61) Trier, 28. Mai. Gegen Ende der vorigen Woche ist, wie die „Tr. Ztg.“ mittheilt, in einem Grundstücke am Olewiger Wege, wo in der Nähe des tiefen Bahneinschnittes wegen einer baulichen Anlage eben eine bedeutende Bodenausschachtung stattfindet, ein eigenthümlicher antiker Fund gemacht worden. In einer Lehmschichte fand man daselbst, und zwar in einer mit schwärzlicher Erde gefüllten Mulde, eine bedeutende Zahl römischer Münzformen aus gebranntem Thon. Man schätzt die Gesammtzahl der Formen auf 800 bis 900 Stück. Leider sind manche der Formen zerstreut worden, in verschiedene Hände gelangt, oder gar nicht sorgsam aufgelesen worden, so daß viele derselben mit dem Schutt weggekarrt worden sind. Die qu. Formen beziehen sich auf verschiedene römische Kaisermünzen und haben vermuthlich zu einer großartigen Falschmünzerei gedient. Die einzelnen Formen (Thonplättchen von der annähernden Größe eines Markstückes und der Dicke eines Zweimarkstückes) waren beim Gebrauch vielleicht in der Zahl von 20, 30, 40 Stück zu einer Rolle aneinandergereiht. Ueber diese Rolle zog sich eine Rinne hin und mit dieser korrespondierte zwischen je zwei Thonplättchen ein Gießloch. Indem nun das flüssige Metall in die Rinne gegossen ward, füllten sich durch den einen Guß die Hohlräume aller aneinandergereihten Formen, so daß sich mit einem Male eine ganze Anzahl von Münzen bildete. Jedes Thonplättchen besitzt auf der einen Seite die Matrize für die Aversseite einer Münze und auf der andern Seite die Reversseite für eine zweite Münze; nur die die beiden Enden der Rolle bildenden Thonförmchen haben blos auf der Innenseite die Vertiefung einer Münze und sind auf der Außenseite platt. Der ganze Fund bedarf selbstredend noch eines gründlichen Studiums, bevor über dessen volle Bedeutung ein Urtheil abgegeben werden kann.

(Nordd. Allg. Zeit., Nr. 212.)

62) Die Hessische Landeszeitung Nr. 131 bringt einen Schmerzensschrei, daß die unweit des Schlosses, wo soeben die allgemein befriedigende Ausstellung von Plänen, Ansichten u. s. w. des „alten Mainz“ stattgefunden, die aufgedeckten Reste der romanischen Kirche des Petersstiftes nicht aufgenommen und, so weit möglich, conserviert werden, was freilich im Ganzen nicht wohl angehen wird. Auffallend wäre es jedoch in der That im höchsten Grade, wenn gerade in Mainz Steinsärge, die Grabsteine des Dechanten Johann von Cassel, des Scholasters Johann Wasmod aus dem 15. Jhdt. nicht sollten geborgen werden können, und wohl möchten wir glauben, daß nur dringende Gründe eine einstweilige Verzögerung veranlaßt haben, die freilich sehr bedauerlich wäre, wenn Beschädigungen inzwischen stattgefunden haben.

63) Die herzogl. Braunschweig’sche Regierung hat sich im letzten Jahrzehnte um die Restauration der, theilweise starkbeschädigten, großen mittelalterlichen Kirchen- und Klosterbauten des Landes großes Verdienst erworben. Der Dom zu Braunschweig, die Kirchen zu Marienberg bei Helmstädt, Königslutter, Riddagshausen u. a. sind neu verjüngt worden. Nunmehr soll auch die Restauration der Kirche zu Supplingenburg in Angriff genommen werden, welcher das Schicksal des Abbruches schon lange gedroht hatte, da sie nicht nur, mitten in einer Domäne stehend, die Oekonomie behindert, in ihrer Größe außer jedem Verhältnisse zur kleinen Gemeinde steht, sondern auch derart baufällig ist, daß in der That die Frage schwerer zu beantworten ist, welche Ursachen ein Bauwerk in einen solchen Grad des Verfalles bringen können, als welche Ursachen dasselbe noch vor vollständigem Zusammensturze hindern. So hatten auch schon früher die Techniker wiederholt die Unmöglichkeit der Erhaltung des Bauwerkes hervorgehoben, bis die jetzige Baudirektion, deren warmem Interesse die Initiative bei fast allen Restaurationen zu danken ist, den Muth fand, auch diese Arbeit in Angriff zu nehmen, zu der in dankenswerther Weise Regierung und Stände die nöthigen, nicht unbeträchtlichen Mittel verwilligt haben. Freilich wird die Restauration großentheils einem Neubau gleichkommen, da offenbar nur das Ausweichen der Fundamente die Veranlassung zu den Hauptschäden geworden sein kann.

