Als Eingangsgruss bedienen sich diese Stämme gewöhnlich der Worte Lalē, Lalē, Lalē und erkundigen sich dann nach dem Zustand der Dinge im Allgemeinen mittelst der Worte afi l'abar (l'abar kommt aus dem Arabischen, von el-achbar, die Neuigkeit, während afi echt Kanúri ist). Dies wiederholen sie mehrere Mal, indem sie sich oft die Hand dabei reichen, oft auch nicht. Gleich darauf—und dies ist sehr bezeichnend für die empfindlichen Neger—erkundigen sie sich nach dem Zustande der Haut: ṅda tégē, wie ist die Haut?, und schalten hin und wieder, namentlich wenn sie Mohammedaner sind, ein Hamd alláhi ein. Sehr gebräuchlich ist auch der bei allen Sudan-Negern eingebürgerte Gruss l'áfia, der jedoch auch aus dem Arabischen entnommen ist und so viel wie Friede bedeutet.
Das eben Angeführte gilt beim Grüssen zwischen Gleichen, sobald indess ein Niederer einen Höheren antrifft oder besucht, gestalten sich die Verhältnisse ganz anders; der Niedere wirft sich vor dem Höheren auf die Erde, berührt mit der Stirn den Sand und untermischt die gewöhnlichen Lalē, Lalē mit häufigen Alla-ká-bondjo, Gott sei dir gnädig, oder ṅgúbbero degá, (Gott) lasse Dich lange Zeit (leben). Dies Letzte entspricht also wörtlich dem Arabischen Allah ithol amreck. Will man sehr höflich und unterthänig sein—und namentlich geschieht das vor dem Sultan—, so streut man sich etwas Staub auf sein Haupt oder macht wenigstens die Miene, als ob man es thäte. Es gehört überdies zum guten Brauch, einer höheren Person nicht ins Gesicht zu sehen, sondern beim Reden den Kopf seitwärts zu drehen. In Mándara, wo am Hofe die alten Sitten noch reiner bewahrt sind, bemerkte ich sogar, dass sämmtliche Höflinge und Anwesende dem König den Rücken zudrehten, selbst wenn sie mit Seiner schwarzen Majestät sich unterhielten, als ob sie die Macht und Herrlichkeit des Königlichen Antlitzes nicht ertragen könnten; auch selbst am schon civilisirteren Hofe von Bornu pflegen die alten kognáua (Plural von kógna, welches Wort Barth so treffend durch unser Deutsches "Hofrath" übersetzte) noch eine gleiche Sitte zu beobachten.
Die Frauen, welche in Bornu, ob mislemata oder Heiden, alle unverschleiert gehen, überhaupt eine den Männern vollkommen gleich berechtigte Stellung sich zu bewahren gewusst haben, grüssen sich unter einander auf ganz gleiche Weise; falls sie mit Männern zusammenkommen, erwarten sie indess, wie das ja auch bei uns der Fall ist, dass man sie zuerst grüsst.
Andere Redensarten der Kanúri, welche sie jedoch mit anderen um sie herum wohnenden Neger-Stämmen gemein haben, sind: ṅdáni, adak ke l'áfia—adak ke l'áfia, ke l'áfia lē. Letztere Redensart ist sehr gebräuchlich und bedeutet ungefähr unser "wie geht es?" Endlich haben sie für "Willkommen" die aus dem Haussa herüber bekommene Redensart usse-usse; dieser letzte Ausdruck kann auch für "danke" benutzt werden, obgleich die Kanúri für "ich danke" das echte, aber fast nie angewandte Wort gode-ṅgin haben.
Geht man von Bornu westwärts, so stösst man zunächst auf die grosse Nation der Haussa, augenblicklich von den Fulan oder Fellata beherrscht. Ehedem auch unter grossen nationalen und despotischen Dynastien stehend, sind ihre Begrüssungen auch natürlich sehr ceremoniös. Eine Frau begrüsst z.B. einen Mann nur knieend und unterwegs kniet sie so lange nieder, bis der Mann vorüber ist; tragen sie dabei eine Bürde auf dem Kopfe, so setzen sie dieselbe ab. Der männliche Theil der Bevölkerung macht weniger Umstände, namentlich wenn es sich um Gleiche dreht; eine einfache Berührung der Finger, die man hernach zum Munde führt, mit dem auch in Bornu eingeführten Ausruf Ssünno, ssünno oder l'áfia reicht gewöhnlich hin. Als Zeichen der Freude, namentlich bei einem frohen Zusammentreffen, haben die Haussaer etjau-etjau.
Sind sich zwei Individuen näher bekannt, so erkundigen sie sich specieller nach dem gegenseitigen Befinden: "Akekéke", "wie bist Du?", "kol l'áfia", "mit dem Frieden", d.h. sehr gut, oder "kenna l'áfia", "wie geht's?", was der Andere mit "ranka schidéde tol amrek" ("ich danke, Gott verlängere deine Existenz", wovon die letzte Hälfte Arabisch ist) erwiedert. "Allah schibáka ioreih" ist der den Segen Gottes auf das Haupt eines Freundes erflehende Schlussgruss.
Vor einer höheren Person oder einem Könige werfen sich die Haussaer wie die Kanúri in den Staub und streuen sich etwas Sand auf das Haupt oder machen doch die Bewegung nach. Allgemein ist auch die Sitte, dass ein Niederer, falls er vor einem höher Gestellten sich zeigt, die Tobe von den Schultern zurückzieht, und fast alle Negerstämme einschliesslich die Kanúri haben in ihrer Sprache einen besonderen Ausdruck für dies Zurückschlagen.
Ganz anders in ihrem Auftreten sind die Fulan oder Fellata, die sich selbst Pullo nennen und in Sókoto und Gando zwei der mächtigsten und grössten Reiche in Centralafrika gegründet haben. Dies räthselhafte Volk, nach dessen Ursitzen man bis jetzt vergeblich gesucht hat und von dem man nicht weiss, ob man es zu den Negern, zu der Malayischen oder der weissen Raçe rechnen soll, und das hauptsächlich zwei Hauptstämme bildet, die sogenannten Bornu-Fulan und die Melē-Fulan, ist zum Theil, und namentlich die Melē-Fulan, schon vor Zeiten zum Islam übergetreten, während auch noch Viele und namentlich die, welche dem Nomadenleben treu geblieben, Heiden sind. Sie haben durch ihre lange Praxis der mohammedanischen Religion Vieles aus dem Arabischen entlehnt.
"Allah rhina, Allah rhina" rufen sie sich beim Begegnen zu und es entspricht dies unserem "grüss' Dich Gott", das l'áfia haben sie ebenfalls wohl aus dem Arabischen bekommen und ihr mad' Allah, mad' Allah, welches bei ihnen einen besonderen Grad von Zufriedenheit bedeutet und für "danke" gebraucht wird, lässt sich auf das Arabische zurückführen. Immer freies, nie geknechtetes Volk haben die Fellata gar keine besonderen Ceremonien beim Grusse und in Garo-n-Bautschi (Jakoba) hatte ich Gelegenheit zu sehen, wie bei den öffentlichen Audienzen, die der Sultan oder, wie die Pullo ihn tituliren, Lámedo gab, Jeder ohne Umstände sich nähern konnte.
Um "guten Morgen" auszudrücken, bedienen sich die Fulan des Wortes ualidjim, um "guten Abend" zu sagen, des Wortes infinidjim; ausserdem schalten sie überall uódi, dumbódi ein, Worte, die sich nicht genau übersetzen lassen, aber einen besonderen Grad von Zufriedenheit und Freude ausdrücken sollen.