Mäurer:
Mit offenen Augen soll man nicht träumen; am hellichten Tage träumt man nicht. Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, daß alle diese Gespenster Blut trinken. Und das auf die Dauer auszuhalten, haben wir alle nicht Blut genug.
Lucie:
Du irrst dich, wenn du meinst, daß mir der eigentümliche Zustand, dem ich so gern hier nachhänge, schädlich ist. Er wirkt angenehm; er ist mir wohltätig. Es ist ungefähr so, als wenn jemand durch eine Tür in unbekannte Räumlichkeiten gegangen ist, und während die Tür sich öffnet und schließt, folgt man ihm mit dem Blick und der Seele ein Stück ins Unbekannte hinein.
Mäurer:
Ich weiß, wie sehr dieser Zustand verlockend ist ... dieser Zwischenzustand, könnte man sagen, wo das Schemenhafte sich überall ins reale Leben mischt; wo man mit einem Fuß auf der Erde steht und mit dem andern im Übersinnlichen. Und doch schaudert der Mensch vor dem Eindruck von Todesfällen und den damit verknüpften aufwühlenden Folgezuständen ganz vernünftigerweise zurück.
Lucie:
Es ist mir heiter, es ist mir nicht aufwühlend. Ich wiege mich einfach in dem bestimmten Bewußtsein, daß ich mit Mutter verbunden bin. — Es hat außerdem alles um mich etwas eigentümlich Interimistisches. Ich weiß nicht, ich glaube nicht, daß das alles: das Rauschen, das Licht, das Lerchengetriller endgültig ist.
Mäurer