5) vor den König in Pohlen .... zum Opfer Abrahams, nahe bey den Unschuldigen.
6) vor den König in Schweden .... zur Chimäre, nahe bey der Strasse der lebendigen Bären-Häute(r).
7) Vor die Kayserin von Rußland .... zum Berg Vesuvius, in der Höllen-Gaßen.
8) vor die Fürsten des H. R. Reichs .... zur Brille, nahe bey den Unheilbaren.
9) Vor die Holländer .... zur Waage, nahe bey der Stern-Warte.
10) Vor den Marschall de Broglio .... zum hölzernen Degen, in der Gaße, Hochmuths-Berg.
11) Vor die Madame de Pompadour .... zur Magdalene, in der Salpeter-Sieders-Gaße, welche nach Rochelle gehet.«
Es ist bei der Abfassungszeit des Codex fast selbstverständlich und ergibt sich auch schon aus den mitgeteilten Proben, daß der siebenjährige Krieg durchaus im Vordergrunde des Interesses steht. Bald sind es mehr oder minder witzige Auslassungen der angedeuteten Art, nicht selten auch Chronogramme, etwa eine Friedensweissagung enthaltend (z. B. S. 270), am häufigsten aber politische Gedichte, vornehmlich Kriegs- und Siegeslieder, die wir mit bekannter Sorgfalt in das Buch eingetragen finden. Eben diese politischen Dichtungen — auch die meisten der oben erwähnten Flugschriften gehören hierher — scheinen mir den eigentlichen Wert der merkwürdigen Sammlung auszumachen und ihr eine allgemeinere Bedeutung zu gewährleisten. Wenig bekannte Volkslieder, die in neueren Sammlungen solcher Gedichte nicht zu finden sind, wechseln hier mit den Oden und Gesängen gefeierter Poeten, und deutsches Wesen, deutsches Fühlen durchdringt sie fast ohne Ausnahme und läßt auch einen verklärenden Schimmer auf die Persönlichkeit des Schreibers, auf den schlichten Pfarrer in jenem kleinen Dorf im Rothenburgischen fallen. In der Brust Georg Friedrich Bezolds fanden alle großen Ereignisse den lebhaftesten Wiederhall, in dem stillen Pfarrhause zu Wildenthierbach wurden alle Schlachten und Siege noch einmal geschlagen und gesiegt, wenn auch nur auf dem Papier und in den zierlichsten geschriebenen Lettern von der Welt. Ganz unverkennbar ist seine hohe Bewunderung für den großen Preußenkönig, die er mit den meisten seiner süddeutschen Amtsbrüder teilte. Es geht aus zahlreichen Eintragungen deutlich hervor, daß man Friedrich in diesen Kreisen als den Verfechter der protestantischen Sache ansah, seine Siege als Triumphe des Protestantismus über den Katholizismus feierte. Aber der Pfarrer von Wildenthierbach ist doch nicht so sehr Politiker oder Fanatiker, daß er nicht auch in den Reihen der Gegnerpartei entstandene Lieder in sein Gedenkbuch aufgenommen hätte, wenn sie sich auch freilich in der Minderzahl befinden. Aus der großen Masse des vorhandenen Materials können wieder nur einige wenige Stücke probeweise hervorgehoben werden:
S. 264:
Herr Pfarr M...r
in H—ch
auf
den König in Preußen