Der Kaffee wird in Afrika überall ohne Milch genommen, und die Art ihn durchzuseihen, ihn zu filtriren oder blos durch einen Aufguß heißen Wassers herzustellen, ist ungebräuchlich. "Kaffee machen" ist bei allen afrikanischen Völkern nur eine "decoctio"[18]. Und zwar wird nur nach augenblicklichem Bedarfe Kaffee für eine Person, höchstens für drei bis vier Personen, in kleinen Gefäßen gekocht. Der auf's Feinste zu Mehl gestoßene Kaffee wird in ein kleines eisernes, mit kochend heißem Wasser gefülltes Gefäß gethan, dann läßt man diese Mischung einige Male über Kohlen aufkochen und das Getränk ist fertig. Diese Kochgefäße sind so klein, daß wenn z.B. für eine Person Kaffee bereitet wird, dasselbe auch kein größeres Quantum Wasser aufnehmen kann, als jene bekannten sogenannten türkischen Tassen fassen.

In ganz Afrika, von Aegypten bis Marokko, von Tripolis bis nach Kuka, wird auf diese Art der Kaffee bereitet. Aber wie Kaffee in allen diesen Ländern nur als eine Leckerei betrachtet wird, so findet man Kaffeehäuser nur in größeren Orten; bei nomadisirenden Stämmen erlaubt sich höchstens noch der Schech oder Kaid einer Tribe den Luxus einer täglichen Tasse Kaffee; überhaupt kann man sagen, ist Kaffeeverbreitung nur nördlich vom Atlas. In den Oasen Tafilet, Draa und Tuat sind die wenigen Kaffeehäuser zu zählen und die Besitzer müssen meistenteils noch irgend einen anderen Erwerbszweig nebenbei betreiben, um leben zu können. In Fesan besteht nur Ein Kaffeehaus in der Hauptstadt Mursuck, und der Eigentümer ist ein nach diesem Orte verbannter Türke, sonst würde vielleicht gar keins vorhanden sein. In Kuka, in Bautschi, in Kano, in Timbuktu sind Kaffeehäuser unbekannt. Man kann also im Allgemeinen sagen, südlich vom 30° nördlicher Breite hört in Afrika der Gebrauch des Kaffee's auf; denn wenn auch behauptet wird[19]: "der Sohn der Wüste trinkt seinen Kaffee ungemischt und den schwarzen, aber wahrhaften Satz sammt dem Aufguß; zuweilen bringt er es auf 80 Schälchen am Tage," so ist Ersteres richtig, alle Mohammedaner trinken den Kaffee mit dem Satze; aber wo wäre der Beduine, und wäre er selbst Chef einer Tribe, der die Mittel hätte, 80 Tassen Kaffee zu bezahlen? Kaffee ist nur Luxusgetränk in ganz Afrika, d.h. in dem Sinne, als Kaffee im Allgemeinen zu theuer ist, um als Volksnahrungs- oder Reizmittel gelten zu können. Schon der erste Anlaß, wie der Kaffee unter den Arabern in Yemen Aufnahme gefunden, spricht dafür, wenn auch das Ganze eine Fabel ist, daß in demselben Etwas enthalten sein muß, was eine unwiderstehliche Anziehungskraft ausübt. Man erzählt nämlich, ein armer Derwisch habe bemerkt, daß seine Schafe und Ziegen jedesmal nach dem Abweiden einer gewissen Staude äußerst heiter und lustig gewesen seien, und als er sodann selbst von dieser Staude Blätter genossen, habe er dieselbe Wirkung verspürt.

Die Sitte, Gischr, d.h. einen Absud von Kaffeehülsen zu trinken, wie Hr. v. Maltzan dies in Südarabien beobachtete, kennt man in Afrika nicht. Es hat dies übrigens gar nichts zu Verwunderndes. Denn nach Untersuchungen von Stenhouse enthalten die Blätter des Kaffeebaumes mehr Koffein als die Bohnen[20], also werden die Hülsen der Bohnen auch wohl das belebende Princip enthalten. Ebenso fand ich nicht den Gebrauch des Milchzugießens, den Maltzan auch an einigen Orten Südarabiens beobachtete. Abeken auf seiner Reise nach Oberägypten und Nubien fand dort Leute, die eine Abkochung aus rohen, ungebrannten Bohnen bereiteten. Abeken fand diese Kaffeebereitung so angenehm und schmackhaft, daß er in seinen letzten Lebensjahren immer nur eine Decoction aus ungebrannten Bohnen trank. Mir ist dieser Gebrauch nirgends vorgekommen.

