Ah, du kennst diese Brust voll hoher und höchster Orden noch nicht!? Klärchen und Egmont! Hier magst du dich satt trinken! —
Neue Umarmung.
Carpe diem! genieße den Tag! Sekt, kleine Naive, steht allerdings auf dem jetzigen Repertoire deines alten Direktors, Erweckers und Freundes nicht! — (Er öffnet eine Truhe und entnimmt ihr eine Flasche Wein.) — Aber dieser Stiftswein ist auch nicht von Pappe! — (Er zieht den Korken. Die Türschelle geht.) — Was? — Pst! — Wer hat denn die ungeheure Dreistigkeit, am Sonntag nachmittag hier anzuklingeln? — (Es klingelt stärker.) — Kleine, zieh dich doch mal in die Bibliothek zurück. — (Alice eilt in die Bibliothek ab. Es klingelt wieder.) — Donnerwetter noch mal, der Kerl ist ja irrsinnig. — (Er eilt nach der Tür.) — Gedulden Sie sich oder scheren Sie sich! — (Man hört ihn die Tür öffnen.) — Wer? Wie? „Ich bin’s, Fräulein Walburga?“ Was? Fräulein Walburga bin ich nicht. Ich bin nicht die Tochter! Ich bin der Vater! Ach, Sie sind’s, Herr Spitta! Gehorsamer Diener, ich bin der Vater! Ich bin der Vater! Was wünschen Sie denn?
Im Gange erscheint wiederum der Direktor, geleitet von Erich Spitta, einem einundzwanzigjährigen jungen Menschen, der Brille und Zwicker trägt und übrigens scharfe und nicht unbedeutende Züge hat. Spitta gilt als Kandidat der Theologie und ist entsprechend gekleidet. Er hält sich nicht gerade, und seiner Körperentwicklung ist die Studierstube und mangelhafte Ernährung anzumerken.
Direktor Hassenreuter
Wollten Sie meiner Tochter Walburga hier auf dem Speicher Privatstunde geben?
Ich fuhr im Pferdebahnwagen vorüber und glaubte wirklich, ich hätte Fräulein Walburga unten durch das Portal in’s Haus eilen sehen.
Direktor Hassenreuter
Gar keine Ahnung, mein lieber Spitta. Meine Tochter Walburga ist augenblicklich mit ihrer Mutter in der englischen Kirche, ich glaube, zu einem liturgischen Gottesdienst.