64) Metz, 7. Juni. Die Restaurationsarbeiten an der hiesigen Kathedrale sind jetzt so weit fortgeschritten, daß die Renovierung der je 400 qm. messenden Hauptfenster in Angriff genommen werden konnte. Die in spätgothischem Stil ausgeführten Glasgemälde von hohem Kunstwerthe werden gegenwärtig herausgenommen, um in Aachen von künstlerischer Hand renoviert zu werden.

(D. Reichsanz., Nr. 135.)

65) Abermals ist ein hochmerkwürdiges Bauwerk in seinem Bestande bedroht, das Rathhaus zu Alsfeld in Hessen, jener malerisch, technisch und historisch äußerst interessante Fachwerksbau, der, ohne baufällig zu sein, und trotzdem er mit einem Aufwande von etwa fünf tausend Mark wieder vorzüglich in den Stand gesetzt werden könnte, nach einem Beschlusse des Gemeinderathes niedergerissen werden soll. Einstweilen ist durch den Kreisrath Einspruch erhoben und die Angelegenheit dem Provinzialausschusse vorgelegt worden; ein Aufruf an die Bürgerschaft Alsfelds ist veröffentlicht worden, und so ist zu hoffen, daß die Gefahr noch abgewen det wird. Es wäre in der That zu schlimm, wenn fort und fort die Zahl der Opfer, welche heutige Barbarei verlangt, um solche köstliche Perlen vermehrt werden sollte, weil die gerade zufällig regierenden Gemeinderäthe kein Verständniß haben. Hat nicht jeder Fremde mit Interesse das alte Gebäude betrachtet? Haben nicht Maler und Architekten dasselbe so oft gezeichnet? Sollten die Herren in Alsfeld nicht glauben, daß gerade die Künstler zu beurtheilen wissen, was schön ist? Wollen sie mit Gewalt den Vorwurf der Barbarei und des Mangels an Pietät auf sich laden?

66) Ueber die Berner Burgunderteppiche schreibt die „N. Zürch. Ztg.“ vom 19. d. Mts.: Bekanntlich wurde vor mehreren Jahren die Restauration der unter dem Namen „Burgunderteppiche“ bekannten, aus der Beute der Schlachten bei Grandson und Murten herrührenden Zelttapeten Karls des Kühnen beschlossen, da die Trophäen durch die Länge der Zeit sehr gelitten hatten und zu besorgen stand, es möchte durch Zuwarten und den damit verbundenen weiteren Zerfall der kunstvollen Gewebe die Zerstörung der Zeichnungen solche Fortschritte machen, daß sie theilweise unkenntlich würden. Diese Tapeten stammen ihrem Gewebe nach aus Arras, an der Grenze der industriellen Flandern, wo sie schon zur Zeit Philipps des Guten von Burgund, Karls Vater, angefertigt worden sein mögen. Sie sind en haute lisse, in Wolle, mit Gold und Silber durchwirkt, stückweise gewoben und zusammengesetzt und zierten einst höchst wahrscheinlich das Innere des hölzernen Prunkzeltes des Herzogs bei Murten. Ihre Darstellungen sind religiösen, historischen und heraldischen Inhalts. Den im Laufe der letzten Jahre reparierten drei Tapeten hat sich nun eine vierte angeschlossen, die, vollständig restauriert, vor mehreren Tagen das Atelier der Frau M. Carey-Bay verließ und von einer Kommission übernommen wurde, die die Arbeit zu beaugenscheinigen und zu beurtheilen hat. Dieser letztere Teppich stellt die Anbetung der drei Könige vor dem Jesuskinde dar, mit dem Spruche des Engels: „Non redietis ad Heroden“ (Kehrt nicht zu Herodes zurück). Obwohl die Tapete eine der kleineren ist, — sie mißt 13’ in der Länge und 12’ in der Breite — und auch die Havarien relativ nicht so schwer waren, als die an anderen Tapeten, erforderte die Restauration dennoch anderthalb Jahre Zeit.

(D. Reichsanz., Nr. 118.)

67) Vor Kurzem wurde in der Nähe von Görlitz bei Königshayn ein anscheinend nicht bedeutender, wol nur theilweise in meine Hände gelangter Münzfund gemacht, der zur Hälfte aus Wendenpfennigen, wie sie im nordöstlichen Deutschland, der Lausitz etc. häufig vorkommen, in etwa 14 Stempelverschiedenheiten bestand. Die andere Hälfte enthielt eine geringe Anzahl recht gut erhaltener Denare Herzogs Brzetislaw I. von Böhmen (1037–1055) und zwar die im Katalog Kilian unter Nr. 105, 107, 108, 111, 120 und 199 verzeichneten Arten; ferner einige Denare der Könige Stephan I. und Andreas I. von Ungarn und einen Denar des Erzbischofs Pilgrim von Köln. Mit Rücksicht auf die Mün zen Andreas I. (1046–1060) dürfte die Vergrabung der Münzen in der letzten Hälfte des 11. Jahrhunderts stattgefunden haben.