verziert. Diese Geschöpfe waren so schön, ihre Züge so lieblich und der Glanz ihrer Seele leuchtete so lebhaft durch ihre zarten Formen, daß sie alle eine Art Liebe ohne Bevorzugung und ohne Begierde einflößten, die den ganzen Taumel der grenzenlosen Jugendleidenschaften zusammenfaßte.

Ich kann das Gefühl nicht wiedergeben, das ich inmitten dieser entzückenden Wesen empfand, die mir teuer waren, ohne daß ich sie kannte. Es war wie eine primitive und himmlische Familie, deren lächelnde Augen die meinen mit sanfter Teilnahme suchten; ich fing an heiße Tränen zu weinen, wie in Erinnerung an ein verlorenes Paradies. Da fühlte ich bitter, daß ich nur Reisender in dieser zugleich fremden und geliebten Welt war, und ich zitterte bei dem Gedanken, daß ich ins Leben zurückkehren müsse. Umsonst drängten sich die Frauen und Kinder um mich wie um mich zurückzuhalten. Schon verschmolzen ihre hinreißenden Formen in wirren Nebeln; diese schönen Gesichter erbleichten, diese bestimmten Züge, diese schimmernden Augen verloren sich in einem Schatten, wo noch der letzte Strahl des Lächelns leuchtete . . . . . .

So war diese Vision oder so waren wenigstens die Haupteinzelheiten, die ich in Erinnerung behalten habe. Der kataleptische Zustand, in dem ich mich mehrere Tage lang befunden hatte, wurde mir wissenschaftlich erklärt und die Berichte derer, die mich so gesehen hatten, versetzten mich in eine Art Gereiztheit als ich sah, daß man der Geistesverirrung die Bewegungen und Worte zuschrieb, die für mich mit den verschiedenen Phasen einer logischen Kette von Ereignissen zusammenfielen.

Ich liebte mehr die meiner Freunde, die aus geduldiger Gefälligkeit oder in Folge ähnlicher Gedanken mich zu langen Erzählungen der Dinge veranlaßten, die ich im Geist gesehen hatte. Einer von ihnen sagte weinend zu mir: »Nicht wahr, es gibt einen Gott?« — »Ja«, sagte ich voll Begeisterung zu ihm. Und wir umarmten uns wie zwei Brüder dieses mystischen Vaterlandes, das ich geschaut hatte. — Welches Glück fand ich zuerst in dieser Überzeugung! So war der ewige Zweifel an der Unsterblichkeit der Seele, der die besten Geister angreift, für mich entschieden. Kein Tod mehr, keine Traurigkeit, keine Unruhe! Die, welche ich liebte, Eltern, Freunde gaben mir sichere Zeichen ihres ewigen Lebens, und ich war von ihnen nur noch durch die Stunden des Tages getrennt. Die der Nacht erwartete ich in einer sanften Schwermut.

VI.

EIN Traum, den ich außerdem hatte, bestärkte mich in diesem Gedanken. Ich befand mich plötzlich in einem Saal, der zu der Wohnung meines Ahnen gehörte. Der Raum schien sich nur vergrößert zu haben. Die alten Möbel strahlten in wunderbarem Glanz, die Teppiche und die Vorhänge waren wie neu hergestellt, ein Tageslicht, dreimal leuchtender als der natürliche Tag, drang durch Fenster und Tür und in der Luft lag eine Frische und ein Duft wie an einem ersten lauen Frühlingsmorgen. Drei

Frauen arbeiteten in diesem Zimmer und stellten ohne ihnen genau zu gleichen Verwandte und Freundinnen meiner Jugend vor. Es schien mir, als wenn jede von ihnen die Züge von mehreren dieser Personen in sich vereinte. Die Umrisse ihrer Gestalten wechselten wie die Flamme einer Lampe und jeden Augenblick ging etwas von der einen in die andere über; das Lächeln, die Stimme, die Farbe der Augen, des Haars, die Gestalt, die vertrauten Bewegungen vertauschten sich wie wenn sie dasselbe Leben gelebt hätten, und jede war so eine Zusammensetzung von allen, gleich jenen Typen, die die Maler nach mehreren Modellen bilden, um eine vollendete Schönheit darzustellen.

Die älteste sprach zu mir mit zitternder, melodischer Stimme, die mir aus meiner Jugend bekannt vorkam, und ich weiß nicht, was sie zu mir sagte, was mich durch seine tiefe Richtigkeit verblüffte. Aber sie lenkte meine Gedanken auf mich selbst, und ich sah mich in einen kleinen, braunen Anzug von altertümlichem Schnitt gekleidet, der ganz mit der Nadel gewirkt war und dessen Fäden so fein waren wie Spinneweben. Er war gefällig, zierlich und mit süßen Düften getränkt. Ich fühlte mich ganz verjüngt und ganz geputzt in diesem Kleidungsstück, das aus ihren Feenhänden hervorging und ich dankte ihnen errötend, wie wenn ich noch ein kleines Kind gewesen wäre, das vor großen, schönen Damen steht. Da stand eine von ihnen auf und wand sich nach dem Garten.

Jeder weiß, daß man in Träumen nie die Sonne sieht, obwohl man oft die Überzeugung einer viel intensiveren Helligkeit