Eine nicht weniger merkwürdige Anlage bietet der weit höher gelegene Gipfel des Berges Gleitsch, oberhalb des Schlosses Obersitz unweit Saalfeld. Die hier befindliche Umwallung, sowie daselbst gemachte Funde hat schon W. Adler in seiner Schrift: „Die Grabhügel, Ustrinen und Opferplätze der Heiden im Orlagau u. s. w. Saalfeld, 1837,“ beschrieben, doch gerade die interessanteste Seite dieses Denkmals der Urzeit nicht bemerkt. Wir haben es hier nämlich mit einem der seltener vorkommenden Schlackenwälle zu thun. Obwohl die innerhalb der Umhegung angelegten Ackerfelder vieles zerstört haben, sind doch noch einzelne Theile des alten Steinkranzes unversehrt genug geblieben, um erkennen zu lassen, daß die Außenseiten desselben einst systematisch einem sehr starken Brande ausgesetzt gewesen. Auch an den zerstörten Stellen des Walles finden sich Steine, an welchen die Spuren des Feuers ersichtlich, in großer Zahl. Manche derselben sind ganz verglast oder in Schlacken verwandelt. Unter den Steinen tritt schwarze Erde, die mit Asche und Ruß gemischt erscheint, zu Tage. Bei früheren Ausgrabungen hat man hier Geräthe von Stein, Thon und Bronze gefunden, in unmittelbarer Nähe auch Grabstätten aufgedeckt. Gegenwärtig liegen Scherben noch in großer Menge umher, unter welchen wir auch das Bruchstück eines verzierten Gefäßes fanden, deren man früher noch nicht wahrgenommen.

Nürnberg.

Dr. A. v. Eye.

Die Ausstellung des internationalen archäologischen Congresses zu Bonn.

(Fortsetzung.)

Eine zweite Reihe von Gegenständen, die einen wichtigen Kunstzweig repräsentierten, stellte sich in einer Anzahl Elfen beinschnitzwerke dar. Manche Einzelgegenstände, so besonders einige Büchereinbände, die sich als interessante Belege für die Entwickelung des Emails gezeigt hatten, treten auch hier wieder als wichtig auf, da die frühere Periode der mittelalterlichen Kunst die Verbindung des Emailschmuckes und Elfenbeines zur Erreichung eines würdigen monumentalen Eindruckes häufig benützte. Die hervorragendsten Gegenstände auf diesem Gebiete waren unstreitig jene, die noch direkte Anknüpfungspunkte an die Antike boten. Wir nennen hier zuerst eine Reihenfolge von zehn Hostienbüchsen aus früher Zeit, die theilweise noch mit antiken Darstellungen bedeckt sind; so die aus dem Dome zu Xanten, welche die Darstellung des Ulysses zeigt, der den auf der Insel Scyros in Weiberkleidung versteckten Achilles aufsucht und wegführt; eine andere mit einer Darstellung aus dem Leben Joseph’s, wobei das Land Aegypten und der Nil personificiert in antiker Weise erscheinen (Museum zu Wiesbaden); ebenso eine sehr hübsche Darstellung der Geburt Christi und Anbetung der Hirten, wobei Joseph und Maria neben der Krippe sitzen, während die mittelalterliche Kunst bis in’s 15. Jahrhundert die heil. Jungfrau bei dieser Scene liegend darstellt. Ein Gehänge zu solchen Pyxen, mit Rollen, aus dem Dome zu Mastricht bot eine wichtige Ergänzung. Eine Anzahl von einzelnen und paarweise zusammengehörigen Elfenbeintäfelchen aus der romanischen Kunstperiode gab für die Ikonographie einerseits, wie für die formale Entwickelung der Sculptur interessante Anhaltspunkte. Besonders beachtenswerth war die Nebeneinanderstellung einer Reihe von Scenen der Kreuzigung, darunter das merkwürdige Relief am Deckel des Echternacher Evangelienbuchs in der Bibliothek zu Gotha. Hier fanden sich auch als Belege für andere Verwendungen des Elfenbeins das Blashorn Karl’s d. Gr. aus dem Domschatze zu Aachen und ebendaher das kostbare Weihkesselchen, mit Gold und Edelsteinen besetzt; endlich eine Reihe jener reichgeschnitzten Bischofskämme: der sog. Mutter-Gottes-Kamm aus dem Kloster Laach (Besitz des Herrn Prof. aus’m Weerth in Bonn), der Kamm des heil. Benno aus Iburg bei Osnabrück, der kostbare mit Gold und Edelsteinen besetzte Kamm aus Quedlinburg und die zwei Kämme aus dem städtischen Museum zu Köln. Durch eine Reihe von Täfelchen, runden und Schachfiguren u. s. w. war die so fruchtbare Periode des 14. Jahrhunderts trefflich vertreten.

