Das Interesse der Freunde des germanischen Museums knüpft sich stets zunächst an die Jahresconferenz. Sie bildet den Abschnitt, der für ein Jahr, mitunter für lange Zeit, entscheidend ist. Wie bereits gemeldet, wurde die heurige Jahresconferenz durch eine Siebener-Commission abgehalten, und zwar von den durch Wahl der Mitglieder dazu bestimmten Herren: Dr. Förster, Dr. Hauck, Prof. Lindenschmit, Prof. Maßmann, Prof. v. Raumer, Prof. v. Ritgen und Direktor Rehm. Die Geschäfte betrafen zunächst die Erledigung der Rechnung pro 1866/67, welche, nachdem sie zuvor alle Stadien der Revision und Superrevision durchlaufen hatte, unbeanstandet genehmigt wurde, und die wir mit nächstem Jahresberichte veröffentlichen werden. Der Etat für 1869 wurde nach den Vorschlägen der Vorstandschaft mit geringen Abänderungen angenommen und auf 29,000 fl. in Einnahme und Ausgabe festgestellt. Ebenso ward die Rechnung der Actiengesellschaft, unter Danksagung gegen den Rechnungsführer, unbeanstandet genehmigt. Die Prüfung der Sammlungen gab das für die Vorstandschaft so erfreuliche Resultat, daß die getroffenen Abänderungen und die zur Vermehrung in großer Zahl gemachten Ankäufe sich der vollen und allgemeinen Zustimmung zu erfreuen hatten, und daß überhaupt die Commission ihre Billigung darüber aussprach, daß den Sammlungen eine erweiterte Aufmerksamkeit geschenkt werde, eine Billigung, die auch in der Genehmigung der pro 1869 gestellten Anforderungen Ausdruck fand. Um jedoch auch das Interesse derjenigen, welche nicht durch eigene Einsicht aus den Sammlungen Nutzen ziehen können, zu befriedigen, wurde beschlossen, neben der Publication der größeren Arbeit über die Sammlungen, von der der erste, allgemeine Theil in den Aushängebogen fertig vorlag, und die im folgenden Jahre ihren Abschluß finden wird, Einleitungen zu treffen, um die interessante und wichtige, aus Trier stammende und in dem kgl. Staatsarchiv zu Coblenz aufbewahrte Handschrift, das „Balduineum“, mindestens in ihrem bildlichen Theile zu veröffentlichen. Wenn die erhoffte Genehmigung der kgl. preuß. Regierung eingetroffen, und die zur Bearbeitung in Aussicht genommenen Gelehrten ihre Zustimmung gegeben haben, kann wol im Jahre 1870 diese Veröffentlichung dem Publikum übergeben werden. Zur angenehmen Mittheilung diente der Conferenz, daß das von Sr. Majestät dem Könige von Preußen gestiftete gemalte Fenster, das auf der Pariser Ausstellung mit dem ersten Preise ausgezeichnet wurde, angekommen sei, sowie daß Se. Majestät gestattet haben, dasselbe nicht an dem ursprünglich bezeichneten Orte, in der ehemaligen Kirche, sondern in einem eigens dafür bestimmten Raume, der neu gebaut werden und den Namen seiner Majestät tragen soll, aufgestellt werde.
Da der Verwaltungsausschuß leider im Laufe des Jahres zwei Mitglieder, Prof. Pfeiffer und geh. Rath Waagen, durch den Tod verloren, und unmittelbar vor dem Zusammentritt der Comission Se. Excellenz Graf Pocci in München und k. k. Hofrath Ritter v. Bergmann in Wien ihre Stellen niedergelegt hatten, so besprach die Commission als Wahlcommission die für Ergänzung des Ausschusses gemachten Vorschläge der Vorstandschaft und beschloß einstimmig, den Wahlberechtigten vier Männer namhaft zu machen, durch deren Wahl das Interesse der Nationalanstalt vorzugsweise gefördert erscheint. Eine Anzahl der geschäftlichen Erledigungen, wie die Festsetzung einer definitiven Instruktion für den Kassecontroleur, Abänderungen der Pflegschaftsordnung, Bestimmung über die Form des nächsten Jahresberichtes interessieren wol nicht Jedermann; doch hoffen wir, daß sie von guten Folgen für die Finanzen der Anstalt sein werden.
