ANZEIGER
FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
Neue Folge. Fünfzehnter Jahrgang.
Adler aus dem Wappen des Germanischen Museums
ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.
1868.
Nº 11.
November.
Wissenschaftliche Mittheilungen.
Die Schlacht bei Pavia,
nach dem Bericht eines Augenzeugen
.
Kaiser Karl V. und König Franz I. von Frankreich bekriegten sich ohne Unterlaß. Dieser konnte nicht vergessen, daß er in seinem Versuche, die Wahlstimmen der Churfürsten zum deutschen Kaiserthrone auf seine Person zu lenken, gegen Karl unterlegen. Er brachte die alten Forderungen, die schon durch den Vergleich von Noyon 1516 abgethan worden, neuerdings auf die Bahn. Darüber entstand ein mehrjähriger Kampf, der vom Jahre 1521 bis 1525 dauerte, in Navarra, den Niederlanden und in Italien geführt wurde und 1525 mit der Niederlage des französischen Königs bei Pavia und seiner Gefangenschaft endete. Der Sieg des Kaisers wurde durch die deutschen Landsknechte unter Georg von Freuntsberg und Marx Sittich von Ems (Hohenems) entschieden. Unter Freuntsberg diente ein bayerischer Edelmann, der Ritter Caspar Wintzerer, der ein Fähnlein Landsknechte in die Schlacht führte. Er hatte seinen Ansitz zu Winzer in der Nähe von Regensburg und war bestallter Rath und Diener der Herzoge Wilhelm und Ludwig von Bayern. Von Mailand aus schickte er den Herzogen einen Bericht über die Schlacht von Pavia, welchen dieselben unterm 8. März 1525 ihrem Schwager, dem Markgrafen Kasimir von Brandenburg, mittheilten.