Meist sind die Lehm- oder Thonmauern nach außen zu fast steil oder doch nur sehr wenig geböscht abfallend, circa 20 bis 30 Fuß hoch und fast immer mit einem tiefen, jedoch nicht sehr breiten Graben nach außen umgeben. Kuka z.B. hat eine Mauer aus hartem Thon, die circa 25 Fuß hoch ist und nach außen zu fast senkrecht in einen 12 Fuß tiefen Graben abfällt. Nach innen jedoch verbreitert sie sich dachartig durch Stufen nach unten, derart, daß oben die äußerste Kante, welche zugleich als Brustwehr dient, circa 4 Fuß hoch und nur circa 2 Fuß breit ist, während die Basis der ganzen Umfassungsmauer ebenso breit wie hoch ist. Die Thore durch solche Erdmauern oder Erdwälle sind manchmal überdacht, manchmal offen; immer aber ist unten die Thür enger als oben und vor Erdnachsturz durch Gebälkauskleidung geschützt. In den Städten großer Reiche sind die Gräben ordentlich überbrückt mittelst soliden Balkenwerks, so daß die schwersten Lastthiere hinüber passiren können. Nicht so ist es bei den kleineren Städten auf der Grenze des Islam und des Heidenthums.

Südlich von Keffi-abd-es-Senga begegnete es mir mehrere Male, daß ich vom Besuche einer solchen schwer zugänglichen Stadt abstehen mußte. Ueber den allerdings nicht sehr breiten, aber tiefen Graben führte zum Thore der Stadt nur Ein einziger schwankender Palmstamm. Meine noch dazu mit großen Elfenbeinzähnen beladenen Begleiter gingen sicher und festen Schrittes hinüber; vom Schwindel ergriffen, wollte ich indeß solch ein Seiltänzerkunststück nicht wagen und blieb zurück. Ja, selbst als eines Tages schon alle Diener hinüber waren, und nach einem anstrengenden Marsch ein lukullisches Negermahl winkte, konnte ich es doch nicht über mich bringen, über einen so schwankenden Stamm dahin zu schreiten. Ich versuchte hinüber zu klettern, fand aber bald, daß die Neger mich auslachten, und ich verzichtete auf diese Art, ihre Stadt zu besuchen, da ich zu sehr in ihrer Achtung sinken würde. Auch widerstand ich dem Anerbieten, die Schultern eines der Neger zu besteigen; es blieb nichts Anderes übrig, als auf den Besuch der Stadt zu verzichten.

Einzelne Städte haben außer dem Walle und dem äußeren Graben noch einen inneren und fügen Verhaue und Dornhecken hinzu, um dem Feinde das Annähern zu erschweren. So berichtet Barth II. S. 211 von den Manga, daß sie außer der Erdmauer und dem Graben noch ein Dornverhack hatten, das sich 10 Fuß dick außerhalb herumzog; in Band II. S. 184 von Birmenaua, daß dies ein kleiner, aber stark befestigter Ort sei mit zwei Gräben, einem innerhalb, einem außerhalb der Mauer.

Am unvollkommensten finden wir die Hütten da, wo der mohammedanische Glaube Eingang gefunden hat. So im ganzen Norden von Centralafrika. Eine Hütte in Kuka von runder, nach oben spitz zulaufender Form hat circa 12 bis 15 Fuß an der Basis im Durchmesser. Das aus Holz oder Rohr ausgeführte Gerüst ist mit Stroh überdeckt; eine Thür, oft gewölbt, oft eckig, bildet den Eingang. Aber selbst hier, wo in der Stadt der Fürst und alle Großen, wie die reichen Kaufleute Thonwohnungen haben, bildet die Hütte die Nationalbehausung. Das Innere ist äußerst reinlich gehalten und enthält manchmal eine mannshohe Scheidewand aus Matten, um verschiedene Familienglieder von andern abzusondern. Wenigstens zwei, oft drei bis vier solcher Hütten bilden ein Haus, ein Gehöft. Umschlossen sind sie von einer thönernen Mauer, oderauch von übermannshohen Matten, welche durch in die Erde gerammte Stämme aufrecht gehalten werden.

Am schönsten finden wir die Hütten da, wo sie vollkommen aus eigenem Bautriebe der Neger hervorgegangen sind, bei den Negern, die noch dem Heidenthum anhangen.