Noch weniger hat sich der Thee einbürgern können; aber während der Kaffeegebrauch im Osten von Nordafrika vorwiegend ist—denn Aegypten allein consumirt mehr Kaffee, als Tripolitanien, Tunesien, Algerien, Marokko und die Sudanländer zusammen—ist hingegen der Verbrauch von Thee im Westen von Nordafrika größer. Marokko bezieht mehr Thee als alle übrigen Länder Nordafrikas zusammen. Während nach Marokko jährlich wenigstens 5000 Kisten Thee importirt werden, bedarf Aegypten, welches doch eine ungefähr gleiche Bevölkerung hat, so wenig, daß unter den amtlich genannten Einfuhrartikeln vom Jahre 1868 Thee nicht genannt wird. Bibra[21] in seinem unten citirten Werke hat also vollkommen Recht, wenn er S. 66 sagt: "Von zweien solcher Aufgußgetränke mit allen ihren physiologischen Wirkungen auf den Organismus ist eins aber sicher überflüssig," und hier hat der Instinct der Menge entschieden. Beide herrschen nirgends neben einander, sondern eines derselben wird stets als Luxusgetränk consumirt und erscheint nur ausnahmsweise irgend einem einzelnen Individuum angemessener, als das allgemein eingeführte. Im Süden findet man auf allen großen Märkten, so in Kuka, wie in Kano, Saria und Timbuktu, Thee zu kaufen.

Thee wird in Afrika nie allein bereitet; der Eingeborene von Aegypten schüttet ebenso gut wie der Tunesier und Marokkaner zu den Theeblättern einige Münzblätter oder auch Absynth, Luisa und andere aromatische Kräuter. Denn so wie man in Marokko den Thee braut, so wird er in ganz Afrika bereitet. Marokko ist ja der Religionsstaat schlechtweg, und wie alle mohammedanischen Afrikaner Malekiten sind wie die Maghrebiner, so bekommen sie auch vorzugsweise von Marokko in allen Gebräuchen, namentlich wenn diese irgendwie mit der Religion in Verbindung stehen, ihre Parole. Thee ist aber ein religiöses Getränk. Es giebt fromme Schriftgelehrte, die Kaffee nicht trinken, weil Kaffee gebrannt werden muß, Mohammed aber an irgend einer Stelle im Koran sagt: "Alles, was verbrannt ist, ist verboten."

Die Afrikaner trinken nur grünen Thee, eine ziemlich geringe Sorte, der ihnen fast ausschließlich von den Engländern zugeführt wird. Die eigenthümliche Sitte, die Barth in Timbuktu beobachtete, daß man Thee und Zucker zusammen verkauft, als ob beide Waaren unzertrennlich wären, beobachtete ich auch an verschiedenen Orten. Denn wenn man in Afrika bei den Meisten bemerkt, daß sie den Kaffee bitter trinken, pflegen sie den Thee jedoch so stark zu süßen, daß an vielen Orten Thee ohne Zucker und Zucker ohne Thee nicht gedacht oder verkauft werden kann. Man kennt nirgends die Sitte, Thee und Milch zusammen zu mischen. In vielen Städten Nordafrika's genießen statt des Thee's verschiedene Leute einen Aufguß von Gewürzen. Ingwer, Nelken, Muscatblüthen werden mit heißem Wasser übergossen und zu dieser Infusion etwas Zucker gesetzt.

Bedeutend volkstümlicher ist Lakbi, ein aus dem Safte der Dattelpalme gewonnenes Getränk. Man findet Lakbi in ganz Nordafrika im Gebrauch vom c.25° ö.L.v.F. an, dann im Westen von Nun, im Draathal, in Tafilet und Tuat wird nirgends Lakbi getrunken. Aber in Djerid, in den Oasen südlich von Konstantine, in ganz Tripolitanien, einschließlich der großen Oase Fesan bis nach Aegypten hin, findet man in allen Palmhainen immer Bäume, die angezapft sind. Man zieht die männliche Palme zum Anzapfen vor, einmal weil dieser Baum weniger Werth hat, dann auch, weil der Saft der männlichen Palme kräftiger sein soll. Das Anzapfen wird derart gemacht, daß oben der jüngste Sproß ausgehoben wird; dann wird eine Rinne nach dem äußeren Umfange gearbeitet und darunter ein Krug oder Topf befestigt. Im Frühjahr kann man in den ersten Tagen des Anzapfens bis zu 5 Liter erhalten. Die anfangs etwas milchige, fast widerlich süß schmeckende Flüssigkeit wird nach Verlauf von 24-36 Stunden säuerlich, fängt an zu gähren und entwickelt nun Alcohol. In diesem Zustande ist Lakbi berauschender als Bier, aber schon nach abermals 24 Stunden bildet dies Spiritus haltende Getränk sich in Essig um. Den von Rüppel erwähnten Dattelwein, "ein widerlich süßes Getränk, aus halbgegohrenem Datteldecoct bereitet", habe ich nirgends angetroffen.

