Feldarbeit und Spinnen
Die hier wiedergegebene Abbildung zeigt uns einen Mann, mit der Hacke das Erdreich lockernd, der bei nackten Beinen nur mit der Tunica bekleidet ist, die er des bequemeren Arbeitens wegen aufgeschürzt hat. Bei ihm sitzt eine Frau in der Haustracht, mit der Spindel spinnend, während sie den Hanf an einer Kunkel befestigt hat, die auf einem Fußgestelle neben ihr steht. Zu ihren Füßen liegt ein Kind in der Wiege. Die Tracht der Frau zeigt, daß wir es keineswegs mit Leuten der untersten Volksschichten zu thun haben, auch die Tunica des Mannes, welche ihrer Länge wegen geschürzt werden mußte, zeigt den Mann besserer Stände, der sein eigen Gartenland bearbeitet und es sich bequem gemacht hat. Die Scene stellt Adam und Eva nach der Austreibung aus dem Paradiese dar und ist einer Reihe von Bildern auf Pergament gemalt entnommen, welche ehemals den Kopf jeder Seite eines sorgfältig illustrierten Speculum humanae salvationis bildeten, bei denen jedoch der Text durchweg abgeschnitten ist. Die Folge trägt die Nummer 5970 der Bibliothek des germanischen Museums und gehört dem 14. Jahrhundert an.
Nürnberg.
A. Essenwein.
Der Marktplatz einer Stadt.
Federzeichnung aus der Zeit um 1500.
Unter den Handzeichnungen des germanischen Museums befindet sich auch als Nummer 52 die hier wiedergegebene Federzeichnung aus dem Schlusse des 15. Jahrhunderts, welche uns ein sehr ansprechendes Bild aus dem Leben einer Stadt zeigt. Besonders fällt uns der würdevoll einherschreitende Mann im Vordergrunde auf, dem ein Junge das große Schwert nachträgt.
Feldarbeit und Spinnen
Leider ist das mit einem Dache versehene Fuhrwerk zu flüchtig gezeichnet, so daß wir es dahin gestellt sein lassen müssen, ob wir recht haben, darin eine große Büchse zu sehen, die dort bereit steht, jedem der Stadt etwa drohenden Feinde entgegengeführt zu werden. (Die Perspektive ist wohl verstanden). Daß einzelne Häuser etwas schief stehen, kann ebensowohl Folge der Flüchtigkeit des Zeichners sein, als es der Natur entnommen sein kann.
Nürnberg.