Von Krystallarbeiten des 10. Jahrhunderts waren drei merkwürdige Stücke aus Quedlinburg ausgestellt; ebenso von der frühromanischen Lederplastik eine interessante Messerscheide aus dem Dome zu Aachen, bei der das Ornament theils plastisch hoch herausgetrieben, theils mit scharfen Instrumenten geschnitten ist.

Die Goldschmiedearbeit im weiteren Sinne hatte zunächst eine der mit getriebenem Goldblech bekleideten Statuen aufzuweisen: die sitzende Figur der heil. Jungfrau mit dem Kinde, aus Essen, v. 10. Jahrh. verwandt mit den Werken, die wir als wichtige Zeugnisse für die Entwicklung der Kunst des Emails aufgeführt haben, und die alle hier gleichfalls zu nennen wären, da das Email nur einen Theil des Schmuckes der zum Theil umfangreichen, zum Theil merkwürdig geformten Geräthe bildet. Wir wollen hier im Vorübergehen nur noch einmal die Kreuze aus Essen, das Evangelienbuch daher, das aus Echternach, die Hülse des Stabes Petri, den Tragaltar des heil. Egbert nennen.

Dem 11. Jahrhundert gehören die Theile der in Goldblech getriebenen Pala d’oro aus dem Domschatze zu Aachen an, die vorzugsweise die Art jener Zeit in der Darstellung des Figürlichen in ihren reichen Compositionen gibt. Besonders wichtig in dieser Hinsicht sind die schönen Apostelgestalten, die den Altaraufsatz aus St. Castor in Coblenz (nunmehr in St. Denis bei Paris) zieren, und deren edle Haltung und schöne Zeichnung diese aus Silberblech getriebenen, fast runden Figuren als mustergültig erscheinen lassen. Auch die beiden Nachahmungen der Limburger Reliquientafel, die Tafeln aus Trier und Mettlach müssen als höchst interessante Werke der Goldschmiedekunst hier noch einmal angeführt werden. Das Filigran zeigte sich in der höchsten Stufe der Vollendung neben mehreren verschiedenen Werken, wo es in Verbindung mit andern Techniken eine mehr untergeordnete Rolle spielt, an dem Reliquienschrein mit dem Schädel der heil. Helena aus dem Dome zu Trier, vom 12. Jhdt., und an dem Reliquienschrein des heil. Simeon in der Pfarrkirche zu Sayn. Ein prachtvolles Reliquiar von meisterhafter getriebener Arbeit, mit byzantinischen Theilen, ist das im Besitze des Erzbischofs von Köln befindliche, an einen Flügelaltar auf einem Fuße erinnernde Gefäß. Die Goldschmiedearbeit der gothischen Periode war vertreten durch den schönen Kelch mit Patene aus dem Besitze des Fürsten von Hohenzollern, dem 12. Jahrhundert angehörig, der schon bei Gelegenheit der Emails Erwähnung gefunden; ferner durch die Schale aus Osnabrück und, als Schluß der mittelalterlichen Kunst, durch die Monstranze, im Besitze des Fürsten von Hohenzollern, die, in wildestes Chaos ausgeartet, an Stelle der architektonischen Formen, die sich sonst bei diesen Gefäßen finden, eine Art Laube zeigt, welche aus Ornamentzweigen und Ranken gebildet ist. Wir haben an anderem Orte unsere Meinung über das Verhältniß dieser ornamentalen Haltung der Geräthe ausgesprochen, die wir keineswegs zurückgenommen wissen wollen, wenn man auch gerade hier in dem fraglichen Werke sieht, daß da, wo der gesammte Aufbau mit mehr oder minder strengen Architekturformen sich gebildet hatte, das plötzliche Verwandeln derselben in Ornamente, ohne weitergehende Umwandlung der Gesammtform des Gefäßes, eine gewisse unbefriedigende Trockenheit im Gefolge hat, aus der zu ersehen ist, daß wir es hier mit den letzten Ausgängen einer Kunst zu thun haben, und daß die Aufnahme solcher an und für sich zwar rationellen Motive eine Folge der eingetretenen Zersetzung ist, keineswegs aber ein Prinzip, das gestaltend auf alle Werke der Kunstperiode gewirkt hatte.

Nürnberg.