Nº 1.
Januar.
Wissenschaftliche Mittheilungen.
Der „fränkische Krieg“.
Mitgetheilt von Jos. Baader, kgl. Archivconservator, in Nürnberg.
Das Schloſs Absberg, 2 Stunden von Gunzenhausen entfernt, war einst der Sitz der mächtigen und angesehenen Adelsfamilie von Absberg, die schon im 10. Jahrhundert in den Urkunden genannt wird. Muth, Tapferkeit und kriegerischer Unternehmungsgeist zeichnete alle Mitglieder dieses Hauses aus; aber nicht immer nahmen sie es genau mit Mein und Dein, so daſs Absberg schon in alter Zeit als Raubnest verrufen war.
Eine traurige Berühmtheit erlangte in dieser Beziehung namentlich Hanns Thomas von Absberg, der Sohn des Ritters Hanns Georg von Absberg. Es gab kaum eine Fehde, an der er sich nicht betheiligte. Als Hanns von Geislingen und Götz von Berlichingen in den Jahren 1507 bis 1512 Nürnberg, Augsburg und andere Reichſstädte befehdeten, war Hanns Thomas einer ihrer eifrigsten Helfershelfer. Er zeichnete sich besonders durch seine Grausamkeit aus, indem er den gefangenen Städtern nicht selten die Hände oder Finger abhieb. Im Jahre 1512 nahm er Anton Tetzel den Jüngern und Anton Hornung, beide von Nürnberg, auf freier Landstraſse gefangen. Wegen dieser landfriedenbrüchigen Handlung wurde er von Kaiser Maximilian in die Acht gethan.
Später banden er und sein Vater mit den Grafen von Oettingen an. In dieser Fehde — es war im Jahre 1520 — warb Hanns Thomas unter andern gegen 50 gereisige Pferde. Mit diesen legte er sich in einen Hinterhalt, um den Grafen Joachim von Oettingen niederzuwerfen. Dieser befand sich nämlich auf dem Bundestage zu Augsburg. Im Heimreiten wurde er nicht weit von Donauwörth von Hanns Thomas angerennt, niedergeworfen, beraubt und auf den Tod verwundet, so daſs er kurz hernach seinen Geist aufgab. Des Absbergers vorzüglichste Helfer bei dieser That waren Cuntz von Rosenberg und Christoph Marschalk von Pappenheim. Der Kaiser sprach Acht und Aberacht gegen sie aus, und Georg Truchseſs zu Waldburg erhielt von ihm den Befehl, ihre Schlösser Absberg, Enkering und Waldmannshofen wegzunehmen. Das geschah, und Hanns Thomas glaubte, die über ihn verhängte Acht und die Wegnahme der Schlösser sei das Werk des Schwäbischen Bundes und der Reichsstädte, bevorab Nürnbergs. Er schwor, sich an ihnen zu rächen, und floh dann nach Böhmen. Hier fand er bei seinen Standesgenossen die beste Aufnahme und alle mögliche Unterstützung. Auch unter dem bambergischen und markgräflichen Adel auf dem Gebirge und im Voigtlande hatte er zahlreiche Freunde. Mit Hilfe derselben überfiel er die Angehörigen der Grafen von Oettingen, des Schwäbischen Bundes und insbesondere der Reichsstädte, die er auf die Burgen seiner Genossen schleppte und um hohes Geld schatzte. Die Schlösser der Familien Aufseſs, Sparneck, Gutenberg, Schott, Giech und vieler anderer standen ihm zu jeder Zeit offen, wenn er sich von seinen Raubzügen in schneller Flucht zurückzog und Gefangene mit sich schleppte. Manche Mitglieder dieser Familien thaten ihm dabei Reitersdienste. Auch am Rhein und Main, und überhaupt in ganz Franken hatte Hanns Thomas zahlreiche Anhänger und Helfer, von denen wir hier nur die von Thüngen — ein fehdelustiges Geschlecht — nennen wollen. Sein vorzüglichstes und ein gefürchtetes Werkzeug, namentlich wenn es an’s Händeabhauen gieng, war sein Knecht Veit Scharpf.
Hanns Thomas verschonte Niemand, selbst nicht des Kaisers Diener. Nachdem er den Weigand von Thunhaim, einen Edelmann, Johann Lucas, Verweser des Schatzmeisteramts, und den Sohn des Dr. Gregorius Lamparter, als sie vom Reichstag zu Worms nach Augsburg reiten wollten, am Knütlinger Steig niedergeworfen und mit sich fortgeschleppt hatte, fieng, verwundete oder tödtete er im Jahre 1522 in der Gegend von Laber und Dietfurt und zwischen Bayreuth und Pottenstein noch mehrere Bürger von Augsburg, Nürnberg und St. Gallen. Mehreren derselben, unter Andern auch dem Dr. Leupolt Jorian von Wien, schlug er die rechte Hand ab. Einige dieser Hände schickte er an den Rath zu Nürnberg, mit dem Gruſs: „Der Absberger habe noch ein Schwert, und an diesem müsse sich der Rath die Zähne ausbeiſsen.“
Diese Thaten des Absbergers verbreiteten groſsen Schrecken unter den Reichsstädten und bei ihren Bürgern und Kaufleuten. Um diesen Greueln ein Ende zu machen, beschloſs der Schwäbische Bund im J. 1523, den Grafen von Oettingen und den Reichsstädten Bundeshilfe zu leisten und mit dem bündischen Kriegsvolke die Schlösser des Hanns Thomas und seiner adelichen Helfershelfer zu brechen und unschädlich zu machen. Es ist dieses der sogenannte „Fränkische Krieg“ dessen Beschreibung wir hier nach einer gleichzeitigen Handschrift mittheilen: