Wiederum ein Beleg für die traurigen Verhältnisse, die in dieser Beziehung in Deutschland herrschen, wenn man sich der Aufwendungen erinnert, die Frankreich alljährlich für seine historischen Baudenkmale macht. Es ist vorgeschlagen worden, daß im Kreise Neuß ein Verein ad hoc gegründet werden solle, der zunächst die obenbezeichneten Unterhaltungskosten aufzubringen sich zur Aufgabe stellt.

(Deutsche Bauzeitung, Nr. 66.)

105) Antwerpen, 25. Aug. Unserer Stadt droht ein großes Unglück: der Thurm unserer berühmten Kathedrale erweist sich so baufällig, dass man seinen Einsturz befürchtet, wenigstens seiner Spitze von der letzten Galerie an. Zum Bau derselben soll nämlich, wie es heißt, ein Stein verwendet worden sein, der den Einflüssen der Witterung nicht genügend Widerstand zu leisten vermag. Die Spitze ist dem Ruine nahe.

(Augsb. Postztg., Nr. 201.)

106) Frankenberg, 13. August. 1879. Aus dem westlichen Amtsbezirk. Zu den mineralogischen Funden beim Bau der Chemnitzthalstraße (Granaten, deren und oft ziemlich große noch alltäglich aufgelesen werden) ist in voriger Woche ein archäologischer hinzugekommen. Unweit der Bräunig’schen Fabrik in Reitzenthal förderten Bodenarbeiter ein irdenes Gefäß zu Tage, in welchem sich etwa 40 Silber-Bracteaten von der Größe eines Guldens befanden. Deutlich zeigten diese überaus dünnen Münzen auf der einen Seite die Figur eines Adlers. Der scharfen Prägung wegen darf man vermuthen, daß die letztere in eine an Edelmetallen noch arme Zeit fällt, wo man es damit noch genau nahm, also wohl früher als die Entdeckung der Freiberger Silberminen. Leider konnte nur die größere Hälfte des Fundes an die Behörden abgeliefert werden, da die Arbeiter, in der Meinung, es sei etwas „Verbanntes,“ mit dem Gefäße übel umgegangen waren.

(Frankenberger Tagebl., Nr. 189.)

107) In Nr. VIII der numismatischen Blätter von J. Nentwich gibt A. Bußon ausführliche Mittheilungen über einen Münzfund, der im Mai d. J. im Spitalwalde bei Bruneck im Pusterthale gemacht und für das Ferdinandeum in Innsbruck erworben wurde. Er enthält 654 Tiroler Silbermünzen, Meinhardtszwainziger und Vierer des 13. und 14. Jhdts., 4 fremde Goldmünzen und einige italienische Silbermünzen. Die Zahl der Fundstücke scheint ursprünglich noch größer gewesen und ein Theil wol sofort in verschiedene Hände gekommen zu sein.

108) Ein bisher unbekannter deutscher Goldschmied ersten Ranges ist durch die diesjährige Ausstellung in Münster bekannt geworden. Gegenwärtig sind die Arbeiten desselben im Berliner Kunstgewerbemuseum ausgestellt. Der Meister zeichnet sich Anthon Eisenhoidt aus Warburg (Westfalen) und stand 1589–1600 im Dienste des Fürstbischofs von Paderborn, Theodor von Fürstenberg. Seit dieser Zeit sind die Werke im fideicommissarischen Besitze der Grafen Fürstenberg-Herdringen geblieben. Es sind dies sechs Stück: zwei Bucheinbände in Folio, ein Weihbrunnkessel mit Aspergill, ein Crucifix mit Kelch und ein Rauchfaß, letzteres in gothischem Stile (in der Art des Schongauer’schen Rauchfasses), die anderen Gegenstände in Spätrenaissance mit figuralem und ornamentalem Schmuck reich verziert und von vollendeter Treib- und Ciseliertechnik.

Eisenhoidt war auch Kupferstecher und Stempelschneider. — Die Ornamentstichsammlung des k. k. Oesterr. Museums besitzt ein Blatt dieses Meisters: das Brustbild des Caspar Schuhsper in reicher Umrahmung mit allegorischen Figuren, bezeichnet: Antonio Eisenhoit fecit 1585.

Mit W. Jamnitzer lässt sich Eisenhoidt nicht vergleichen. Jamnitzer ist der größere Künstler; seine Kunst ist stilreiner und vollendeter als die Eisenhoidts. Bei einigen Stücken mischen sich merkwürdiger Weise gothische Motive mit Elementen der Spätrenaissance. Sieht man aber von dieser Eigenthümlichkeit der Stilrichtung ab, und beurtheilt man Eisenhoidt als Kunsttechniker, so kann es gar keine Frage sein, daß Eisenhoidt als Goldschmied das figurale wie das ornamentale Relief, die Treib- und Ciseliertechnik in ganz wunderbarer Weise vereinigt. Er ist ein Virtuose in seiner Kunst. Direktor Julius Lessing bereitet eine mit einem eingehenden Texte versehene Ausgabe der entdeckten Werke Eisenhoidts vor, auf welche wir unsere Leser seiner Zeit besonders aufmerksam machen werden.