Direktor Hassenreuter

Herr John, zwischen Eheleuten den Schiedsmann spielen ist meine Sache im allgemeinen nicht. Dazu ist dies Geschäft zu undankbar und man macht dabei meistens böse Erfahrungen. Sie sollten aber in Ihrem zweifellos mit Recht verwundeten Ehrgefühl sich nicht zu Übereilungen hinreißen lassen. Denn schließlich ist doch Ihre Frau für die Tat ihres Bruders nicht verantwortlich. Lassen Sie ihr das Kind! Machen Sie nicht das Unglück schlimmer durch eine überflüssige Härte, die Ihre Frau aufs empfindlichste kränken muß.

Frau John

Paul, det Kind is aus meinen Leibe jeschnitten! Det Kind is mit meinen Blute erkoft. Nich jenug, alle Welt is hinter mich her und will et mich abjagen! Nu kommst och du noch und machst et nich anders, det is der Dank! als wenn det ick ringsum von hungrige Welfe umjeben bin. Mir kannste dot machen! mein Kindeken soßte nich anfassen.

John

Ick komme zu Hause, Herr Direkter! Ick bin heut morchen erst mit mein ganzes Zeug quietschverjnügt von de Bahn jekomm! Hamburg, Altona, allens abjebrochen. Wenn och Verdienst jeringer is, dachte ick, wißt lieber bei deine Familie sind! Bißken Kind uf’n Arm nehmen! Bißken Kind uf’n Knie nehmen! Det war unjefähr so meine Inbildung ...

Frau John

Paul! Hier Paul! — (Sie tritt ihm ganz nahe.) — Reiß mir det Herz aus’n Leibe! —

Sie starrt ihn lange an, dann läuft sie in den Verschlag, wo man sie laut weinen hört.

Selma kommt vom Flur. Sie trägt Trauerkleidung und einen kleinen Grabkranz in der Hand.