Frau Scholz: Ich bin eben ’ne einfache Seele — der Vater war eben zu vornehm für mich. — Seine Mutter hatte och so was Vornehmes. Aber mei’ Vater war früher bluttarm — in mir steckt eben das Armuthsblutt! Ich kann mich nich anders machen. Na meinswejen — die paar Jahre wird’s wohl noch gehen. Der liebe Gott wird mich schon bei Zeiten erlösen.
Robert: Von Gott erlöst sein möchte man lieber!
Frau Scholz: Pfui! das is e’ Hallunke, der das sagt. Ach —: von Gott erlöst sein — da nähm’ ich mir ne Nadel und stäch mer se — hier — in’s Herze — in die Rippen. Wie scheußlich is das: von Gott erlöst sein! Wo wäre ich blos geblieben, wenn ich meinen Gott nich gehabt hätte. — Willst Du d’nn wirklich fortgehn, Robert?
Robert (schon auf der Treppe): Ach schweig schon, Mutter! Ruhe brauch ich — Ruhe. (ab)
Frau Scholz: Je ja! — je ja, — Ihr macht ein’n’s Leben nicht leicht! (zu Wilhelm, der wie am Anfang noch immer antheillos am Tische brütet.) Nu denk’ Dir blos an —: Robert will fort!
Wilhelm: Meinethalben!
Frau Scholz: Sag mer nur —: wast sitzt Du denn immer so? das nutzt ja nischt, Du! — sei doch nur vernünftig!
Wilhelm (seufzt tief auf): Ach, ja!
Frau Scholz: Das Seufzen nutzt gar nichts! sieh mich an! — ich bin alt — wenn ich mich hinsetzen wollte, wie Du . . . . Was geschehn ist, ist geschehn. — Das ist nu mal nicht zu ändern. Hörst Du! lies was! — steh auf, nimm Dir ’n Buch und zerstreu Dich!
Wilhelm (seufzt): Ach, Mutter! — laß mich doch nur machen! — ich störe ja doch Niemand! . . . . Ist Friebe vom Arzt zurück?