Figur 30.
Apiosoma bigeminum nach Smith.
a-d) intraglobuläre Stadien. Die Punktirung zeigt die relative Färbbarkeit von
erhitzten Präparaten mit alkoholischem Methylenblau an.
a) jüngstes Stadium, anscheinend in Zweitheilung begriffen. Aus dem kreisenden Blute.
b) spindelförmige Körper aus Herzmuskelblut eines akut verlaufenden Falles. An den
peripheren Enden ist die Färbung schwach. c) birnförmige Körper derselben Herkunft,
total gefärbt. d) birnförmige Körper aus dem kreisenden Blute mit peripherer Färbung.
e-k) verschiedene Stadien aus frischem Blute ungefärbt.
e) jüngstes Stadium des intraglobulären Parasiten, am Rande des Blutkörperchens als
eine einzige Vakuole sichtbar. Aus dem kreisenden Blute eines leicht erkrankten
Thieres, mit a vergleichbar. f) ein amöboider Körper im kreisenden Blute, 3 Stunden
nach der Blutentnahme. Wahrscheinlich doppelt, da 2 winzige Körperchen vorhanden
sind. g) derselbe Körper, eine Stunde später. Ein Körperchen ist nicht sichtbar, das
andere durch einen stäbchenförmigen Körper ersetzt (?). h und i) zwei rasch aufeinander
folgende Stadien (innerhalb einer Minute) eines Parasiten von einem anderen Falle,
3 Stunden nach der Blutentnahme. In diesem Parasiten ist ein winziges Körperchen
und ein Stäbchen vorhanden. k) ein paar birnförmige Parasiten aus dem
kreisenden Blute eines genesenden Rindes, mit winzigen Körperchen und
vakuolenartigen ovalen Stellen.
Die Ansteckung erfolgt auf der Weide durch bestimmte Zecken (Boophilus bovis von Cooper Curtice, Ixodes bovis von Ridey genannt), welche auf den Rindern des Seuchengebietes leben und die Ursache der Krankheit im Seuchenbezirk, wie auch nach anderen Gegenden hin verschleppen. Die nächste Ursache der Krankheit bilden jedoch die genannten Blutparasiten. Dieselben sind blasse, amöboide Plasmakörper, zum Theil mit unregelmässigen Umrissen, zum Theil birnförmig. Die Länge beträgt 2,5–4 µ, die Breite 1,5–2 µ. In dem breiten Ende des Parasiten findet sich öfter ein dunkles winziges Körperchen, welches in seltenen Fällen durch ein grösseres vakuolenartiges Gebilde ersetzt wird. Beide Gebilde kommen auch zusammen in demselben birnförmigen Körper vor. Manchmal ist auch eine doppelte Infektion desselben Blutkörperchens nachzuweisen; dasselbe beherbergt dann zwei Paar birnförmige Körper.
Im Beginne der Erkrankung finden sich in den Blutkörperchen der infizirten Rinder äusserst kleine, glänzende Körperchen, welche als die Keime der Parasiten angesehen werden. Sehr bald erfolgt dann eine Zweitheilung; jeder Theil wächst nun zunächst in einen spindelförmigen Körper aus, der zuletzt in Birnform übergeht und sich nur noch schwach an der Peripherie färbt. Die birnförmigen Gebilde sind mit den spitzen Enden häufig einander zugekehrt oder durch einen feinen Faden verbunden und finden sich sehr zahlreich bei den besonders im Sommer vorkommenden akuten Erkrankungen. Besonders zahlreich findet man die Parasiten im Blute der Leber, der Milz, der Nieren und des Herzens, wo bis 80% der Blutzellen infizirt sind. Unter der Einwirkung der Parasiten sinkt die Zahl der rothen Blutzellen in kurzer Zeit ganz erheblich.
Wird das Blut kranker Thiere gesunden unter die Haut oder in die Venen injizirt, so treten bei den Versuchsthieren schon nach wenigen Tagen die ersten Krankheitserscheinungen auf. Kaninchen, Meerschweinchen, Tauben und Schafe zeigen nach der Impfung keine Krankheitserscheinungen. Dagegen ist die Empfänglichkeit des Rindes eine grosse. Meerschweinchen bleiben gesund, wenn sie im Verhältniss zum Körpergewicht die 25–300fache Dosis desselben Blutes eingespritzt erhielten, welches 3 von 4 geimpften Kühen tödtete. Auch ist die Thatsache bemerkenswerth, dass das Blut scheinbar ganz gesunder Rinder aus dem Seuchengebiete auf Thiere in immunen Gebieten übertragen, infizirend wirkt.