So berichtet Barth von den Marghi-Hütten (II. S. 463): "Die Hütten haben vor ihrer Thür Rohrschwellen, die manchmal umklappbar sind, und inwendig sind die Fußböden schon gepflastert;" oder II. S. 525 von Adamaua: "In Ssarau besteht eine Wohnung aus mehreren Hütten mit Lehmwänden und vortrefflich geflochtenem Rohrdach; diese Hütten sind durch Lehmwände mit einander verbunden, so daß das Ganze ein abgerundetes Dreieck bildet. Die eine Hütte bildet den Eingang, die anderen beiden sind für die Frauen. Die Eingangshütte hat eine 3-1/2 Fuß hohe und 16 Zoll breite eiförmige Thür; es befindet sich hier ein Ruhebett, 7 Fuß lang und 5 Fuß breit und 3 Fuß über der Flur, außerdem eine Feuerstelle. Die hellbraunen Wände der Hütte sind mit allerdings nicht kunstvollen Gegenständen von weißer Farbe bemalt. Die beiden andere Hütten sind ähnlich, enthalten zwei Rohrbetten, wovon eins für die Frau durch eine Scheidewand von dem übrigen Raume der Hütte getrennt ist. Diese 5 Fuß hohe und 4 Zoll dicke Scheidewand ist ebenfalls braun und mit weißen Streifen geziert; oben ist sie durch abwechselnd schalenartige und pyramidale Aufsätze gekrönt, welche ebenfalls verschiedene Farbe haben. Die Thüren sind auch hier eiförmig und noch kleiner, nur 2 Fuß hoch und 10 Zoll breit. Diese heimlichen Wohnungen übertreffen durch Harmonie der Farbentöne ihre Schwestern" u.s.w.

Am vollkommsten fand Barth den Hüttenbau wohl im Lande der Musgu. So berichtet er II. S. 158: "Jeder Hof hat drei bis sechs Hütten, sie sind aus Thon, und die Umschließungsmauer bei den Wohlhabenden aus demselben Material die der Aermeren aus Rohr und Holz. Die Dächer sind mit Sorgfalt gedeckt und weit besser als Strohdächer. Die Musguhütten zeigen in der Form ihrer Giebelung selbst Spuren verschiedener Style, die vielleicht auf eine gewisse Stufenfolge im Leben zurückzuführen sind."

Ueberall findet man in diesen Gehöften, die nicht nur die Städte und Dörfer zusammensetzen, sondern da, wo die Sicherheit der Gegend es zuläßt, auch über die Landschaften vereinzelt anzutreffen sind, die dem Neger so unentbehrlichen Nebenbaulichkeiten. Wir erwähnen hier zuerst des Schattendaches, welches man in jeder Wohnung antrifft.

Diese Schattendächer ruhen auf 4 oder 6 Pfählen, welche nur oben mit einem dicken Strohdache oder Mattenwerk bedeckt sind. Unter ihnen ist gewöhnlich ein Rohrbett und Platz genug, daß auch die Hausfrau ihre Arbeiten im Schatten verrichten kann. Dann findet man in jedem Hofraum große Thonbehälter, oft auf Steinen ruhend, zum Aufbewahren von Korn; manchmal sind sie sehr künstlich eingerichtet. Barth sagt III. S. 158 bei der Beschreibung eines Musgu-Hofes: "Jeder Hofraum hat einen 12 bis 15 Fuß hohen Kornbehälter aus Thon und ein Schattendach. Die Kornbehälter haben ein gewölbtes, ebenfalls aus Thon bestehendes Dach mit einer aufspringenden Mündung, welche wieder von einem kleinen Strohdache geschützt wird." An einer andern Stelle sagt Barth: "Die Kornbehälter auf 2 Fuß Unterlagen haben eine Höhe von 15 Fuß und verjüngen sich nach oben. Sie haben nur eine Oeffnung am oberen Theile und sind ähnlich den ägyptischen Taubenhäusern." Außerdem findet man häufig Veranden vor den Hütten und überdachte Kochstellen.

Die vollendetsten Hütten trifft man, wie schon gesagt, da, wo das Heidenthum herrscht. Eine Hütte hat in der Regel 15 Fuß Durchmesser, und die Thonwände, oft dick, oft nur 1/2 Fuß dünn, sind in der Regel 4 bis 5 Fuß über der Erde. Das Dach ruht ganz frei auf dem runden Thonbau; in den meisten Gegenden wird es zu ebener Erde fertig gebaut und vollendet erst auf die Thonmauer gleichsam wie ein Deckel gelegt. Der Boden ist überall festgestampft und bildet manchmal einen aus kleinen Steinchen zusammengegossenen Mosaik.