Helene. — Wenn ... wenn .... Ach! ich will lieber nicht reden ... ich wollte nur sagen: die Frau ist doch im Allgemeinen an’s Entsagen gewöhnt.
Loth. Um’s Himmels willen! Sie verstehen mich durchaus falsch. So ist das Entsagen nicht gemeint. Nur in sofern verlange ich Entsagung, oder besser, nur auf den Theil meines Wesens, der meiner Lebensaufgabe gehört, müßte sie freiwillig und mit Freuden verzichten. Nein, nein! im Übrigen soll meine Frau fordern und immer fordern — alles was ihr Geschlecht im Laufe der Jahrtausende eingebüßt hat.
Hoffmann. Au! au! au! ... Frauenemancipation! — wirklich Deine Schwenkung war bewunderungswürdig — nun bist Du im rechten Fahrwasser. Fritz Loth, oder der Agitator in der Westentasche! ... Wie würdest Du denn hierin Deine Forderungen formuliren, oder besser: wie weit müßte Deine Frau emancipirt sein? — Es amüsirt mich wirklich Dich anzuhören — Cigarren rauchen? Hosen tragen?
Loth. Das nun weniger — aber — sie müßte allerdings über gewisse gesellschaftliche Vorurtheile hinaus sein. Sie müßte zum Beispiel nicht davor zurückschrecken zuerst — falls sie nämlich wirklich Liebe zu mir empfände — das bewußte Bekenntniß abzulegen.
Hoffmann ist mit frühstücken zu Ende. Springt auf, in halb ernster, halb komischer Entrüstung. Weißt Du? das ... das ist ... eine geradezu unverschämte Forderung! mit der Du allerdings auch — wie ich Dir hiermit prophezeihe — wenn Du nicht etwa vorziehst sie fallen zu lassen, bis an Dein Lebensende herumlaufen wirst.
Helene mit schwer bewältigter, innerer Erregung. Ich bitte die Herren mich jetzt zu entschuldigen — die Wirthschaft ... Du weißt, Schwager: Mama ist in der Stube und da ...
Hoffmann. Laß Dich nicht abhalten.
Helene verbeugt sich; ab.
Hoffmann mit dem Streichholzetui nach dem Cigarrenkistchen, das auf dem Buffet steht, zuschreitend. Das muß wahr sein ... Du bringst einen in Hitze, ... ordentlich unheimlich. Nimmt eine Cigarre aus der Kiste und läßt sich dann auf das Sopha links vorn nieder. Er schneidet die Spitze der Cigarre ab und hält während des Folgenden die Cigarre in der linken, das abgetrennte Spitzchen zwischen den Fingern der rechten Hand. Bei alledem ... es amüsirt doch. Und dann: Du glaubst nicht, wie wohl es thut, so’n paar Tage auf dem Lande, abseit von den Geschäften, zuzubringen. Wenn nur nicht heute dies verwünschte ... wie spät ist es denn eigentlich? Ich muß nämlich leider Gottes heute zu einem Essen nach der Stadt. — Es war unumgänglich: dies Diner mußte ich geben. Was soll man machen als Geschäftsmann? — Eine Hand wäscht die andere. Die Bergbeamten sind nun mal d’ran gewöhnt. — Na! eine Cigarre kann man noch rauchen — in aller Gemüthsruhe. Er trägt das Spitzchen nach dem Spucknapf, läßt sich dann abermals auf das Sopha nieder und setzt seine Cigarre in Brand.
Loth am Tisch; blättert stehend in einem Prachtwerk. Die Abenteuer des Grafen Sandor.