103) Nach Nr. 137 des oberschwäbischen Anzeigers wurde in Hochsträß bei Friedrichshafen-Hofen ein Gräberfeld entdeckt, welches in einem uns von unbekannter Hand zugeschickten Separatabdruck eines Zeitungsartikels mit den in der Nähe gefundenen Pfahlbauten des Bodensees in Verbindung gebracht wird. Da uns der ursprüngliche Artikel nicht zugesandt wurde, sind wir nicht in der Lage, näher auf die Sache einzugehen.

104) Herr Professor Heideck und Herr Bildhauer Eckart sind auch während dieses Sommers bei dem Aufsuchen und Oeffnen von Hünengräbern in der Kaub, einem Wäldchen bei Wosegau bei Kranz, thätig gewesen, und zwar mit sehr günstigen Erfolgen. Die Herren öffneten 100 Gräber; 60 davon waren für ihre Bestrebungen überaus ertragreich. In jedem Grabe wurde ein Schmuck, 2 Lanzen, zwei Steigbügel und Sporen gefunden. Hervorragende Funde waren außerdem 2 große Kronfibeln, 6 große Filigranschaumünzen, 2 Münzen arabischer oder byzantinischer Herkunft, eine silberne Filigranfibel, eine ovale silberne Medaille, 4 silberne Filigranperlen, 2 Steinperlen, focaltonartig geschliffen, eine längliche Perle, ebenfalls so geschliffen, Fibeln mit Silberdraht durchzogen, Schwerter mit kräftiger Parierstange, der Knauf mit Silberfäden durchzogen, etc.

(Nordd. Allg. Ztg.- Nr. 364.)

105) Herr Kofler aus Darmstadt hat in der Umgegend von Lich (Oberhessen) Ausgrabungen an Hügelgräbern vorgenommen, die im Muschenheimer und im Langsdorfer Walde liegen. Zwei der Gräber boten sehr wenig des Interessanten, das dritte Grab aber ganz Hervorragendes. Im Langsdorfer Walde liegt eine Gruppe von Hügeln, genannt die „Heidengräber“. Einige derselben haben eine Höhe von 2 Metern und einen Umfang von 36–40 Metern; andere erheben sich kaum über den Boden. Das eröffnete Grab erhob sich nur 80 Centim. über den Boden und hatte einen Umfang von 25 Metern. In einer Tiefe von 80 cm. stießen die Arbeiter auf eine Anzahl Steine, welche in ziemlich kreisrunder Form pflasterartig den Boden deckten. Der Durchmesser des Kreises maß 4 Meter. Als die Randsteine losgebrochen wurden, fand man drei größere Schalen und ein Gefäß, von denen nur letzteres erhalten, die Schalen aber, wie die genaue Besichtigung zeigte, in beschädigtem Zustande niedergelegt waren. Unter den Gefäßen befanden sich große Lagen von Asche und kleine im Feuer kalzinierte Knochen. Bei Entfernung der Steine aus der Mitte fand man ebenfalls Asche und Scherben der verschiedenen Gefäße. Unter dem mittleren Steine lag ein vollständiger Bronzeschmuck, bestehend aus einem Halsring von gewundener Form mit schön erhaltenem Schluß; zwei spiralförmigen, ganz dünnen Armringen mit Schluß, die theilweise unter der Hand zerbrachen; zwei massiven Armspangen, jede zusammengesetzt aus 3 glatten Reifen; einem spiralförmigen Fingerring, dabei ein Stückchen Bronze, das wol zu demselben als Zierrath gehörte (aus den Armspangen fielen beim Herausnehmen je ein Reifchen von dünnem, nadeldickem Holz, das mit ganz dünnen Bronzen überarbeitet war); zwei Scheiden für spitze Gegenstände von wohlerhaltenem Gewebe; einem Gürtel, ganz vermodert, der mit unzähligen kleinen Bronzebuckeln besetzt war, die nicht ganz die Stärke des Materials der sogenannten Wachsperlen hatten; einer ganzen Anzahl halbvermoderter, halbverkohlter, ganz dünner Bronzezierge räthe; einem Bronzebeschlag mit zwei Rundnägeln. Die Fundstücke hofft man für das Darmstädter Museum zu erhalten.

(Nordd. Allgem. Ztg., Nr. 362.)

106) Am 20. Juli wurden in der Nähe des Greiffensteiner Schloßberges, ½ Stunde westlich von Zabern, unweit der alten römischen Vogesen-Befestigungen am Schweizerhof, Köpfel, Fallberg und der römischen Kaiserstraße von Tres Tabernae nach Decempagi (Tarquimpol bei Dieuze) und der Römerstraße nach dem Fallberge: 160 silberne römische Münzen aus der Zeit der Prätorianer-Kaiser (235–279) beim Bauen einer Forststraße von einem Arbeiter gefunden. Die in einem zerfallenen kupfernen Gefäß befindlichen Münzen wurden an das Bezirkspräsidium nach Straßburg abgeliefert. Am 3. August wurden wieder 6 silberne, sehr gut erhaltene Münzen mit folgenden Inschriften gefunden: 1. (2 Münzen) Otacilia uxor Philippi I. Marcia Otacilia Severa Augusta, — Concordia Augusta. 2. (2 Münzen) Imperator Caesar Cajus Vibulo Vellusiano (?) Augustus. 3. (2 Münzen) Imperator Gallienus, Pius Augustus (260–268).

Freiherr von Hövel,
Premier-Lieutenant im k. Jäger-Bat. 8.

107) Der „Köln. Volks-Ztg.“ zufolge wurde in Zülpich die dortige, aus dem achten Jahrhundert stammende Krypta nach ihrer Restaurierung wieder eröffnet und für den Gottesdienst in Gebrauch genommen.

(Staats-Anz. f. Württemberg, Nr. 190.)

108) Alle Zeitungen feiern die am 14. August d. J. erfolgte „Fertigstellung“ des Domes zu Köln, indem an diesem Tage die Versetzarbeit der Kreuzblume des zweiten Thurmes beendigt wurde, ein Ereigniß, das in der That wichtig genug ist, das Interesse aller Altherthumsfreunde in Anspruch zu nehmen, wenn auch von einer Fertigstellung, von einem Abschluß aller Arbeiten noch lange nicht die Rede sein kann.