Robert: Du kannst Dir jedes Wort getrost sparen. — Unter solchen Verhältnissen selbstverständlich. — Es ist Dein gutes Recht, das Mädchen fest zu halten.
Wilhelm: Unter solchen Verhältnissen? — unter was für Verhältnisse? sag mir doch bitte!
Robert: Du sprachst von Ida — vorhin — meines Wissens . . .
Wilhelm: Nun ja — also was —?
Robert: Jetzt sprichst Du von Dir — es kam so heraus — na — mit einem Wort, wenn es Dir gleichgültig ist, was aus dem Mädchen wird — wenn Du die nöthige Dosis . . . . nun sagen wir meinetwegen Rücksichtslosigkeit auf Lager hast . . . . wenn Du sie so nimmst . . . . so wie einen neuen Rock oder Hut oder so was . . . . . .
Wilhelm: Robert! — so durch und durch herzlos, wie Du bist, — Du hast doch diesmal Recht — ich gehe mit Dir . . . . hier aus dem Hause — heißt das — gehe ich mit Dir . . . . ein Stück — nicht weit — und nun . . . . nun . . . . bin ich fertig — mit Euch Allen. — Ja, ja, jetzt bin ich — rede nicht erst! — jetzt bin ich wirklich fertig — ganz und gar . . . . . . .
Robert (sieht ihn erstaunt an und zuckt dann mit den Achseln.)
Wilhelm (mit steigender Heftigkeit): Du, Du! — gieb Dir keine Mühe — es gelingt Dir nicht — mich kannst Du nicht täuschen mit Deiner harmlosen Ruhe. — Recht hast Du allerdings, aber was Dich auf den rechten Gedanken gebracht hat, das sag ich Dir in’s Gesicht, das ist jämmerlicher Neid . . . . . das ist einfach tief klägliche Mißgunst! — Du weißt sehr gut, daß ich ehrlich kämpfen würde, doch ihrer schließlich einigermaßen würdig zu werden. — Du weißt sehr gut, wie dieses Mädchen mit ihrer Reinheit mich reinigt. Aber Du willst es nicht! Du willst mich nicht gereinigt wissen. — Warum willst Du es nicht? — nun weil . . . . weil Du selbst so bleiben mußt, wie Du bist . . . . . . weil sie mich liebt und nicht Dich! — Und deshalb hast Du mir diesen ganzen Abend mit Deinem Polizeiblick aufgelauert . . . . . hast mir immer und immer wieder zu erkennen gegeben, daß Du etwas von mir weißt — ja wohl! Du hast ganz Recht! ich bin ein durch und durch lasterhafter Mensch. Nichts ist mehr rein an mir. Besudelt, wie ich bin gehöre ich nicht neben diese Unschuld, und ich bin auch entschlossen, kein Verbrechen zu begehen. Aber Du Robert! Du wirst dadurch nicht reiner; ein Glück für Dich, daß Du Dich nicht mehr schämen kannst!
Robert (hat während des letzten Drittels von Wilhelms Rede seine Sachen genommen und ist dem Ausgang zugeschritten. Die Klinke in der Hand bleibt er stehen, als ob er reden wollte, besinnt sich eines anderen, zuckt resignirt mit den Achseln und entfernt sich sehr ruhig. Ab.)
Wilhelm (dem Davongegangenen nachrufend): Robert! — Robert! —