Hanna:
Er ist so zerrüttet von die schreckliche Quälereien von seine echt deutsche Ehefrau, daß er hundertmal zu mir gesagt hat: »Hanna, nur wenn du bei mir bist, habe ich ein Gefühl von Geborgenheit.« Es ist ein Verbrechen, was eine solche Frau an dem Manne begeht, mit ihren Vorwürfe, ihre ewige Tränen und Anklagen, mit ihre täglichen Forderungen um Geld, wo er doch nicht, trotz aller Arbeit, verdienen kann, und sie könnte mit ihrem Klavierunterricht viel besser als er das Leben verdienen.
Lucie:
Mag sein, daß Frau Eveline nicht sehr besonders tatkräftig ist; sie soll es ja früher, als sie von England zurück als Gouvernante kam, reichlich gewesen sein.
Hanna:
Ich habe diesen Mann im Elend gefunden, im Elend geliebt! Weil er elend war, hab ich ihn geliebt. Ich wollte ihm helfen in seine Verzweiflung. Ich nahm nie einen Pfennig Geld von ihm. Eher sucht ich es, wo ich es finden konnte! Ich wollte ihn aus der Sorge reißen. Ich wollte nicht, wie Eveline, durch ihn versorgt und erhalten sein. Sie wirft auf den armen Schilling jede Verantwortung. Ich trage selbst die Verantwortung. Ich weiß, seine Kunst ist viel zu gut! Und er kann unmöglich damit viel Geld machen. Er braucht mich, ich bin ihm unentbehrlich, ich teile mein letztes Stück Brot mit ihm.
Lucie:
— Ich würde mir jedenfalls niemals einreden können, daß irgendein Mensch nicht ohne mich existieren kann.
Hanna:
Das ist bei Ihnen und Mäurer ein anderer Fall. (Lucie lacht kurz und leicht auf.) Aber ich habe zu ihm gesagt: ich will deine Arbeit, ich will dein Glück. Ich werde gehen und nicht wieder auftauchen, wenn du mit deine Frau glücklicher bist. Ich dachte, er schläft auf einer elenden Feldbettstelle in eine feuchten und eisigen Atelier. Soll er lieber bei seine Frau schlafen, hab ich gesagt, wenn es gut für ihn ist. Nun, er antwortet mir: nur das nicht! Er hat gestanden vor meine Haustür, wo ich habe russische Herren gehabt zu Besuch in meine Wohnung, bei achtzehn Grad Kälte stundenlang. Um elf Uhr ist er fortgegangen darnach, weil ich nicht habe bemerkt, daß er da ist, und ist nachts halb ein Uhr, wo alles still war, wiedergekehrt und hat mich geweckt mit Steinchen am Fenster. So habe ich ihn glücklicherweise entdeckt.