Als Beitrag zur Art des Anschlagens der Gewehre dient auch das bekannte Bild im Artushofe zu Danzig, die Belagerung der Marienburg von 1460, wo nicht blos ähnliche Gewehrformen, wie die eben beschriebene, sich zeigen, sondern auch ein an der Wange anlegender Schütze zu sehen ist.
In etwa dieselbe Zeit gehört eine Handfeuerwaffe im german. Museum, die jedoch dem Aussehen nach nur theilweise noch ursprünglich sein dürfte, theilweise ergänzt ist. Wir wollen es unterlassen, ihr einen Namen zu geben; sie wurde uns als „ Schießprügel “ bezeichnet. In einen starken, hölzernen Schaft sind vier eiserne Röhren eingelassen, deren jede ein eigenes Zündloch hat, das durch einen hölzernen Schuber bedeckt ist, so daß das Pulver nicht herabfallen konnte, wenn sich die Röhre um ihre Axe drehte. Hinter diesen Zündlöchern wird der Stiel enger, so daß er in der Hand gefaßt werden kann. Der vordere Rand ist mit vier Stacheln besetzt, so daß die Feuerwaffe, wenn die vier Schüsse abgefeuert waren, als Keule dienen konnte.
Venturi[130] gibt unter Fig. 5 die Abbildung eines geharnischten Ritters zu Pferde, der eine ähnliche Waffe trägt, die zwar einläufig erscheint, uns jedoch von dem Gebrauche dieser Handröhren einen Begriff gibt[131].
Eine Anzahl Handröhren finden sich abgebildet in dem fürstlich Wolfegg’schen Manuscripte, welches das german. Museum unter dem Titel „Mittelalterliches Hausbuch“ herausgegeben hat. Es erscheinen bereits dergleichen Handröhren in größerer Zahl. So tragen z. B. solche eine Anzahl Fußknechte in dem Kriegszuge Blatt 51b und 52a. Sie erscheinen als ziemlich lange, hölzerne Stangen, an denen je eine Röhre angebracht ist. Theilweise haben die Stangen Astansätze und erscheinen so ziemlich unbearbeitet; theils jedoch zeigt sich eine gewisse Schäftung, und man kann sogar eine Art Kolben erkennen. Es ist damit die Zeit Kaiser Friederich’s III. charakterisiert. Aehnliche Handröhren sollen in Original noch existieren, theilweise zum Laden von hinten eingerichtet. Ob wir irren, wenn wir glauben, an einigen Röhren auf der genannten Zeichnung im Hausbuche Kammerladung erkennen zu können, mag dahin gestellt sein. Wir erinnern uns nicht, Gelegenheit gehabt zu haben, solche in Original zu sehen.
Nürnberg.
A. Essenwein.
(Schluß folgt.)
Geistliche Scherze des Mittelalters.
V.
Das zuletzt mitgetheilte strophische Gedicht ist sehr ernsthaften Inhalts und paßt somit nicht recht zu der Ueberschrift; nur durch seine Form ist es in diese Gesellschaft gekommen. Ich lasse ein zweites folgen, welches in der Handschrift unmittelbar vorhergeht und durch eine besonders heftige Feindschaft gegen die Mönche ausgezeichnet ist. Da noch nicht von Bettelmönchen die Rede ist, wird es wol noch dem zwölften Jahrhundert angehören.