Es erscheinen jetzt Äcker, Gartenflächen, Wiesen und Bäume oasenartig. Die Erde zwischen Felsen und Bäumen ist rot, und hier und da stehen rötliche Wasserlachen.

Der Parnon verschwindet und taucht wieder auf. Die Gegend gewinnt, nachdem wir die Paßhöhe überschritten haben, an Großartigkeit. Einige der vielen steinigten Hochtäler, die man übersieht, zeigen Baumwuchs inselartig in ihrer Tiefe. Es ist mir, so lange mein Auge durch diese uferlosen, kochenden Wüsteneien schweift, als ob ich das traurig-nackte, ausgetrocknete Griechenland mit einem Mantel grüner Nadelwälder bedecken müßte, und meine Träumereien führen Armeen tätiger Menschen hierher, die, vom sorglich gepflegten Saatkamp aus, in geduldiger Arbeit Arkadien aufforsten. Mit tiefem Respekt gedenke ich der zähen Kraft und Tüchtigkeit jener Männer und Frauen meiner engeren Heimat, auch derer mit krummgezogenem Rücken, die den Forst ernähren, mehr wie sie der Forst ernährt, und mit Staunen vergegenwärtige ich die Schöpferkraft, die in der harten Faust der Arbeit liegt.

Wir halten Rast. Die Herberge ist an eine Krümmung der Bergstraße gestellt. Unter uns liegt ein weites Tal, das der Taygetos mit einer Kette von Schneegipfeln mächtig beherrscht. Der Himmel glüht in einer fast weißen Glut. Hügelige Abhänge in der Nähe, von Olivenhainen bestanden, erscheinen ausgebrannt.

Unsere Herberge hat etwas Japanisches. Das Schilfdach über der schwankenden Veranda, auf der wir stehen, ist durch dünne Stangen gestützt. Unten klingeln die müden Pferde mit ihren Halsglöckchen. Die trinkfrohen Lehrer aus Sparta haben uns eingeholt und sitzen lärmend unten im Gastzimmer. Wir werden in ein oberes Zimmer geführt, dessen Dielen dünn wie Oblaten sind. Durch fingerbreite Fugen zwischen den Brettern können wir zu den Lehrern hinabblicken. Der Kurier trägt ein Frühstück auf. Indessen schwelgen die Augen und ruhen zugleich im jungen Blättergrün eines Pappelbaums, der, vom heißen Winde bewegt, jenseits der Straße schwankt und rauscht.

Nachdem wir gegessen haben, ruhen wir auf der Veranda aus. Bei jedem Schritt, den wir etwa tun, schaukelt die ganze Herberge. Zwei Schwalben sitzen nahe bei mir unter dem Schilfdach auf der Geländerstange. Überall um uns ist lebhaftes Fliegengesumm.

Wir haben vor etwa einer Stunde das Kahni verlassen, wo uns die Lehrer aus Sparta eingeholt hatten. Ihr Einspännerwägelchen stand, als wir abfuhren, vor der Tür und wartete auf die indessen lustig zechenden Gäste. Sonderbar, wie in diesem heißen, stillen und menschenleeren Lande die brave Turnerfidelitas anmutete, die immer wieder in einem gewaltigen Rundgesang gipfelte!

Die Straße beginnt sich stärker zu senken. Wir fahren weite Schlingen und Bogen an tiefen Abstürzen hin, die aber jetzt den Blick in eine immer reicher ausgestaltete Tiefe ziehen. Wir nähern uns der Gegend von Sparta, dem schönen Tal des Eurotas an.

Es ist eine wundervolle Fahrt, durch immer reicher mit Wein, Feigenbäumen und Orangenhainen bestandene Abhänge. Ziegen klettern zur Linken über uns und zur Rechten unter uns. Lieblich gelegene Ansiedelungen mit weißem Gemäuer mehren sich, bis wir endlich das flache Aderngeflecht des Eurotas und zugleich die weite Talsohle überblicken können.

Fast wie Vögel senken wir uns aus gewaltiger Höhe auf das moderne Sparta herab, das, mit weißen Häusern, aus Olivenhainen, Orangengärten und Laubbäumen, weiß heraufleuchtet. Es ist mir dabei, als beginne das strenge und gleichsam erzene Wort Sparta, sich in eine entzückende, ungeahnte südliche Vision aufzulösen. Eine augenblendende Vision von Glanz und Duft.

Ich kann nicht glauben, daß irgendein Land an landschaftlichen Reizen und in der Harmonie solcher Reize mit dem griechischen wetteifern könnte. Es zeigt den überraschendsten Wechsel an Formen und überall eine bestrickende Wohnlichkeit. Man begreift sogleich, daß auch dieses Tal von Sparta eine festgeschlossene Heimat ist, mit der die Bewohner, ähnlich wie mit einem Zimmer, einem Hause verwachsen mußten.