Sodann referierte der nämliche über ein neu aufgefundenes Reihen-Gräberfeld zwischen Regensburg und Prüfening, gegenüber von Winzer. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß dasselbe aus merovingischer Zeit stammt, und daß hier die Bewohner des jenseits der Donau liegenden uralten, im Jahre 680 schon urkundlich genannten Ortes Winzer ihre Todten begruben, da das jenseitige, steil ansteigende Terrain für die Anlegung einer Begräbnissstätte keinen Raum bot. Bisher wurden 37 Beerdigungen bloßgelegt; dieselben gruppieren sich in fünf ungefähr parallele Reihen; die Leichen blicken ostwärts, die Tiefe der Gräber wechselt zwischen 5–8 Fuss; bei tieferen Beerdigungen finden sich mehrfach Doppelgräber; letztere scheinen nach der Gesichtsähnlichkeit in der Regel Verwandte zu bergen.

Sämmtliche Leichen lagen in Holzsärgen, wovon sich noch regelmässig Holzmoder erhalten hat; Eisennägel fanden sich an denselben im Gegensatze zu den zahlreichen römischen, die wir hier früher aufdeckten, niemals vor. Ueber Funde und Beigaben ist zu bemerken, dass sich Kohlen häufig, öfter auch Thierreste vorfanden; von Artefakten kommen häufig eiserne Messer, einige Eisenschnallen, Kammüberreste und eine Bronzepincette vor.

Die Schädel tragen durchgehends den Charakter der Dolichokephalie, indem der mittlere Schädelindex etwas unter 73 beträgt; sohin gehören sie der nahezu unvermischten altgermanischen Race der Merovingerzeit an und dürften aus dem 6. oder 7. Jahrhundert stammen und ungefähr Zeitgenossen der berühmten Lombardenkönigin Theodelinde aus dem Agilolfingischen Hause sein.

(Autogr. Sitzungsbericht.)

32) In Gnigl bei Salzburg wurden durch das Salzburger Museum Reste eines Mosaikfußbodens ausgegraben.

33) Rottenburg. Wie früher, so wurden auch in den letztvergangenen Jahren beim Rigolieren von Hopfengärten und Graben von Kellern etc. verschiedene, meistens bronzene römische Münzen aufgefunden. Im vorigen Jahre aber wurde ein guter Fund gemacht: es kam nämlich beim Umgraben eines Grundstücks im Kalkweiler Feld (wo überhaupt schon verschiedene Alterthümer entdeckt wurden und wol noch zu finden sein werden) eine echt goldene römische Münze mit vorzüglichem Gepräge vom Jahre 163 (nach Christi Geburt) zum Vorschein, welche nun für 40 Mark an einen Alterthumsfreund, Freih. Rich. v. König-Warthausen, veräußert wurde. Dieselbe hatte allein einen Goldwerth von 20 M.

(Schwarzw. Bote, Nr. 49.)

34) Heinrichs des Löwen Burg Tanquarderode zu Braunschweig, die ehemals einen Gebäudekomplex mit dem Dome bildete, hat sich, zu großem Theile eingebaut, in der spätern Burgkaserne zu Braunschweig erhalten. Eine große Bogenstellung im Erdgeschosse gab sich als zum Palas gehörig zu erkennen. In letzter Zeit hat man leider begonnen, diese Reste abzutragen, nachdem sie in Besitz der Stadt übergegangen waren. Es ist auch hier das alte Lied, so oft da und dort gesungen. Mangel an Pietät schiebt Verkehrsrücksichten vor, wo es sich doch nur um eine dem modernen Auge willkommene Liniierung der Stadtanlage handelt, und das schief dastehende, alte Gebäude soll fallen, weil äußerlich besondere Architekturformen nicht vorhanden sind, dasselbe also „unschön“ ist. Bei den Abbruchsarbeiten haben sich nun aber jene Bogenfenster mit Säulchen gefunden, wie beim Kaiserhause zu Goslar, der Wartburg, im Palaste Kaisers Friedrich I. zu Gelnhausen u. s. w., so daß auch die Umfassungsmauern sich aus der Zeit Heinrichs des Löwen herrührend zeigen; nach einer uns vorliegenden autographisch vervielfältigten Aufnahme läßt sich die ganze Langseite des alten Palas ohne Mühe und Aufwand wieder herstellen.

Hoffentlich wird dieser Fund Veranlassung geben, daß der merkwürdige Bau, statt demoliert zu werden, einer entsprechenden Restauration unterzogen wird und neben dem Dome in ursprünglicher Gestalt als Zierde der Stadt wieder ersteht.

35) In Basel hat sich nach dem Anzeiger für schweizerische Alterthumskunde (Nr. 1) ein Komité gebildet, welches die Begründung eines Münsterbauvereins bezweckt, dessen Streben darauf gerichtet sein soll, das Aeußere des Münsters, das von den 1854–1856 und 1871 vorgenommenen Restaurationen unberührt geblieben ist und einem zunehmenden Verfalle entgegensieht, in würdiger Weise wiederherzustellen.