Wie hoch das Steinschloß hinaufgeht, sind wir augenblicklich nicht in der Lage anzugeben.

Fig. 5.

Wir geben unterFig. 4 die Abbildung des Gewehres von 1571 und inFig. 5 das Schloß in halber Naturgröße. Der Lauf hat eine Länge von 1,00 Met.; der Durchmesser an der Mündung im Lichten beträgt 0,015 Met., die ganze Länge des Gewehres von der Mündung bis zum Ende des gekrümmten Kolbens 1,40 Met. Zum Zielen ist bei O ein konisches Röhrchen auf den Lauf aufgelegt, durch welches man das Zäpfchen P sieht. Der Lauf ist unten achteckig; gegen die Mündung wird er rund; die Jahreszahl 1571 ist auf der Oberfläche des Laufes vor dem Röhrchen O eingegraben. Der lange Hebel N setzt den Luntenhahn in Bewegung, der, wie gewöhnlich, so eingerichtet ist, daß er sich von der Pfanne wieder entfernt, sobald der Hebel losgelassen wird. Der Drücker M dient zur Bewegung des Feuersteins. Wenn der Hahn gespannt ist, so steht er, wie inFig. 5, senkrecht. Dreht er sich bei Berührung des Drückers um seine Achse, so schlägt der Stein gegen das Kreissegment H, welches fast die Breite des Steines und, ähnlich wie das Rad des Radschlosses, an der Cylinderfläche tiefe Rinnen hat. Zugleich bewegt sich jedoch der Ansatz A am Hahn, welcher unten abgerundet ist, über das oben abgerundete Ende B des Stängchens B C, dessen Ende B durch eine Feder von der Unterlage weggedrückt wird, so daß das Ende C, welches rückwärts einen Haken hat, den Stiel E K packt, welcher einen Deckel L auf der Pfanne G hält. Bewegt sich nun A über B, so wird dieser Punkt gegen den Grund gedrückt, C entfernt sich vom Grunde und das Häkchen läßt den Stiel E K los. Die Feder D E drückt nun bei E den Stiel E K zurück, so daß sich der Deckel L unter der Feder F weg von der Pfanne losschiebt und die auf H sich bildenden Funken auf die Pfanne fallen.

Dem Schlusse des 16. Jahrhunderts gehört ein Falkonet an, das, von Eisen geschmiedet, mit zwei Schildzapfen versehen ist und unmittelbar bei den Schildzapfen zwei Handgriffe (Delphine) hat. Dasselbe hatte offenbar seinen Platz in einem engen Gelasse, wo das 2 Met. lange Rohr nicht zurückgeschoben werden konnte; um es zu laden, wurde daher der hintere Boden herausgeschraubt, die Ladung von rückwärts eingeschoben und mit einer tiefeingreifenden Schraube der Boden wieder befestigt. Diese Art der Rückladung, die keineswegs rasch von statten gehen konnte, ist verschieden von den Kammergeschützen. Die Festigkeit des Verschlusses und die Sicherheit der Bedienungsmannschaft hängt dabei natürlich von der Güte der Schraube ab.

Wie aus dem Aufsatze auf Sp. 262 ff. des vorjährigen Anzeigers nach einem Manuscripte im germanischen Museum hervorgeht, hatte man die Hinterlader blos der Raumersparniß wegen auf engen Thürmen, wo nicht Spielung genug war, um die ganze Kanone von der Brustwehr wegzuschieben und zu laden. Für solche Fälle ist auch ein Modell aus dem 17. Jahrh. erdacht, das aus dem Dresdener Zeughause stammt, von dem wir jedoch nicht wissen, ob es blos als Versinnlichung einer Erfindung gemacht, oder ob es etwa Nachbildung eines bestehenden und gebrauchten Geschützes ist, woran wir jedoch zweifeln möchten. Es ist eine Doppelkanone; zwei mit dem Boden aneinander stoßende Röhren liegen so auf einer Lafette, die dicht an der Brustwehr stehen kann, daß ein Lauf nach vorn herausschaut, der zweite nach hinten. Der nach hinten stehende Lauf wird wie eine gewöhnliche Kanone geladen, dann wird die ganze Doppelröhre um die Mittelachse gedreht, so daß die geladene Röhre nach vorn steht und losgeschossen werden kann, während sodann die zweite Röhre gleichzeitig geladen wird. Das Umdrehen scheint eine etwas merkwürdige Manipulation und das Zielen geradezu unmöglich, da der Lauf sich gar nicht feststellen läßt, so daß kaum die Sache praktische Bedeutung gehabt haben dürfte. Das Gleiche kann von einem Modell in der Sammlung des german. Museums angenommen werden, das drei unter einander communicierende parallele Kanonenläufe zeigt, so daß man drei Schüsse auf einmal geben konnte. Auch die zierlichen Modelle der Orgelgeschosse mögen zwar bestehenden Geschützen direkt nachgebil det sein, wie man ja solche Höllenmaschinen schon in sehr alten Zeiten hatte; allein eine große Verwendung, die wirklich auf die Kriegsführung Einfluß gehabt hätte, fanden sie niemals. Zwei Modelle unserer Sammlung von Kanonen mit den Jahreszahlen 1625 und 1695 haben nicht runde, sondern flachliegende oblonge Röhren, so daß sie nach der Meinung einiger Sachverständigen dazu dienten, Kartätschen zu schießen, um sie möglichst horizontal zu zerstreuen.

Ein schön gearbeitetes Steinschloßgewehr, mit der Inschrift: „Du Vivier Würtzburg“ bezeichnet, gehört dem 18. Jahrh. an. Es ist zur Hinterladung eingerichtet; der Kolben dreht sich um ein Scharnier herab, so daß metallene Patronenhülsen, an denen sich zugleich die zugedeckte und mit Pulver versehene Pfanne befindet, eingeschoben werden konnten, und man somit sehr rasch feuern konnte, wobei jedoch der Schütze eine ziemliche Anzahl der schweren geladenen Patronen (man kann sie als förmliche Kammern betrachten) im Bandelier vorräthig haben mußte. Etwas jünger ist ein dreiläufiges Revolvergewehr (Drehling) mit Steinschloß, sowie ein anderes Hinterladungsgewehr, das schon in den Schluß des vorigen oder in den Beginn unseres Jahrhunderts fällt; endlich ein dritter Hinterlader, der als Modell für Napoleon I. verfertigt worden war.

Wir ergreifen diese Veranlassung, eine frühere Mittheilung unseres Anzeigers zu berichtigen. Im Jahrg. 1862, Sp. 261 ist nämlich von der Bombarde Sigismunds von Tirol die Rede, welche in jener Zeit als Geschenk des regierenden Sultans von Rhodus, wo sie stand, nach Paris in die Sammlung des Kaisers gelangte. Die Inschriften darauf lauten nach einer uns vorliegenden genauen Zeichnung und Gypsabgüssen, die wir der Freundlichkeit des Hrn. Oberstlieutenants Köhler in Danzig danken, folgendermaßen:

1) Um die Mündung:

die kateri huis ich vor meinem gebalt hüet dich das vnrecht straf

ich jörg evdarfer gos mich.