Nr. 645. Spring nit uͤber die wag. [das ist] tritt nit über das zil [oder wie wir sprechen] Haw nitt über die stang [schnůr], überfar die gerechtigkeyt nit.

Nr. 664. In deinem ring trag nit Gottes bild [bildnus].
[das ist] Mißbrauch den namen Gottes nicht zů jeder sachen [Mißbrauch dich gottes namens nit leichtfertig zů all dein sachen.]

Nr. 652. Brich nit das brodt.
[das ist] Trenn [zertren] keyn freundtschaft, dann rechte freund sein ein brodt. 1. Cor. 10.

Nr. 653. Setz saltz vff [auff].
In allen hendlen, laß [das ist laß in all dein worten vnd wercken] einn ernst vnd scherpffe neben der freundtlicheyt sehen etc. [ita.] [dann saltz můß ymmer neben der speiß sein, sawr neben sieß].

So weit meine Beweisführung, deren für mich zwingende Kraft ich gerne auch an Andern sich bewahrheiten sähe.

Sollte aber S. Franck vor dem wissenschaftlichen Urtheil fortan als Veranstalter dieser Sammlung von 1532 gelten, so ergibt sich unmittelbar für sein Leben und schriftstellerisches Wirken noch ein und das andere anziehende Resultat.

Nach dem Druck seiner Geschichtbibel, „vollendet am Fünfften Tag des Herbstmonats 1531“, wurde Franck bekanntlich aus Straßburg vertrieben. Er begab sich aber nicht, wie Bischof, S. Franck und deutsche Geschichtschreibung, S. 14, annimmt, nach Justenfelden; die von dorther datierte Schrift über das Laster der Trunkenheit erschien bereits 1528, nicht erst 1531; sein nächster Aufenthaltsort wird vielmehr Frankfurt gewesen sein, wo die hier besprochene Sammlung „Im Hewmon 1532“ erschien. An demselben Orte wurden gleichzeitig einzelne Abschnitte aus seiner Geschichtbibel als selbständige Werke gedruckt, muthmaßlich auch bei Egenolf; so nach Gödeke, Grundriß, S. 112: Belagerung und Zerstörung Jerusalem; vielleicht auch die Ausgabe der Sieben weisen auß Grecia. o. O. u. J. 4.

Eine spätere Ausgabe dieses Schriftchens besorgte jedenfalls Egenolff im Jahre 1540; s. Bischof, a. a. O., S. 34.

Da nun das große Werk S. Franck’s über die Sprichwörter in demselben Verlage 1541 erschien, so hätten wir hier die an S. Franck nicht seltene Erscheinung wiederum zu beobachten, daß er die hervorragenden Leistungen seiner schriftstellerischen Thätigkeit im Keime Jahre lang mit sich herumgetragen und für dieselben gedacht und gesorgt hat. S. Franck verräth sich überdies als Freund der sprichwörtlichen Rede in jeder seiner Schriften; auch seine große Sammlung von 1541 hat im Wesentlichen denselben Charakter, wie diese an Agricola sich anlehnende. Was ihm hier der Mansfelder war, das sind ihm für das Hauptwerk zunächst die Sammlungen aus dem Alterthum von Erasmus u. a., Neulateiner wie Valentin Vives, Murmelius, H. Bebel und die niederdeutschen Landsleute Tappius und Tunionis.

Nur zeigt sich darin die größere Reife und Gediegenheit, daß, während Franck 1532 sein Büchlein noch zum größten Theil mit dem aus Agricola entlehnten Stoff anfüllt, er 1541 weit über seine Vorgänger herausgewachsen ist. Ihre dürftigen Vorlagen dienen ihm nur als Anknüpfungspunkt, um den Stoff mehr als zu verzehnfachen und durch eingehende Erörterung zu vertiefen.