87) Aus Pichelswerder wird der „P.“ von einer seltenen Entdeckung Mittheilung gemacht, von der auch bereits der Direktor des märkischen Museums in Kenntniß gesetzt ist. Der auf Pichelswerder bei dem Eigenthümer Ratthei wohnende Kaufmann Herr Beißer hatte bei häufigen Excursionen auf der Insel in einer abgelegenen Thalsenkung einen dicht mit Moos bewachsenen Stein aufgefunden. Die Oertlichkeit, wo der Stein lag — derselbe befindet sich inmitten eines genau abgegrenzten Zirkels, dessen Radius eine Anzahl alter verwitterter Kiefern bildet — bewog ihn, die Oberfläche des anscheinend nicht großen Steines bloßzulegen, wobei er denn bemerkte, daß der Stein von bedeutenden Dimensionen ist. Er setzte von seiner Entdeckung Herrn Ratthei in Kenntniß, und beide begannen, mit Spaten und Hebebäumen bewaffnet, den Stein von den anhaftenden Moos- und Erdetheilen zu befreien. Der nunmehr ziemlich bloßgelegte Stein ist würfelförmig mit abgestumpften Kanten und besteht aus grauem Sandstein. Die Seiten- und Unterflächen des ca. 15 Zentner schweren Steines waren ehemals glatt behauen, während die Oberfläche, durch die Einflüsse der Zeit etwas abgerundet, eine Anzahl runder, etwa vier Centimeter im Durchmesser und ca. 20 Centimeter tiefer Löcher enthält. Allem Anscheine nach hat man mit dieser seltenen Entdeckung einen der alten Wendenaltäre resp. Opfersteine aufgefunden; denn die auf der Oberfläche befindlichen Löcher deuten darauf hin, daß sie zur Aufnahme der Pflöcke, an denen das Opferthier befestigt wurde, gedient haben.

(Nordd. Allg. Zeitg., Nr. 314.)

88) Die Renovierung der gothischen St. Jakobskirche in Brünn wird, wie der „Mährische Correspondent“ mittheilt, demnächst vollendet sein. Die Gerüste sind bereits entfernt und der größte Theil der Renovierungs-Arbeiten hergestellt. Das Innere der Kirche gewährt einen überraschenden Anblick. Die Stadt Brünn kann mit Stolz auf die St. Jakobskirche blicken, die Herr Oberbaurath Ritter v. Ferstel selbst als die einzige in ihrer Art und als eine der schönsten, genial gebauten Kirchen Oesterreichs bezeichnete. Das Schwedenfest (15. August) wird bereits in der St. Jakobskirche gefeiert werden.

(Oesterr. Kunst-Chronik, Nr. 7.)

89) Domkirche zu Graz. Die Reconstruction derselben, welche eben jetzt in Plänen ausgearbeitet wird, soll sich auf die Umgestaltung sämmtlicher Façaden im gothischen Stile, die Hinzufügung zweier Kapellen an die Seitenschiffe, die Demolierung der alten Sacristei und den Neubau derselben erstrecken. An Stelle des jetzt bestehenden kleinen Thurmes wird ein neuer Dachreiter auf Traversen hergestellt werden.

(Dies., Nr. 7.)

90) Die Renovierung der Wandmalereien im Innern der St. Trinitaskirche zu Prag wurde dem Maler Herrn Karl Nacovsky zur Ausführung überlassen. Der untere Theil der Façade an der St. Maria Schnee-Kirche wird im gothischen Stile restauriert.

(Dies., Nr. 7.)

91) Nachdem das Thurmdach des St. Heinrichs-Thurmes zu Prag nun vollständig in stilvoller Gothik hergestellt ist, der Thurmbau selbst in seinen oberen Partien renoviert wurde, und die plumpen alten Holzfenster durch Jalousien ersetzt worden sind, wird nun auch das Thurmportal stilgerecht überbaut.

(Dies., Nr. 8.)