Mäurer:

Ist das die Wirkung von euren Seebädern?

Schilling:

Weiß Gott, wovon das die Wirkung ist! Sieh mal, es gab mal bei mir eine Zeit, da braucht ich an einem grauen Tag nur in der Ferne, zum Beispiel an einem Berg oder an einem der märkischen Seeufer irgendeinen von der Sonne beschienenen Fleck zu erblicken, sofort verlegte ich auch ein Stück Eden dahin. Was sollte ich heute in Griechenland? Ich kann in die Dinge nichts mehr hineinlegen. Äh, stellen wir erst die Uhr mal ab. (Er steht auf und stellt den Pendel der Wanduhr still.)

Mäurer:

»Es gab eine Zeit«! was tu ich damit? Du solltest eine so schwächliche, sentimentale Altweibersommermeditation wahrhaftig anderen überlassen. Und die Uhr wird auch nicht mehr abgestellt! (Er springt auf und stößt den Pendel der Uhr wieder an, so daß sie geht. Lucie bricht in Gelächter aus.) Taten, mein Junge! Malen! Arbeiten! Was meinst du wohl, wie gesund das ist!

Schilling:

Nanu will ich dir mal was anderes sagen: ich reise seit meinem sechzehnten Jahre jedes Frühjahr und jeden Herbst mittels einer sehr lebhaften Phantasie nach Griechenland. In Wirklichkeit bin ich nie hingekommen; da glaubt man nu mal so recht nicht mehr dran.

Lucie nimmt eine Gitarre vom Sofa und zupft darauf leise die »Ruinen von Athen« von Beethoven.