Allgem. Zeitung: Beil. 294. 295. Kloster Königsfelden im Aargau u. seine Glasgemälde. (Forts. u. Schluß.) (Gottfried Kin kel.) — Nr. 305. Tiroler Ruinen. — Nr. 312. Albrecht Dürer’s Haus zu Nürnberg.
Illustr. Zeitung: Nr. 1322. Alte Jungfern. (v. R. D.) — Ein Porträt Luther’s von Lukas Cranach. — Nr. 1324. Kloster Veßra (Henneberg.)
Köln. Zeitung: Nr. 310, 2. Bl. Der große antike Fund bei Hildesheim. (Dr. Otto Benndorf.)
Vermischte Nachrichten.
108) Das Aeußere der eleganten Wallfahrtskirche zu Straßengel bei Graz wird einer durchgreifenden Restauration unterzogen, für welche die von den Schülern des Oberbauraths Schmidt in Wien gefertigten Aufnahmen als Grundlage dienen. Die Ausführung besorgt Steinmetzenmeister Grein unter Leitung der Architekten Scanzoni und Grath. Eine besonders schwierige Arbeit verursachte der zierlich durchbrochene Steinhelm des Thurmes, der aus schlechtem Material errichtet und stark verwittert war. Ein großer Theil des Helmes wurde ganz aus hartem Muschelkalk erneuert; die Kreuzblume des Thurmes, gegen 8′ hoch und c. 5½′ im Durchmesser, wurde aus Kalkstein von Nabresina hergestellt. Interessant war es, bei näherer Untersuchung der am Fuße des Thurmhelms stehenden Engelfiguren, wie solche jetzt durch die Gerüste möglich war, zu finden, daß vier derselben Blasinstrumente trugen, die eine mechanische innere Einrichtung hatten, um bei Luftzug Töne von sich zu geben. Die Restauration der Kirche selbst ist vom Chore an bis zum Seitenportal beendet; über letzterem wird ein Schutzdach aus Stein aufgeführt. Man hofft im Winter die beiden Portale und den Westgiebel restaurieren zu können, so daß diese schöne Kirche, die, auf hohem Bergrücken stehend, schon von weitem dem vorüberreisenden Publikum in die Augen fällt, bald äußerlich in altem Glanze dastehen wird. Leider können die späteren Anbauten an der Nordseite, die gerade von der Eisenbahn aus sehr störend erscheinen, nicht beseitigt werden.
Straßengel.
U. Greiner.
109) In Köln fand man unlängst beim Abbruche alter Häuser neben der Kunibertskirche, die großen Neubauten Platz machen mußten, Ueberreste einer romanischen Kapelle, aus Tuffstein errichtet. Von Interesse war dabei, daß sich im Innern einer späteren Wand der Anfang einer kleinen Abside fand, welche noch in vollkommener Farbenfrische erhaltene Gemäldeüberreste zeigte. Zwei Einzelfiguren waren noch vollständig erhalten; eine Magdalena mit dem Salbgefäß und darunter ein Johannes der Täufer. Von einer größern Scene, wahrscheinlich einer Kreuztragung, fanden sich einzelne Köpfe. Die Ausführung der Malerei ist nicht gerade elegant, in der Weise der romanischen Wandgemälde der Rheinlande; aber die Zeichnung edel und rein. Der Stil der Zeichnung steht auf der Grenzscheide des 13. u. 14. Jahrhunderts. Er schließt sich noch den allgemeinen Typen der Zeit an ohne die specifischen Eigenthümlichkeiten der späteren lokalen Schule. Leider konnten die Ueberreste nicht erhalten werden, sondern wurden wenige Tage nach ihrer Entdeckung zerstört; doch hat Maler Schüller vollkommen exakte, naturgroße Copien für das germanische Museum angefertigt.
110) Vor einigen Wochen genehmigte die Versammlung der Stadtverordneten von Köln die Anstellung von Nachgrabungen, welche der Verein von Alterthumsfreunden im Rheinlande auf dem zwischen der Rampe der festen Rheinbrüche und dem Viadukt der Rheinischen Eisenbahngesellschaft liegenden Rasenplatze ausführen zu lassen beabsichtigte, um die Lage der alten, entlang der Burgmauer gestandenen römischen Stadtmauer weiter nach Osten zu verfolgen und festzustellen. Die Nachgrabungen haben am 10. November begonnen, und die dabei beschäftigten Arbeiter sind bereits auf alte Mauerreste gestoßen, von welchen vorerst noch kaum zu sagen ist, ob sie römischen oder mittelalterlichen Ursprunges sind.
(Köln. Ztg. Nr. 315, 2. Bl.)