandelten Stoff nach Inhalt und Form abzuschlieſsen scheint. In der ersten Abtheilung würdigt der Verfasser die vorhandenen Quellen und die bisherigen monographischen wie gelegentlichen Bearbeitungen des Gegenstandes, indem er gleichzeitig seinen eigenen Standpunkt beiden gegenüber feststellt. Der zweite Theil umgrenzt und beschreibt den Schauplatz der Ereignisse, entwickelt aus den natürlichen und geschichtlichen Vorlagen das Verhältniſs der benachbarten und in feindliche Berührung gerathenden Mächte, während Theil III und IV: „Die Stedinger vor ihrer Verketzerung und der Religionskrieg gegen die Stedinger“, den Zusammenstoſs und die schlieſsliche tragische Lösung der Frage berichten. Eine vierte Abtheilung verfolgt die Geschichte der merkwürdigen Bauernrepublik nach deren Unterwerfung. Da der eigentliche historische Ballast den zahlreichen, an das Ende des Buches gestellten Noten überwiesen ist, bleibt die Erzählung gleichmäſsig und spannend, die Darstellung so durchsichtig, daſs die die ganze Scenerie in Bewegung setzenden Mächte klar zu Tage treten. Abgelöst von der einzelnen Begebenheit erkennen wir die allgemeine Strömung der Zeit, welcher die Stedinger in ihrer gesonderten Stellung früher oder später jedenfalls hätten erliegen müssen, sowie die Schwächen ihrer eigenen staatlichen Existenz, die sie im entscheidenden Augenblicke preisgaben. Ein den Noten hinzugefügter Anhang nimmt einzelne Punkte der Erzählung zu näherer kritischer Beleuchtung wieder auf. Zwei Karten erleichtern das Verständniſs der oft sehr verwickelten Ortsbestimmungen.

Aufsätze in Zeitschriften.