Wir dürfen nun allerdings, nach dem oben Gesagten, den Lesern nicht viele solche Originalwaffen aus dem Mittelalter vor Augen führen, aber doch einzelne, da immerhin das Museum Einiges von hohem Werthe in sich schließt; wir haben aber merkwürdige Zeichnungen und schöne Miniaturen, wir haben Grabsteine u. a. Denkmale, denen so Vieles zu entnehmen ist, daß wir unserer Arbeit eine Eintheilung in mehrere Aufsätze geben können. Wir werden dabei freilich im Interesse der Leser eine etwas bunte Reihenfolge einhalten und oft in einer späteren auf Abbildungen früherer Abtheilungen zurückzuweisen haben, die für Mehreres von Interesse sind.

Nürnberg.

A. Essenwein.

Drei Briefe des Johannes Aurifaber an den Rathsherrn Paulus Behaim in Nürnberg.
[167]

1.

Gottes gnad vnd fried durch Christum Jhesum vnsern heiland. Erbar vnd vhester, grosgonstiger lieber herr vnd förderer. dieweil ich zufellige vnd vergebliche[168] bothschafft nach Nurmberg hatte, hab ich nicht vnterlassen kennen, diess kleine briefflein an euer ehrenvhest mit zuschreiben, wiewol ich nichts besonders hatte, das ich schreiben kondte. aber dieweil ich alhier zu Eisleben einen deutschen tomum von tieschreden doctoris Martini Lutheri hab in druck verferttiget vnd denselbi gen zum theil euern herrn einem erbarn vhesten vnd wolweisen rath der keiserlichen reichstadt Nurmberg didicjret vnd zugeschrieben, so vberschicke euer ehrenvhest ich alhier bej[169] brieffszeigern ein exemplar desselbigen tomj vnd thue euch darmit verehren, dienstlich bittende: wollet dieß kleine geschencke von mir zu gonstigem gefallen annemen. wen euer ehrenvhest ich in mehrem dienen kondte, so wolt ich dasselbige gahr gerne thun. ich lasse ein exemplar itzt einbinden, das wil euern herrn einem erbarn rath ich förderlich[170] zuschicken. es ist ein fein nutzlich werck vnd sind darinnen die tieschreden fein zusamen getragen in locos communes vnd werden euer ehrenvhest darinnen viel hehrlicher schöner historien finden, die dem christlichem leser zur lere, vnterricht vnd trost dienstlich vnd nutzlich sein mögen.

Ich hette bej diesem zufelligem Eislebischen bothen euer ehrenvhest auch gerne neue zeittung zugeschrieben. so ists alhier gahr stille. allein das man sorge tregt, die excution der acht werde noch ergehen, den der churfürst zu Sachsen vnd hertzog Heinrich von Braunschweig hardt drauff dringen soll. was der eldter hertzog zu Sachsen des reichs gesanthen fur eine antwort gegeben hab, das werdet ir wohl erfharen haben.[171] man saget, s. f. g. lassen dieselbige antwort itzt im offentlichem druck ausgehen, sich darmit zu entschuldigen, worumb s. f. g. die echter[172] biß anhehr bej sich hab gehabt. Grumbach vnd Wilhelm vom Stein sollen noch zu Gotha sein, aber Ernst von Mandelslohe ist fur acht tagen[173] von dannen abgezogen vnd sich durch die graffschafft Mansfeldt geschleifft[174] nach der Marckt, vnd man helts darfur, das er nach Poln sich begeben habe.

Der churfurst zu Sachsen hat noch zwej tausend pferde in bestallung, welche Johan von der Assenburg vnd Heinrich von Staupitz werben. dergleichen hat er seine haubtleuthe auch alle bej einander zu Dresden gehabt, vnd mit inen gehandelt, 10 fenlein knechte ime zu werben. haben allen bescheidt, allein das sie nur noch auffs geldt wartten, das alsdan der lauff[175] mit den knechten wurde angehen. worzu s. churf. g. solche reuter vnd knechte nun gebrauchen wil, das wirdt man mit der zeit erfharen.

Vom Schwedischen kriege[176] ist es auch stille, allein das der Schwede mit funfftzig kriegsschieffen ist in der see vnd nur eine meile von Coppenhagen gewesen und alda sich sehen lassen vnd wider von dannen in die see gefharen und als im die denische vnd Lubische armada nachgeiaget, die nur sieben vnd dreissig schieff hat gehabt, do hat der Schwede sechs vnd sechszig holendische kauffschieff in der see genommen vnd nach den Schwedischen scheren[177] sie gebracht vnd den 9. tag Julij zu Stockholm mit grossem triumph angefhuret. man sol die wahre auff den schieffen in Schweden bezalet haben vnd hat allerlej notturfft von tuch vnd anderm, so im konigreich biß anhehr sonst gemangelt hat, der konig auff diesen schieffen bekommen, das sich also dieser krieg noch lange verweilen wil.

Befhele euer ehrenvhest hirmit in den gnadenreichen schutz gottes des almechtigen mit erbiettung meines gebets vnd vnuerdrossenen willigen diensten. Gegeben zu Eisleben den 17. tag Augustj anno 1566.