Indem wir somit die diesjährige Conferenz als ein erfreuliches Ereigniß in die Annalen unserer Nationalanstalt aufzeichnen, können wir zugleich mit nicht geringerer Freude und Genugthuung melden, daß eine lange vorbereitete und viel verschobene Sache — der Bau des östlichen Kreuzganges — nunmehr beendet ist. Schon bieten die zierlich gegliederten Gewölbe und die reichen und mannigfaltigen Formen des Maßwerkes der Fenster dem Auge einen befriedigenden Anblick dar, und der Kreuzgang hat nunmehr seine alte Größe und Gestalt wiedergewonnen. Da derselbe ausschließlich für Aufstellung von Originalen und Abgüssen der Grabdenkmale bestimmt ist, so kann er freilich erst nach und nach eingerichtet und dem Publikum zugänglich gemacht werden, und einige Jahre mögen wohl vergehen, ehe die Bretterwände, die jetzt noch einen Theil abschließen, für immer fallen. Ein wesentlicher Theil unserer Aufgabe ist durch die Vollendung des Kreuzganges gelöst; im Plane für den Wiederausbau der alten Karthause steht nun zunächst die Wiederaufrichtung der zwei zerstörten Zellen an der Nordseite voran, die, wie wir hoffen, ebenfalls bald wieder hergestellt sein werden, so daß dann die eine Seite vollständig die alte Anlage wieder zeigt.
Die Verloosung der am 1. Januar rückzuzahlenden Obligationen des Bauanlehens hat die vier Nummern 37, 50, 65 und 92 zu Tage gebracht.
Es ist wol den meisten Freunden des Alterthums bekannt, daß der Hammer des Goldschlägers schon so manche pergamentene Manuscripte und Urkunden vernichtet hat, die nicht blos ihres Inhaltes wegen von Bedeutung waren, sondern von denen auch jedes Stück ein Produkt des Fleißes und ein Monument für die Kulturgeschichte repräsentierte. Ein Mittelpunkt des Pergamenthandels für Goldschläger befindet sich aber für fast ganz Europa in Fürth bei Nürnberg. Da das Museum aus seinen Mitteln nur selten, und blos wenn es sich um Gegenstände von besonders wichtigem Inhalt handelte, in der Lage war, hier rettend aufzutreten, so hat der schon so oft als Förderer unserer nationalen Sache mit dankbarer Anerkennung genannte Herr Assessor v. Cuny in Bonn dem Museum 2100 fl. zur Verfügung gestellt, um ähnliche Dinge zu retten, daran aber die Bedingung geknüpft, daß das Museum nicht blos das für seine Zwecke Wichtige, nicht blos Seltenheiten oder inhaltlich Werthvolles in’s Auge fasse. Zugleich hat Herr v. Cuny gestattet, daß über das, was nicht für die Zwecke des Museums selbst dient, anderweitig verfügt werde. Die Gegenstände, welche zunächst in Folge dessen in Fürth aus den Händen des Goldschlägers gerettet wurden, stehen zum Theile schon als Geschenke des Herrn v. Cuny in unserm heutigen Verzeichnisse.
Ein weiteres Geschenk haben wir dankbar von Herrn Hofbanquier v. Hirsch in München zu melden, der 100 fl. zur Tilgung der Schuld an Herrn v. Aufseß durch Verzicht auf das von ihm bei der Aktiengesellschaft deponierte Capital gespendet hat.
Den mit dem Museum in Schriftentausch stehenden Vereinen ist beigetreten der neugegründete
Geschichts- und Alterthumsverein in Leisnig (Sachsen).
Den mitgetheilten erfreulichen Nachrichten haben wir diesmal leider auch eine Trauerbotschaft wieder anzureihen. Das langjährige Gelehrtenausschußmitglied des Museums, Dr. phil. William Bell aus London, starb am 22. Sept. in Bonn, wohin er des internationalen archäologischen Congresses wegen gereist war.
Seit Veröffentlichung des letzten Verzeichnisses wurden folgende neue Jahresbeiträge angemeldet: