St. Petersburg, 24. März/5. April 1828.
.... die Armee, die zwischen dem 20. und 25. April den Pruth überschreitet und die der Kaiser, bevor sie die Donau erreicht, einholen will. Jedenfalls will er beim Übergange über die Donau zugegen sein. Wo? hat er mir noch nicht gesagt und da ich nur eine Regel gemacht habe, den Kaiser nach nichts abzufragen, was er mir nicht mitteilen zu wollen zu beabsichtigen scheint, so habe ich darüber, wie überhaupt über den ganzen Operationsplan garnichts erfahren.
Mit welcher Ungeduld sehe ich Ihren Bestimmungen über mich entgegen. Hier kommt es mir unmöglich vor, daß ich an allem, was ich sich hier vorbereiten sehe seit drei Monaten, nicht Teil nehmen sollte und so denkt man es sich hier auch allgemein für unmöglich, daß ich nun nicht mitgehen werde. Der Kaiser erhielt soeben einen Courir aus Paris, der erneut die besten Nachrichten überbrachte und auch aus England die Nachricht, daß, wenngleich sich dasselbe nicht mit Rußlands Maßregeln in soweit einverstanden erkläre, um sich zur Teilnahme an denselben zu verstehen, so würde es jedoch Rußland nicht hindern und aufhalten in seinen Absichten auf die Türkei.... Welch’ ein Glück für die allgemeine Ruhe Europas, wenn England einsiehet, daß es durch sein falsches Benehmen den allgemeinen Krieg im Begriff war anzuzünden ...
Den heute hier erschienenen Friedensschluß in Persien lege ich hier bei[32]... wären wir doch erst soweit mit der Türkei.
Die abgebrochene Contre-Revolution in Portugal ist eine merkwürdige Sache[33]. England wird da auch etwas ins Gedränge kommen.
St. Petersburg, 28. März/9. April 1828.
Aus England sind die letzten Eröffnungen auch günstiger, indem es wenigstens erklärt, sich nicht Rußlands Maßregeln opponieren zu wollen. Von Österreich fehlt noch immer die seit zwei Monaten erwartete Antwort... mit Frankreich ist der Kaiser außerordentlich zufrieden. Dagegen können die portugiesischen Geschichten wohl nur sehr unangenehm erscheinen. Hätte Don Miguel nur nicht schon in Wien die unglückselige Constitution beschworen, so wäre Alles gut. Aber so ist sein Benehmen unverzeihlich...
Gestern sind Nachrichten aus Bukarest angekommen, die von dem Einrücken eines 6000 Mann starken türkischen Corps in Serbien, von Bosnien kommend, Meldung machen. Es sollen große Grausamkeiten vorgefallen sein und den Serben annonciert worden, daß eine größere militärische Occupation folgen werde und alle Waffen abgeliefert werden sollten. Auch sind türkische Truppen in dem kleinen Freistaat Montenegro eingerückt. Der Kaiser ist über die Serbische Occupation sehr entrüstet, weil dieselbe ganz gegen die Tractate ist und ihm daher nur gerechte Waffen gibt, die Pforte nicht länger zu schonen[34]. Aber es ist wirklich wahr, Alles vereinigt sich, des Kaisers Politik höher und gerechter mit jedem Tag zu stellen. Das ist der Preis und der Lohn für Offenheit, Gewandtheit und Festigkeit in der Politik, die dem Kaiser nie genug zu danken sein wird.
St. Petersburg, den 3./15. April 1828.
.... Der Kaiser hat gestern Depeschen aus London und Berlin erhalten. Die ersteren annoncieren ihm officiell, was er schon wußte, daß England ihn in nichts hindern will, aber ihn aus dem Vertrag getreten betrachtet...