Der stattliche und sorgsam gehaltene Band siebenbürgischer Geschichtsquellen ist für alle Deutschen in mehrfachem Betracht beachtungswerth. Er enthält, wie man sieht, nur öffentliche Rechnungen über Steuern, Gefälle, Zollabgaben u. a., meistens aus dem 15. Saeculum; allein man weiß heute, was solche statistische Belege in sich bergen, und welch wichtige Erhebungen aus ihnen gewonnen werden: ein gut Theil des bürgerlichen, wirthschaftlichen und gewerblichen Lebens spiegelt sich aus diesen, in unseren Städten schon frühzeitig und mit Recht wohlgeordneten Papieren. Nicht gering erscheint die Ausbeute für die Sprache jener Zeit. Ein reiches Personenregister und ein Glossar kommt hiebei erwünscht zu Hilfe.

Eine Beigabe von 7 Tafeln mit den Wasserzeichen der Schriftstücke verdient eigenes Lob. Solche Zusammenstellungen sollte jedes Archiv sich anlegen; ich habe bei meinen früheren Arbeiten auf der Münchener Bibliothek gar manchmal diesen Mangel gefühlt; oft könnte aus dem Wasserzeichen des Papiers die Herkunft einer Handschrift bestimmt werden. Auch künstlerisch sind diese Kennzeichen gar nicht bedeutungslos. Ich finde hier manchen alten Bekannten vertreten.

Die deutsche Wissenschaft wird dieses ernste Unternehmen berufener Männer würdigen und benützen, wie es ihr zusteht.

München.

G. M. Thomas.

18) Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger von Dr. Alwin Schultz. II. Bd. VII und 462 Stn. mit 136 Holzschnitten. Leipzig, S. Hirzel. 1880. 8.

Das vortreffliche Buch, auf dessen ersten Band wir auf Sp. 92 d. Bl. aufmerksam gemacht haben, ist mit dem zweiten Bande abgeschlossen. Im ersten Kapitel schildert dieser die Bewaffnung des Mannes, im zweiten die Kampfspiele, die Turniere, im dritten den Ernstkampf, insbesondere den Zweikampf, im vierten den Krieg zu Land, im 5. die Seefahrt und Seeschlachten, im 6. die Belagerungen und die zu Angriff und Vertheidigung nöthigen Maschinen, um dasselbe mit dem Friedensschlusse zu beendigen. Das 7. Kapitel ist dem Tode und dem Todtendienste gewidmet. Ein Schluß behandelt den Verfall des Ritterthums und der höfischen Kunst und gibt einen Gesammtüberblick über das höfische Leben und die höhere Gesellschaft, die sich hohe und erhabene Ziele gesteckt hatte, in der trotz ihrer Schwächen ein idealer Geist lebendig wirkte, und die deshalb auch Alles freudig und dankbar ergriff, was die Kultur erhöhen und das Leben verschönern konnte, insbesondre die Kunst, von welcher die Gesellschaft sich von der Wiege bis zum Grabe begleiten und beeinflussen ließ.

Wie im ersten Bande, so ist auch hier die Fülle des Materiales erstaunlich und ein klares Bild aller Einzelheiten des Lebens geboten. Die beigegebenen Abbildungen tragen nicht wenig dazu bei, die Bilder, welche der Text entwickelt, anschaulich zu machen.

Welche Fülle von Arbeit in dem Buche enthalten sein muß, zeigt ein Blick auf das am Schlusse beigegebene Verzeichniß der benützten Originalquellenschriften des 12. und 13. Jahrh.: über 400 lateinische und deutsche Chronisten, Annalisten und sonstige Prosaschriftsteller und ungefähr eben so viele mittelhochdeutsche, mittelniederländische, englische und altfranzösische Dichter.

A. E.