Bedeutend beschränkter ist Meth, Tetsch oder Honigwein. Man kann sagen, daß dies Getränk eigentlich nur in Abessinien und den nächst angrenzenden Ländern getrunken wird. Die Bereitung des Tetsch geschieht in Abessinien ähnlich wie in England und bei uns, nur daß statt Hefen und Hopfen eine andere bittere Pflanze, Amdat genannt, hinzu gethan wird. Das Getränk wird in Abessinien gewöhnlich in großen Rindshörnern aufbewahrt, auch die Becher zum Trinken bestehen aus Horn. Tetsch ist sehr berauschend. Ausnahmsweise bereiten auch centralafrikanische Völker Honigwein, aber meistens stellen diese ihr bei uns Europäern unter dem Namen Busa oder auch Merissa bekanntes, berauschendes Getränk aus Getreide her. Es gehört schon ein guter Magen und ein wenig wählerischer Geschmack dazu, um das abscheuliche Getränk genießen zu können. Und da Busa und Merissa wenig alkoholartig sind, so gehören schon ungeheure Quantitäten dazu, wie sie eben nur ein Negermagen zu bergen vermag, um nur einigermaßen Wirkung zu spüren. Dennoch haben verschiedene Reisende[22] sich an dies schon äußerlich so widerlich (chocoladenfarbig) aussehende Getränk gewöhnen können. Die Maba in Wadai vertilgen ungeheure Quantitäten von Merissa, ebenso wird in Bagermi, in Mandala stark Busa getrunken; in Bornu, namentlich in der Hauptstadt Kuka, weniger.

Von den Eingeborenen Afrika's wird Wein nur in Marokko und Tunis bereitet. Die Weinrebe kommt allerdings wohl in Abessinien vor, aber nur in einzelnen Stauden. Ebenso findet man in Unterägypten Weinreben, auch im Norden von Tripolitanien, aber nur Europäer bereiten etwas Wein davon. Es liegt das eben in den Verhältnissen Nordafrika's, das jetzt ganz in den Händen der Mohammedaner sich befindet, denen Wein bekanntlich verboten ist. Aber wie trefflich der Wein in Nordafrika wird, sieht man aus den Sorten, die jetzt von Algerien aus auf den Markt kommen; sie stehen an Güte den spanischen nicht nach. Im Weinlande Marokko aber verlegen sich trotz des Verbotes ihres Propheten genug Leute auf Weinbereitung und Weintrinken. Aber der Wein, den die Marokkaner durch Kochen herstellen, ist, obwohl sehr stark von Geschmack, herzlich schlecht und von Farbe ebenso abstoßend. Blume ist gar nicht vorhanden. Der Gebrauch des Weines in Marokko ist mehr auf dem Lande als in der Stadt zu Hause. Man nennt den Wein Ssammed, Hammed oder Schrab.

Die in Nordafrika seßhaften Juden bereiten auch Schnaps aus Feigen, Rosinen und Datteln. Jeder Jude fast hat seinen eignen kleinen Destillationsapparat im Hause und macht sich nach seinen Bedürfnissen seinen Schnaps selbst. Der Schnaps der Juden ist gut, auch nicht zu stark, besonders rein im Geschmack. Man würde Unrecht thun, wollte man sagen, die einzelnen Juden seien Säufer; obschon sie alle Schnaps trinken, sind sie im Ganzen sehr mäßig darin. Desto mehr haben sie von der mohammedanischen Geistlichkeit zu leiden; oft dringt ein Thaleb oder auch ein Scherif in ein jüdisches Hans, bemächtigt sich des ganzen Schnapsvorrathes, um sich wie eine Bestie damit vollzusaufen; der arme Jude kann in dem Falle noch froh sein, wenn er ohne Prügel dabei wegkommt.