Adler aus dem Wappen des Germanischen Museums

ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

1880.

Nº 9.

September.

Wissenschaftliche Mittheilungen.

Beiträge aus dem germanischen Museum zur Geschichte der Bewaffnung im Mittelalter.

III.

Einen nicht unwichtigen Beitrag liefert der Codex 973, dessen wir wiederholt bei Besprechung anderer Darstellungen gedacht haben: der trojanische Krieg in deutscher prosaischer Bearbeitung, dessen viele Kampfabbildungen in hohem Grade interessant sind. Wir geben aus den folgenden Seiten, auf die Hälfte verkleinert, eine der Kampfscenen und eine Reihe von Einzelfiguren aus den übrigen wieder. Wir haben in allen diesen Kampfscenen nur die Fürsten und ihre unmittelbare Umgebung vor uns, nicht etwa kämpfende Knechte; daher sehen wir auch alle zu Pferde. Von Fußtruppen nirgends eine Spur. Wir finden aber auch, daß große Mannigfaltigkeit in Rüstung und Bewaffnung selbst dieser vornehmen Elemente herrschte. Die Könige tragen meist den Stechhelm und, um sie zu bezeichnen, auf demselben eine Krone. Doch haben wir wol kaum anzunehmen, daß, als der Codex gefertigt wurde, die Könige derartige Auszeichnung wirklich trugen; sie dient nur dazu, dem Beschauer zu zeigen, daß diese Figur der im Texte genannte König ist. Uebrigens tragen auch andere Figuren den Stechhelm. Ein Blick auf Siegel und Grabsteine und andere datierbare Werke der zweiten Hälfte des 14. Jahrh. zeigt uns die Rüstung der meisten Nebenfiguren ganz ebenso wieder, wie sie hier vorkommen. Wir haben als Kopfbedeckung die oben spitze Beckenhaube mit dem Kettengeflechte um den Hals; wir haben das wollene Gewand mit Aermeln über der Rüstung, die vielleicht blos aus Ringgeflecht bestand, vielleicht auch einzelne Eisentheile hatte. Die mita bezeichnete Figur hat noch das ärmellose Gewand, unter welchem der aus Ringgeflechte bestehende Aermel zum Vorschein kommt. Einzelne Figuren tragen Brustharnische, Ellbogenkacheln(b); andere lassen Längsstreifen auf dem Aermel sehen, die uns durch die großen Darstellungen auf Grabmälern, so des 1349 gestorbenen Günther von Schwarzburg und des 1377 gestorbenen Berengar von Berlichingen, als Metallstreifen erklärt werden, die auf den ledernen Lendner befestigt sind(c). Bei anderen, namentlich bei den Königen, findet sich eine vollständige Bekleidung der Arme und Beine mit Eisenplatten vor, die sich an den Schuhen übereinander schieben. So zeigt sie auch der 1371 gestorbene Otto von Pienzenau auf seinem Grabsteine.

Abbildungen a-f