Der arme Junge, den sein geistiges Leben auf so sonderbare Art verlassen hatte, empfing eine Pflege, die nach und nach seine Empfindungslosigkeit besiegte. Als ich erfuhr, daß er auf dem Land geboren sei, verbrachte ich ganze Stunden damit, ihm alte Dorflieder vorzusingen, denen ich den rührendsten Ausdruck zu geben versuchte. Ich hatte das Glück zu sehen, daß er sie hörte und daß er einzelne Teile dieser Lieder wiederholte. Eines Tages endlich öffnete er eine einzige Sekunde die Augen und ich sah, daß sie blau waren wie die des Geistes, der mir im Traum erschienen war. Eines Morgens — einige Tage danach — hielt er seine Augen offen und schloß sie nicht mehr. Er fing gleich zu sprechen an, aber nur mit Zwischenpausen, erkannte mich, duzte mich und nannte mich Bruder. Indessen wollte er sich noch immer nicht entschließen zu essen. Als er eines Tages aus dem Garten hereinkam, sagte er zu mir: »Ich habe Durst!«
Ich holte ihm zu trinken; das Glas berührte seine Lippen, ohne daß er schlucken konnte.
»Warum«, fragte ich ihn, »willst du nicht essen und trinken wie die andern?«
»Weil ich tot bin,« sagte er, »ich bin auf jenem Friedhof begraben, an jenem Platz . . . . .«
»Und wo glaubst du jetzt zu sein?«
»Im Fegefeuer, ich erfülle meine Reinigung.«
Das sind die wunderlichen Ideen, die aus dieser Art Krankheiten entspringen; ich erkannte in mir selbst, daß ich nicht weit von einer so absonderlichen Überzeugung entfernt gewesen war. Die Pflege, die ich empfangen, hatte mich schon der Liebe meiner Familie und meiner Freunde zurückgegeben, und ich konnte gesünder über die Welt der Einbildungen urteilen, in der ich einige Zeit gelebt hatte. Jedenfalls fühle ich mich glücklich durch die Überzeugungen, die ich erlangt habe und ich vergleiche diese Reihe von Prüfungen, die ich durchgemacht habe, dem, was für die Alten der Gedanke eines Hinuntersteigens zur Hölle vorstellte.[*]
[* Dieses sind die letzten Worte, die Gérard de Nerval geschrieben hat. ]