Wir hoffen, dass Gordon, dieser grosse Philanthrop, von dem man sagt, dass er in diesem Augenblick auf der englisch-ägyptischen Bühne erscheinen soll und der so grosse Sympathien für das christliche Abessinien hegt, diese Sache endgültig regeln wird. Jetzt heisst es: entweder Abessinien wird britisch, oder vollkommen frei, unabhängig und gelangt in Besitz einer Küste. Ein Drittes gibt es nicht. Denn wenn Aegypten jahrelang einen permanenten Kriegszustand an seiner Grenze dulden konnte, so liegt das in der Natur der ägyptischen Verhältnisse. Was kümmert es die kahiriner Regierung, wenn so und so viele Menschen alljährlich umkommen und ermordet werden, falls man nur seine noch dazu vollkommen unbegründeten Hoheitsrechte aufrecht erhalten kann! Und namentlich, wenn alles dies so weit entfernt von Cairo vor sich geht. Aber solche Zustände wird England nicht dulden. Nach Herstellung fester Zustände in Cairo wird auch Abessinien endlich zur Ruhe kommen.
Ein Wort über die Karte. Sie wurde zuerst in Petermann’s „Geographischen Mittheilungen“ veröffentlicht, und ist speciell von Hassenstein gefertigt, welcher von den vielen Schülern, die Petermann herangebildet, als einer der ausgezeichnetsten bezeichnet werden darf – „ein junger Veteran“, wie Petermann ihn selbst vor nunmehr 20 Jahren nannte. Die Karte enthält nicht nur die eigenen Beobachtungen, sondern alles, was bis 1882 über Abessinien als neu zu vermerken war, ist mit verwerthet worden.
Zum Schluss noch ein Wort über die Schreibweise der abessinischen Namen. Ich habe den Grundsatz befolgt, welcher ja auch noch in diesem Sommer auf dem Allgemeinen Französischen Geographencongress als der allein richtige anerkannt wurde, die Namen so wiederzugeben, und zwar in deutscher Weise, wie ich sie hörte. Dass dabei Irrthümer unterlaufen können, soll nicht geleugnet werden: das Auffangen und Hören der Wörter ist eben eine zu individuelle Sache. Aber wenn ich Aksum oder Uadaï schreibe, habe ich nichts dagegen, wenn der Franzose Aksoum und der Engländer Wadaï schreibt. Als Deutscher aber schreibe ich Abessinien, Aethiopien, Aegypten, nicht Abyssinien, Egypten. Selbst nicht einmal die Italiener würden so knechtisch sein, Abyssinia zu schreiben, sie geben das Wort durch Abissinia wieder. Weshalb sollen wir denn unsere Eigenart aufgeben? Ist die deutsche Literatur über Afrika vielleicht geringer als die der Engländer und Franzosen? Würde es einem Engländer einfallen, uns zu Liebe Abessinien zu schreiben? Verinternationalisirt man sich nicht schon ohnedas genug? Also behalten wir unsere Schreibweise und lassen den übrigen Nationen die ihrige!
WEIMAR, im December 1882.
G. ROHLFS.
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