Wir brechen auf, um die Trümmer von Mykene und die unterirdischen Bauten zu sehen, die man Schatzhäuser nennt. Ich bin durchaus homerisch gestimmt, wie denn mein ganzes Wesen dem Homerischen huldigt, auch wenn ich nicht des wundervollen Schatzes gedenken müßte, der im Museum zu Athen geborgen liegt und der aus den Gräbern von Mykene gehoben ist. Wo ist das Blutlicht, mit dem Äschylos und Sophokles durch die Jahrhunderte rückwärts diese Stätte beleuchteten? Es ist von der Sonne Homers getilgt. Und ich sehe in diesem Augenblick die Greueltaten der Klytämnestra, des Agist und des Orest höchstens mit den Augen des Menelaos in Sparta an, als er dem jugendlichen Telemach, der gekommen ist, nach Odysseus, seinem Vater, zu forschen, davon erzählt.
„Aber indessen erschlug mir meinen Bruder ein Anderer
Heimlich mit Meuchelmord durch die List des heillosen Weibes ...
Dennoch, wie sehr ich auch trauere, bewein’ ich alle nicht so sehr
Als den einen ...“
womit er Odysseus — nicht einmal Agamemnon! — meint, den lange Vermißten.
Wer, der die kerngesunde Königsidylle jenes Besuches liest, den Telemach in Sparta abstattet, könnte dagegen des Glaubens sein, daß der erprobte Held, Mann und Bruder sich sophokleischen Blutträumen überlassen hätte? Zumal, wenn er sagt:
„Laßt uns also des Grams und unserer Tränen vergessen“
oder wenn Helena bei ihm ruhte, noch immer „Die Schönste unter den Weibern.“